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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1912-01-01 · 1. Heft. (1912) · p. Seite 36

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
34 (1912)
Issue
1. Heft. (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 36 (sequence 36)
Language
German
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36 Soll nun, wie es Zuckermandel in deu meisten Fällen tut der Beweis bei deu Amoräern oder gar bei Poskim uud vielleicht gar Acharonim gesucht werden? Das ist zur Beleuchtung des Talmuds an sich uud seiner Halacha sehr verdienstvoll — aber diese Fragen kann es so wenig lösen, dass es uur zu ihrer Verwicklung dient. Nur in der zeitlichen Nähe der tauaitischen Quellen sind dieselben iu ihrer Urform zu erforschen Wo übrigens die Sätze T Sabbath zuerst gestanden? Ob in Sabbath oder in Therumoth? Meiner Ansicht nach iu beiden Traktaten, wie auch in Chullin Oder besser gesagt ursprünglich in einem grossen Chadtathtraktat, der alle Gebiete umfasste. Enthält nicht Therumoth eine Fülle Chullinsatzungeu? Lässt nicht Chullin jederzeit Ausläufer auf Seraiin erwarten? Und steht Sabbath, wie z. B. Anfang Schebuoth zeigt, nicht mit vielen Gebieten in Verbindung? Schon die Beueunuug Chullin und Therumoth sind Gegensätze. Wir haben iu unserem ״Ueb. d. Zmh d. M.w (2. Aufl.) nachgewieseu, dass solche grossen auf die Schriftordnung sich stützenden Halachagefüge einst vorhanden gewesen sind, dass bei der späteren sachlichen Auseiuauderziehuug der einzelnen Gebiete man stets einen liest alter Bestandteile au Ort und Stelle belassen hat. Es wäre deshalb vergeblich, zu fragen, ob Ther. ob Sabbath die ursprüngliche Fundstelle ausmacht. Und sicher kanu hier nicht zu Gunsten des Babli oder Jer. entschieden werden. Weit öfter aber ist Jer. die Fuudstelle einer Mischna, welche im Babli ursprünglich gar nicht berücksichtigt worden ist, während T beiden Talmuden, allerdings mit den Unterschieden der Tosseftafassuug, die mau kennt, zu Grunde liegt. Keine Häufung vou Nachweisen kann daran viel ändern. Wie ZuckcrmandcJs Ansicht, so kann aut Schwarz Hauptgedanke, die Tossefta sei ein Anmerkungswerk zur Mischna und müsse nach deren Ordnung zurückgerückt werden, aut Annahme der Kenner nicht rechnen. Eine der ersten Wahrnehmungen, welche ich vor Jahren bei meinen Mischnaforschungen gemacht habe, war die Erkenntnis, dass Mischna und Tossefta ־dieselbe Ordnung befolgen. Das war bei der sonstigen Verschiedenheit beider Quellen nur Beweis dafür, dass ein uralter Lehrplan beiden Gestaltungen vorausgegangen sei, der sich in der Gleichheit ihrer Anordnung zeige. Nun noch jeden einzelnen Satz darauthin zu quälen und zu beugen, bis seine Stellung der der Mischna unbedingt gleich sei — das ist durchaus nicht schwer, vornichtet aber das dem Forscher unentbehrliche Urgepräge der Tossefta. Hin und wieder mag ein Tosseftasatz von der Stelle gerückt sein. Das ist im Einzelnen ebenso mit Mischnas der Fall. Die Mischna bat, wie ich in meinen Arbeiten gezeigt, sicher nach ihrem Abschlüsse noch Zusätze erhalten.*) Aber dann in Palästina mehr als in Babylonien. Denn wo sich solche Spuren entdecken lassen, da *) Siehe oben die Schlasszeilen unserer Roschh&scbana-Erörterungen, ebenso daselbst 8. 28 § 6 b, c.

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