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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1912-01-01 · 2. Heft. (1912) · p. Seite 70

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
34 (1912)
Issue
2. Heft. (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 70 (sequence 22)
Language
German
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70 nächste, schon dazu führen kann, eine Wesenheit wie etwa Schopenhauers Wille der Welt als Vorstellung innewohnend zu denken; dann ist man der nächsten Stufe, der religiösen Weiter^ klärung sehr nahe. Die Wissenschaft kennt keinen Stillstand, nur Selbstzerstörung und Bewegung, also nähert sich der Monismus diesen Zielen, ob er will oder nicht. Gerade das wrar in jener Synode auszusprechen, wenn die Sache des Glaubens dadurch gehoben, ihm also eine Zukunft zugesprochen werden sollte. Und das muss zunächst geschehen, wenn ein Vertrauen auf die Sache der Religion in die Herzen der Mensehen einziehen soll. Hat Harnak also seine Aufgabe verstanden? Es war ausserdem auf den Zwiespalt zwischen dem Monismus und dem Monistenbund hinzuweisen. Monisten sind Menschen, welche eine einheitliche Welterklärung suchen; der Monistenbund dagegen besteht vielfach aus Leuten, die sich ausserhalb des kirchliehen Lebens stellen, weil ihnen die Kirchenformen nicht behagen. Wer also irgend ein Gotteshaus mit seinen Formen nicht besuchen, sich demselben und seinen Anschauungen entziehen will, der gehört dem Monistenbunde an! Freidenkerbund mag er sich n ennen, Bund der Unkirchlichen — das ist begreiflich. Weshalb aber Bund der Monisten? Steht doch jede wissenschaftliche Auffassung der Kirche frei und selbständig gegenüber, nicht nur der Monismus, damit er mit Unkirchlichkeit gleichgesetzt werde! Er, der wahrscheinlich, wie schon angedeutet, zur Kirchlichkeit zurückführen wird. Auch diese Darlegung, ruhig gegeben, wäre im Munde Harnaks dazu geeignet gewesen, Klarheit in die bezüglichen Fragen hineinzubringen. Dagegen musste sich Harnack davor in Acht nehmen, die ernste wissenschaftliche Forschung, und wenn sie Spinne beine zu ihrem Gegenstand hatte, anzugreifen. Und gerade das hat er getan. Kann diese Forschung geschichtlich nicht auf Erfolge hinweisen? Stellen wir uns die bedeutenden Entdeckungen des vorigen und dieses Jahrhunderts ohne die rücksichtslosen wissenschaftlichen Forschungen dar — sie sind unmöglich. Stellen wir uns die Welt ohne jene Entdeckungen dar — und wo gelangen wir hin? Wird wirklich sich irgend eine Richtung finden, die damit zufrieden wäre, die jetzige Gestaltung des Lebens gegen eine ursprünglichere und beschränktere deshalb zu vertauschen, weil die verhasste Forschung zur Jetzteit geführt hat? Und wie konnte der Forscher zu wirklichen Ergebnissen

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