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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1912-01-01 · 2. Heft. (1912) · p. Seite 58

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
34 (1912)
Issue
2. Heft. (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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58 heit aufgegangen ist in die hellenistische Literatur und nicht zun geringsten auch in die christliche, sowohl auf indirektem wie direktem Wege. Wenn Oberhaupt die hellenistische Welt gelernt hat, auf den Schlag des Gewissens zu horchen, so gebührt dem Judentum das erste Verdienst hierfür. Sein Gottesglaube, seine Lehren ▼on Sünde, Schuld und Strafe sind hineingetragen und •gedrungen in die Herzen der Menschen ▼on damals und haben sie gelehrt, dass es mehr gibt auf Erden als den krassen Materialismus und Egoismus, denen der Zeitgeist Hekatomben opferte. So ist das Judentum ein Segen geworden für die es umgebende Menschheit, denn es hat die herrschenden Kreise belehrt und gewarnt, und die Beherrschten erhoben aus der Not des Tages und getröstet über das Elend des Daseins und innerlich frei gemacht für die reine Menschenwürde, welche die römische Regierungspraxis vernichtet hatte. Sehe ich recht, so bilden die Grundlagen für die moralische Belehrung oder die Sittenlehre, die für die Heidenwelt aufgestellt wurde, die drei Kapitel Le▼. 17—19 mit ihren scharf umrissenen Vorschriften über Opfer, Ehe- und Geschlechtsleben und das Verhalten der Menschen zueinander. Zwar scheint es so, als ob diese wenigen Kapitel zu gering an Umfang seien, um der Ausgangspunkt für die Belehrung einer ganzen Welt zu werden; aber es scheint nur so, denn wer genauer zusieht, entdeckt in ihnen doch das Material, das geeignet ist, das Fundament einer allgemeinen sittlichen Belehrung zu werden. Eine Aufzählung der in diesen Kapiteln angezogenen Themata mag meine Behauptung erweisen. Gehandelt wird hier der Reihe nach über Opfer, Genuss des Blutes, Aasas und Zerrissenen; über Ehe und Keuschheit, Perversität und Sodomiterei; über das 4. und 3. Gebot, den Götzendienst, Diebstahl, Hehlerei, Betrug, Meineid, Raub, Einbehaltung des Lohnes, Spottreden, Rechtsprechen, Verleumdung, Hass, Rachsucht, Nächstenliebe, Wahrsagen, Zauberei, Toten- und Wahrsagegeisterglauben, Ehrfurcht ▼or dem Alter und richtiges Mass und Gewicht. Erwähnt mag noch werden, dass drei Mischnatraktate: Peah, Kilajim und ‘Orlab, auf Le▼. 19 zurückgehen und dass auch das Haar- und Bartscheren, das Einschnitte machen, die Kadeschim und Proselyten in diesem Kapitel berührt werden.

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