Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 34 (1912)
- Issue
- 2. Heft. (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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80 Vorgänger untersuchen. Zur Kennzeichnung des Ascheri gehört Untersuchung des Alfassi, Maimuni, Raschi’8 und der Tossafisten. Aliassi und die anderen genannten Quellen führen zu den Rischonim, zu den Scheeltot, den Halachot Gedolot zurück. Wer beide Talmude erkunden will, bat auf die Mischna, Tossefta, die Baraitha und Midraschim zurückzugeheo. Wer eines dieser Bücher begreifen will, hat vorzugsweise Mechilta, Sifra und Sifri einzusehen. Zum Verständnis der Mischna gehören diese alle nebst der Tossefta; die Gemara und das spätere Schrifttum aber nur in dem besonderen Falle, wenn die alten Werke dunkel sind und der Wortlaut einer Stelle dort erklärt wird Gelegentlich kann eine Aeusserung der Gemara über das tannaitische Schrifttum Licht verbreiten, aber dessen Entstehung (und um diese handelt es sich hier) kann durch die Ausgleichsversuche der Späteren doch nur verdeckt werden. Wer dies alte Schrifttum und seine Quellen begreifen und diese aufdecken will, dem sind schwer lösliche Widersprüche und Dunkelheiten, dem sind Sonderbarkeiten darin gerade willkommen, der wird nicht die Einheit erzwingen wollen, sondern die Verschiedenheiten der Schulen im einheitlich äufgebauten Mischnaganzen suchen. Wundern wir uns also, dass der Weg Zuckermandels zu den Acharonim, wie ich in voriger Nummer gezeigt, bei aller Verdienstlichkeit an 6ich von der Klärung der Ertstehungsfrage abführt? Zu dieser meiner alten Auffassung finde ich zum ersten Male bei Schwarz eine Zustimmung. Ich weiss nicht, ob sie ihm leicht geworden ist. Er gibt sie in etwas gewundenem Stile und man muss sie aus einer Fülle von Vorbehalten herausschälen. Schwarz schreibt nämlich: ״Es ist nach den bisherigen Ausführungen keineswegs unbedingt notwendig, sich mit der inneren Entwicklung, der eigentlichen Geschichte der Ilalacha vertraut zu machen, oder auch nur den Inhalt der Mischna und Tossifta genau zu kennen; es genügt schon ein unbefangener Einblick in die Geschichte der Mischnaredaktion, um sich von vornherein ein sachliches Urteil über die genannten zwei Sammelwerke zu bilden. Diese, wenn ich mich so ausdrücken darf, apriorische Erkenntnis findet a posteriori durch ein streng wissenschaftliches Studium der Mischna auf der einen und der Tossifta wie der Baraithot auf der anderen Seite ihre volle Betätigung.“ Bis hierher verstehe ich Schwarz noch nicht, weil mir seine fertige Geschichte der Mischnaredaktion nicht bekannt ist, noch irgend eine derartige Geschichte, welche solche Urteile ermöglicht. Ich weiss auch nicht, was er ein streng wissenschaftliches Studium nennt. Da gerade ich mich bekanntermaassen in eingehendster Weise mit der Frage des Mischnawerdens beschäftige, so wird mir der weitere Verlauf dieser Besprechung sicher zeigen, ob Schwarz eine bestimmte Entwicklungsgeschichte meint und ob er die Versuche begünstigt (darunter auch die meinen), dem Werden der Mischna näher-