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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1912-01-01 · 1. Heft. (1912) · p. Seite 38

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
34 (1912)
Issue
1. Heft. (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 38 (sequence 38)
Language
German
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auch bestreitend an die Mischna anlohnt, das, durch das Vorwalten des Mischnaeinflasses bedingt, die Erörtorung zu erhalten suchte. So ist es mit allen Abschlüssen geschehen. Nach Jad llachsaka, Tur, Schulchan-Aruch setzte immer von Neuem die Erörterung ein und sachte das alte zu Ehren za bringen. So ist die Tossefta zugleich Gemara, und aas ihr wächst die Gemara, sowohl die jerusalemische, als die babylonische empor. Ich musste hier deshalb auf diese meine Auffassungen so eingehen, weil ich ihr Verhältnis zu den Meinungen anderer Forscher feststellen mass. Darauf beruhen ja meine Arbeiten. Zuckermandel hat auch Nachträge in diesem Bande geliefert. Er hat Zeit gefunden, eine ihn nur schwach berührende Arbeit eines ganz jungen tüchtigen Strebers mehrfach zu berühren. Meine Ansichten, die er ja kennt und die die Lebensader seines Gedankens berühren, hat Zuckermandel nicht im Entferntesten berührt. Ob sie so leichtwiegend sind, am nicht bestritten zu werden, mag der Leser an Obigem, mag er es an meinen gesamten mischnischcn Arbeiten erproben. Wer seine eigenen Ansichten berücksichtigt wünscht, darf an denen Anderer nicht so vorübergehen und deren Kennzeichnung nicht ad calendas graecas verschieben. ׳ Ich selbst habe es anders gemacht. ln der zweiten Auflage meines ״lieber den Zsh. d. M.“ habe ich im Abschnitte über die Tosseftha Schwarz' und Zuckermandel’s Ansichten angeführt und gewürdigt, allerdings auch meinen abweichen־ den Standpunkt vertreten. Das ist ein Beweis, dass ich fremde Auffassungen ernst nehme. Wie soll sich ein wissenschaftliches Arbeiten in unserer Mitte entwickeln, wenn man die Erwähnung anderer, abweichender Meinungen aus mangelnder Kenntnis oder gar geflissentlich unterlässt! ln beiden Fällen kommt nur Einseitiges dadurch hervor. Es wird mir Niemand die Selbstverleugnung Zutrauen, an einem solchen Zage schweigend vorüberzugehen. Vielmehr ist meine feste Absicht, gerade diese Seite bei Neuerscheinungen (die selbst wenn -sie Altes bringen, Nachträge haben) im Auge zu behalten. Es wäre überhaupt notwendig, die Grundsätze unseres wissenschaftlichen Arbeitens auf ihre Fruchtbarkeit zu prüfen. Es würde sich vieles Unterlassene als die Hauptsache schädigend, vieles Ilervorgekehrte als unnütz herausstellen. Allerdings kann eine solche Prüfung nur an Arbeiten vorgenommen werden, welche selbst bedeutende Grundsätze vertreten, welche eine Erörterung in höherem Sinne nötig und möglich machen. Und da hat Zuckermandel stets unter den Ersten d&rgestandtn, und wir haben gewiss noch viel von ihm zu erwarten. Und wir werden die Schätzung, die wir solchen Arbeiten entgegenbringen, durch die ernsteste Prüfung bekunden.

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