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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1912-01-01 · 2. Heft. (1912) · p. Seite 51

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
34 (1912)
Issue
2. Heft. (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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61 st< im Talmud verlangt er, abgesehen von der feststehenden ,Halacha, die Möglichkeit eines steten frischen beweglichen Geisteslebens, das sich in seinen Sprüngen nicht um die Voraussetzungen eines Denkers kümmert Dem entspricht es jauch, dass Nachmani in seinen Erklärungen zum Talmud sich den Tojssafisten anschliesst, dass er za einer Zeit, die 80 sehr nach dem Abschlüsse drängte und so gern an Maimuni’s feststehende Halachot sich anschloss, die Notwendigkeit erkannte, den Blick von jenen ureigene^ Quellen jüdischen Geisteslebens nicht ahnwenden, sondern ihre Kräfte geradezu darauf zurüokzalenken. Was ist wohl bei Grätz damit ausgesprochen, dass er hierin nicht schöpferisch sein konnte und gewissennassen spanische Tossafot geschrieben hat? Es ist schwer zu bestimmen, worin unsere Zeit den schöpferischen Geist auf diesem Gebiet erkennen mag. Wir werden stets geneigt sein, allgemeine wissenschaftliche Aufstellungen höher zu achten, als die Einzelerörterungen. Dabei] dürfen wir nicht vergessen, dass die Regeln über Herleitang, Zusammenstellung und Zusammenhang,' die wir gern mit Eifer suchen, den Alten wohl gegenwärtig waren und oft bei Notwendigkeit nebenher erwähnt werden... War bisher den spanischen Jaden eine erträgliche äussere Lage, wie auch ein ungestörtes Geistesstreben auf allen Gebietes beschieden gewesen, 80 begann sich jetzt der Himmel za umdunkeln. In Südfrankreich tobten die Kämpfe gegen die Albigenser, und die Erlasse Innozenz’ IH., worin die Zalassung der Juden zu Aemtern verboten, das Judenabzeichen in Form eines Rades eingeführt wurde, die Gebannten am Osterfeste in ihren Vierteln festgehalten wurden, fanden in vielen Kreisen bereitwillige Aufnahme. So geschah*8 ]1127. Ein Jahr später wurde Raymond VH. von Toulouse besiegt, er fasste der Kirche Gehorsam schwören und besonders von seiner Freundlichkeit gegen die Juden ablaasen. Penjaforte, der Dominikanergeneral, hetzte die Könige von Arragonien und Kastilien gegen ihre jüdischen Untertanen, was besonders auf Jakob I. von Arragonien einen* schlimmen Einfluss ausübte. Wie in der Aussenweit man sich im Glauben allem Heitern abkehrte, alle freien Ansichten als Irrtümer abgeschworen werden mussten, wie man im Völkerleben die selbständigen Einzelstaaten am liebsten in*8 Ganze aufgehen liess und diesem Ziele die freien Dichterhöfe zum Opfer fielen, so begann man auch die Ergebnisse des freien Denkens in der Mitte des Judentums za prüfen. An der Bahre Maimuni’s entspann sich jener Streit, der so oft als verhängnissvoll beklagt wird und beklagt werden darf, an sich aber eine Notwendigkeit war, eine Aeusser-

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