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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1912-01-01 · 2. Heft. (1912) · p. Seite 79

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
34 (1912)
Issue
2. Heft. (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 79 (sequence 33)
Language
German
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79 im einfachen Wortlaut diesen Auflassungen widersprechen — wie macht es Zuckermandel, um sein Eigentum zu retten? Er hat zumeist nicht Traktate der Mischna und Tossefta uns mit den betr. Babli- und Joruschalmistellen vorgeführt, sondern — hierin liegt seine Kraft und sein grosses Verdienst — er nahm einzelne talmudische Begriffe auf, verfolgte sie halakhisch durch beide Talmude, durch die Rischonim und Acharonim; er konnte sich in der Weise unserer Alten nicht genug tun in der strengen Aneinanderreihung von Begriffen, wir mussten die Riesenkraft des grossen Talmudisten bewundern, der gigantische Bauten vor uns sich emportürmen lies u. Wir haben die Schwierigkeiten gesegnet, welche ihm bei der Verteidigung seiner Ansichten entgegentraten, denn ihnen hatten wir die halakhischen Edelsteine zu danken, welche Zuckermandel aus der Tiefe des talmudischen Meeres emporholte und an die Schnur seines Gedankens vor unseren staunenden Blicken reihete. Fahne und Degen gesenkt vor dieser reinen Liebe zur Tora! Die betreffenden talmudischen Begriffe wurden durch Zuckermandel wunderbar geklärt, aber was die Hauptsache anbel&ngt — Mischna und Tossefta, Jeruschalmi und Babli änderten ihren Wortlaut und und ihr Verhältnis zu einander nicht im Geringsten, und soviel an ihnen herumgefeilt wurde — sie blickten Zuckermandel immer in gleicher Weise an — der Jeruschalmi hörte nicht auf, der Mischna Schritt für Schritt zu folgen, der Babli hörte nicht auf, die Tossefta überall seiner Gemara mit zu Grunde zu legen Nun kam Zuckermindel mif der an sich berechtigten Forderung, wer eine Mischna beurteilen wolle, müsse das gesamte darauf sich beziehende Schrifttum bis zu den Acharonim kennen. Das ist eine Verwechslung von seiner Seite. Wer die halachische Ausgestaltung eines Din bis zur Jetztzeit, den Minhag der Kehillot verstehen will, an den richtet sich diese Forderung. Nachdem Rabbi die Mischna zusammengestellt und darin die Ansichten der verschiedensten Schulen vereinigt hat, nachdem die Baraitha in Vergleich mit der Mischna gebracht ist, entsteht daraus der notwendige Ausgleich, der Babylonische oder jerusalemische Talmud. Nachdem die Tossafot in der Gemara eine Einheit gesehen and die verschiedenen Schemuatot miteinander verglichen hatten; nachdem Serachja und Ranban den Alfasi und Maimonides mit den Tossafisten zusammengebracbt, nachdem auf Grund des Tut Josef Karo und Mose Isserlen den Schulchan Arukh mit der Mappah geschaffen, nachdem di) Acharonim alle diese Bestandteile des rabbinischen Schrifttums mit einander verglichen haben, muss der Kenner eines Din dies Alles möglichst erforschen. Wer aber umgekehrt nicht die Acharonim, sondern den Schulchan Aruch und die Mappa in ihren Unterschieden und ihrer Entstehung erkunden will, der hat von den Acharonim abzusehen und muss den Beth Josef und Darke Moscho einsehen. Wer den T u r derartig verstehen wiU, muss den Rabbenu Ascher nebst den Werken der

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