Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 34 (1912)
- Issue
- 1. Heft. (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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40 er schildert dann die Auffindung der Papyri, wie die Stadt Eiephantine und ihreUeberreste, geht auf die äussere Gestalt, die Sprache der Papyri und Scherben über, bietet Folgerungen über die Zustände Egyptens unter persischer Herrschaft, über die jüdische Militärkolonie in Elephautiue, über das Verhältnis Jerusalems zu Elephantine, die Zerstörung des jüdischen Tempels zu Elephautiue. Dann behandelt Meyer die beiden literarischen Texte, den Dariusbericht und den Achikar. Dies der Grundriss des Meyer'scheu Huches, und schon diese aus den Ueberschrifteu sich ergebende Aueinauderreihuug kennzeichnet vorliegendes als ein dem Vf. der ״Entstehung des Judentums“ gehöriges Buch. Für Eduard Meyer bedeutete der Fund von Elephautiue keinen geringen Triumph. Er hatte im Gegensatz zur neuesten Bibelkritik die in Esra und Neheinia sich findenden Urkunden für echt erklärt, ebenso die Aufzeichnungen beider Männer, soweit sie vom Chronisten keine Erweiterungen erlitten hatten. Ueber den letzten Punkt kann man mit ihm rechten, wie mau überhaupt gegen die Unterschätzung der Chronik sich wehren muss. ״Wiirden uns einmal persische liegierungserlasse in grösserer Anzahl bescheerf, so würden diese Austösse (die von den Neuen geltend gemacht werden) vermutlich völlig schwinden.“ Es muss auch uns mit Genugtuung erfüllen, dass dieser Ausspruch Meyers buchstäblich durch die Funde von Assuan zur Wahrheit geworden ist. ״Diese aus dem Schutt wiedererstaudeneu Urkunden stimmen in Fassung und Wortlaut mit den im Esrabuch erhaltenen Urkunden bis in’s Eiuzelne überein, so dass an deren Echtheit kein Zweifel mehr bestehen kann. Mehr als das: Hier erscheinen zum Teil dieselben Persönlichkeiten, die in den biblischen Berichten Vorkommen, so dass wir über diese und über ihre Zeit jetzt eine völlig authentische, vom alten Testament gänzlich unabhängige Kunde haben. Wenn wir an die Einordnung des Fundes in die biblischen Urkunden denken, 80 müssen wir bei Meyer die bibelwisseuschaftliehen Anschauungen bez. des älteren Schrifttums mit in dem Kauf nehmen. Die Bestätigung, welche die Urkunden der Esrabücher und deren ״Denkwürdigkeiten“ durch den Fund von Assuan gefunden haben, veranlasst ihn nicht, den Bestand wissenschaftlicher Auffassungen vou Wellhausen an neu zu prüfen, er setzt diese Dinge vielmehr voraus. Und wir können um so weniger dagegen haben, als ja der Schwerpunkt seiner Tätigkeit von jeher in den Esrabüchern und dem zeitgenössischen Schrifttum gelegen hat. Wir können aber die von uns stets ausgesprochene Forderung wiederholen, dass nach einem solchen Funde, dem doch auch die Genisah vorausgegangen, ist, die bibelwissenschaftlichen Akten insgesamt von Neuem geprüft werden.