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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1912-01-01 · 2. Heft. (1912) · p. Seite 52

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
34 (1912)
Issue
2. Heft. (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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62 trog des nach Selbsterhaltung strebenden Geistes. In diesen Kämpfen nahm Nachmani eine merkwürdige Stellung ein. Mit Freude bemerkt der Geschichtsforscher, wie seit Ch&sdai ben Schaprut und Samuel Nagrela in Spanien allo Richtungen des Judentums und alle 'Wissensgebiete desselben, wie auch die Dichtung es zu Grossem gebracht batten. Was nützt wohl dio Wehmut, die uns erfüllt, wenn wir mit einem Male einen Stillstand bemorken, wenn dann das Herrliche vor ünsern Augen zersetzt und entwertet wird? Jenes alte Gesetz kam auch hier wieder zur Goltung: „ein Geschlocht geht, ein anderes kommt, nur dio Erdo besteht.“ Wir haben gesehen, wie Nachmani bostrebt war, alles Fremdartige, das sich in das reinjüdische Geistesleben eingoschlichen hatte, zu kennzeichnen, wie kräftig er dio jüdischen Quellen hervorhob. Aber sein jugendlicher Eifer hatte sich später gelegt, nachdem er dio Einsicht gewonnen, dass auf talmudischem Gebiete eine unbedingt feststehende Meinung nicht gefunden, nur annähernd erkannt werden kann. Das hatte ihn später zu einem milderen Ton gegen Serachja gestimmt und er behandelt Maimuni in seiner Entgegnung mit hoher Verehrung. Freudig gibt er zu, dass dessen Schrift dio Geister weckt, dass sie das Denken anregt, dass sic in ihrer Art unübertrefflich ist, wenngleich er des Fremdartigen und selbst das Gefährlichen viel d;.rin bemerkt. Es kommt ihm aber nicht in den Sinn, anders, als mit tiofster Ehrfurcht sich dem grossen Lehrer zu nahen, und wenn bei Einem, so merkt man bei ihm die Freude über die fruchtbringende Schrift dessen, der ihn zu seiner Entgegnung anregt. „Gott zeigte mir des Denkers Buch, Wie Weisheitssprüch’ es in sich trug. Wer kann den Weg zu seinen Tiefen finden! Wer kann die Weiten daraus ganz ergründen!* so spricht er in der schon angeführten Vorrede sich über das von ihm bemängelte „Sefer Hamizwoth“ aus. Nicht so friedlich war die Gegnerschaft Andere**. Mit dem Tode Maimuni’s hatte sich die Scheu vor seiner Grösse verloren, er selbst konnte nicht mehr den Vorwurf des Undanks gegen den Geisteshohen auf sich laden, der dem Judentum in Lehre und Leben so hervorragende Dienste geleistet hatte. Vorüber war die Zeit, in der ein Meir Abulafia aus Toledo wegen eines Briefes an die „ Weisen Lünels“, in dem er manche Ansicht Maimuni’s bedenklich gefunden, heftigem Tadel und zurückweisenden Worten begegnete. Scheschet Benvenisti aus Barcelona war es damals gewesen, der ein Schreiben zur Verteidigung Maimuni’s nach Lünel gesandt

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