Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 34 (1912)
- Issue
- 1. Heft. (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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44 (sie wahrscheinlich von jedem Verkehr mit Andern abschneidet), dann aber, auf den Tadel seiner Genossen, sie umgekehrt der ganzen Welt preisgibt. Das Erste, die Absperrung von der Welt mit schlechtem Erfolge, wird auch von Jakobs Verhalten gegen Dinah erzählt. Nun, Nicolaos ist kein anderer als Bileam, Balaam, der Heilige der Balaamiten oder Nicolaiten, die sich als gnostische Sekte über Ehegesetze und Keuschheit hinweggesetzt haben. Raschi führt gelegentlich der Verführung Israels zum Baal Peor an, Bileam hätte die Völker zur Unsittlichkeit verführt. Wenn dem so ist, so darf Bileam in der Agada nicht als Vertreter der Person Jesu, sondern muss als Nicolaos angesehen werden. Dadurch fällt für die gesamten Bileamsätze in vorliegendem Buche die Beziehung auf Jesus selbst fort. Der Satz R. Mexrs über den König und seinen ihm ähnliehen, öffentlich gehängten Bruder (S. 19), Tos. Sanh. 9, 7 ist nur das Gegenstück zu Sanh. Mischna 6, 5, wo in Anschluss au die Strafe des Hängens und die damit leicht verbundene Entweihung des Gottesnamens die Gottheit über den entehrten Verbrecher trauert. Beide Sätze gehöreu zusammen. Wie kann man hier etwas anderes, als das Reinmenschlichc, die Sorge finden, dass in der Leiche des Verbrechers der Mensch, das Ebenbild Gottes, nicht beleidigt und damit Gott nicht selbst verletzt werde? Es ist, wie Strack sagt. Bei genauem Hinsehen verringert sich die ohnedies nicht übergrosse Anzahl der hierhergehörigen Stücke, von denen im besten Falle die geradlinige ursprüngliche Beziehung auf Jesus schwer nachzuweisen ist. In manche Sätze ist der betr. Hinweis erst später hineingetragen. Was den oben erwähnten Kampf gegen Sadduzäer, Samaritaner, Sebuäer etc. betrifft, muss ich auf mein ״Ueber dem Zusammenhang der Mischna 1. Teil, 2. Auflage (Strassburg, Trübner), hinweisen, wo den betreffenden Stücken ihre geschichtliche Stelle angewiesen wird. Vorliegende Strack’sche Schrift wirkt klärend und bcruhigend. Klärend, da sie zeigt: das ist vorhanden; dass sie den Kreis so weit wie möglich zieht; beruhigend; denn wenn nichts Weiteres, als hier geboten wird, hinter dem Geheimnisse jener gestriehenen, Christum angeblich lästernden Talmudstellen sich findet, dann bedurfte es keines solchen Lärmens und keiner Anfeindungen. Das Judentum kann das Tageslicht nicht nur v e r - t r a ge n — es bedarf vielmehr des Lichtes und kann nur in der schärfsten Beleuchtung seiner Quellen recht gewürdigt werden. Möge das Buch weiteste Verbreitung finden.