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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1912-01-01 · 3. Heft. (1912) · p. Seite 101

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
34 (1912)
Issue
3. Heft. (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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101 Dass er neben . seiner vermittelnden Milde mit Kühnheit and Entschiedenheit begabt war, gas beweist sein in Barcelona gehaltenes Glaubensgespräch. Es trat nämlich an den stillwirkenden Gelehrten die Aufgabe heran, das Judentum und seine Lehre nach Aussen hin zu verteidigen. König Jakob I. voQ Arragonien liess sich in den späteren Lebensitrater, dem Dominikaner-General Penjaforte leiten, und dieser batte sein Augenmerk vorwiegend^auf die Bekehrung der Juden gerichtet. Sein Hauptjünger war ein getaufter Jade, Christiani, der in Arragonien und der Provence mit mehr Eifer als Erfolg, Glaubensgespräche mit Jaden abhielt, um sie zum Abfall zu bestimmen. Schliesslich (1276) wurde Nachmani auf Penjaforte’8 Veranlassung nach Barcelona berufen, um dort gegen Ghristiani’s Gründe das Judentum za verteidigen. Ein derartiges Auftreten war seinem ganzen Wesen zuwider, aber nachdem er die Notwendigkeit erkannt hatte, stand er mit bespielloser Festigkeit und mit der Mässigang des Stärkeren seinen Angreifern gegenüber. Vor allem aber lag ihm daran, Gleichberechtigung mit den Vertretern des Christentums za erlangen, und besonders bestand er auf Redefreiheit. Er liess die Mahnung des Dominikanei [־-Generals, Nachmani möge das Christentum nicht beschimpfen, nicht aufkommen, indem er von Vornherein die Kenntnis der Anstandsrogein für sich und damit für den Vertreter des Judentums überhaupt in Anspruch nahm. Auch weiterhin rerstand es Nachmani, seine Ueberlegenheit zu zeigen und den Gang der Verhandlung zu beherrschen. Man musste ihm zastimmen, als er darauf drang, die Gren2en des Streites genau festzasetzen, am bei den vielen Gegensätzen beider Anschauungen nicht in Verwirrung zu geraten. Dies wurde zugegeben, und damit war zugleich den Gegnern die' Möglichkeit genommen, ihn von einem Punkte zum andern za zerren; dann wurden mit den Streitpunkten auch die Verteidigungspunkte vermindert, von e enen der Erfolg des Ganzen abhängig war. Ehre genug für die angeg riffene Lehre, dass ihr Verteidiger vor Allem der Klarheit bedurfte und dieselbe als Voraussetzung erlangte. Das Streitgespräch ging im Beisein des Königs, seines Beichtvaters, vieler geistlicher und weltlicher Würdenträger des Reiches und zahlreicher zwangsweise anwesender Glaubensgenossen vor sich. Dieser glänzende Kreis, die grosso Gefahr, die Wichtigkeit der Frage — das Alles blendete Nachmani nicht, er scheint sich hier so recht auf seinem Gebiete und in seinem Dunstkreise za fühlen. Nicht gezwungen, nicht in Folge angestrengten Denkens, sondern mit voller Heiterkeit

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