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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1912-01-01 · 2. Heft. (1912) · p. Seite 57

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
34 (1912)
Issue
2. Heft. (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 57 (sequence 9)
Language
German
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57 Was das Volk Jüdische Einflüsse. Yo^i Professor Maus Bahr-Berli□.1) Israel durch den Fall Jerusalems in den Jahren 597/86 v. Clir. an staatlichen Werten eingebüsst hatte, brachte ihm die nacliexilische Zeit an kultureller Bedeutung doppelt und dreifach ein: das Judentum in seiner staatlichen Ein- Schränkung wird dadurch frei gemacht, für die übrige Welt ein Erziehungsfaktor ersten Ranges zu werden. Kein Volk auf der Erde hat wie das jüdische eine gleichwertige Begabung für die Erarbeitung der Sittcnlehre und die Umsetzung der aufgestellten Vorschriften in die Praxis. Das beweist seine umfangreiche kanonische und ausserkanonische Literatur zur Evidenz! Wohl ist es ein Zeichen auch der hellenistischen Zeit, dass sie, die bei Plato und Aristoteles noch rein aristokratisch war, demokratisch wird, soll heissen, dass die breiten Kreise des Mittel- Standes und der Ui terschicht Anteil gewinnen insbesondere an der Weisheitsliteratur; aber die jüdische Propaganda überragt alle diese Versuche, weil hinter ihr alle geistigen Kräfte stehen, über die das Judentum gebot. Weil das jüdische Volk frei geworden war von der Mitarbeit an der Lenkung und Leitung des eigenen Staatswesens und die Juden in der Diaspora von vornherein davon ausgeschlossen waren, so konnten auch die Kräfte, die sonst nach dieser Richtung hin in Anspruch genommen wären, für die neue Aufgabe der Erziehung des Menschengeschlechts bereit gestellt werden. So erklärt es sich, dass sehr bald von dem unterdrückte!! Volke Wirkungen ai sgingen, die die gesamte damalige Welt bis in dem innersten Nerv berührten, dass von ihm die griechischrömische Welt in ik׳er ganzen Grösse vorbereitet wurde für das nachfolgende Christentum, das auf diese Weise manche Früchte .einheimste von den Saatkörnern, die von jüdischen Propagandisten ausgestreut waren. Nur so erklärt es sich, dass jüdische Weis-' J) Angesichts so rieler Versuche, den Einfluss des Judentums auf das Werden des Christentums zu leugnen, wenigstens auf weniger als ein Nichts herabzudrücken, ist der tuseren Lesern wohlbekannte christliche Gelehrte und Kenner des jüdischen Schrifttums bestrebt, dem Judentum seinen Anteil am Werden der christlichen Religion zu sichern. Der mitstrebende Forscher wird die Tragweite der ▼on ihm gegebenen Andeutungen wohl mitzuempfinden und zu würdigen wissen. (Red.)

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