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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1912-01-01 · 1. Heft. (1912) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
34 (1912)
Issue
1. Heft. (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 TOD Gerona betrat, musste glauben, sich wie in einer anderen Welt zu befinden. Fern von dem grossen Leben der Zeit, sucht man vergebens nach den glänzenden Anstalten und Gotteshäusern Toledo’s und Saragossa’s; es war nichts von dem Prunke zu merken, der sich dort in den Häusern selbst zeigte. Nicht zum Trinkgelage gingen die Jünglinge, um beim Weinkruge und am Klange des Liedes sich zu ergötzen; Niemand schaute erwartungsvoll auf die vom Schlachtfelde kommenden Nachrichten, keine Hoffnungen oder Befürchtungen knüpften sich an Siege oder Niederlagen des Herrschers. Dafür waren Gotteshaus und Lehrversammlungen die Welt, in der sich alles bewegte; schon das Auge des Kindes wurde darauf gelenkt, und es hörte dann wohl vom übrigen Spanien mit einer gewissen öeberlegenheit reden, Aussenwelt und äusseres Wissen erschien als das Gewöhnliche, womit sich jeder befassen könne, der Talmud dagegen war in jener Zeit schon ein Gegenstand achtungsvoller!Scheu, und der Gerundenser war im Besitze dieser Rätselweisheit. Es scheint, als hätte der Name Gerundi selbst den Stolz der Bewohner mit Recht hevorrufen können — was sonst bewog wohl die Gelehrten jener Zeit, sobald Gerona ihre Vaterstadt war, sich durchaus die Bezeichnung Gerundi nicht nehmen zu lassen, wie sich etwa früher jemand mit stolz Albergeloui nannte? Hier wuchs Mose bar Nachman auf. An sein kindliches Ohr klangen die Namen grosser Männer, die ihr Elternhaus und ihre Vaterstadt beruhtet gemacht hatten. Isaak Halevi hat ein Ruhmgedieht auf seinen eigenen Sohn, den Rabbi Serachja Halevi, gedichtet; diesen Vater hörte er wohl so glücklich preisen, wie jemals es mit Diogoras von Rhodus der Fall gewesen sein kann. Und zwar ward er darauf hingewiesen, dass jener Serachja noch nicht das zwanzigste Jahr erreicht hatte, rls er schon im Stande gewesen, seine widerlegenden Bemerkungen zu der grossen Gesetzessammlung Alfassi’s zu beginnen. Dass es schon Dichter in diesem Alter gegeben hatte was Wunder! Aber wie wenig bedeutete wohl ein gelungenes Gedicht, ein guter Reim, den man aus sich selbst treffen konnte, gegen die geringste talmudische Folgerung, die aus so und so vielen gründlich erkannten Quellen geschöpft sein musste! Der Name des Maimonides drang aas der Ferne als der eines noch Lebenden an sein Ohr, noch umstrahlte ihn nicht der Zauber des Verstorbenen, und wenn auch in frühester Kindheit Nachmani von seinem Tode hörte, so war ihm der ägyptische Weise doch immer nur ein Zeitgenosse. Gerade dem Kinde ist allein der Verstorbene eine Grösse von zweifelloser Abgeschlossenheit, - und wen wir in den ersten Lebensjahren gewöhnt waren mit dem

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