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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1912-01-01 · 1. Heft. (1912) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
34 (1912)
Issue
1. Heft. (1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 ״Voll sittlich lauterer Gesinnung und gewissenhafter Religiosität, milden Sinnes und scharfen Verstandes war er vom Autoritätsglauben durch und durch beherrscht. Nicht bloss die heilige Schrift in ihrem ganzon Umfange und nicit bloss der Talmud in seiner ganzen Ausdehnung, sondern auch di 0 Gaonen und ihre unmittelbaren Jünger bis Alfassi waren für Nachmani mustergültige, unfehlbare Autoritäten. Innerhalb dieses Kreises 3atte er geistvolle Ansichten, richtige Urteile und hellen Sinn, aber über diesen Kreis konnte er nicht hinaus und sich nicht auf einen freie□ Standpunkt erheben. Nachmani war Arzt, hatte also ein wenig Naturkunde getrieben, war auch sonst gebildet und mit der philosophischen Literatur vertraut. Aber metaphysische Spekulation blieb ihm fremd, in die er sich nicht vertiefen mochte oder konnte. Er gehörte zu jenen oft vorkommenden Menschen, welche das Einzelne begreifen und zum Ganzen sich nicht erheben können.* Was lässt sich nua aus solcher Auffassung folgern? .Gewiss nichts Anderes, als dass Nachmanis Einfluss auf das Judentum verdunkelnd und unheilvoll gewesen und dass ohne ihn die freie Geistesbewegung innerhalb der jüdischen Gemeinden sich länger erhalten haben würde, wie Grätz zu glauben scheint. Prüfen wir, ehe wir alles unterschreiben! Nachmani wurde, wie man annimmt, im Jahre 1194 oder 1195 in der Katalonischen Stadt Gerona geboren. Hier war keine Grossgemeinde zu suchen, wie in Lucena, kein äusserer Glanz, keine hohe Weltstellung und Weltbildung, wie bei den Juden Toledo’s. Während diese Städte damals die Rabbinen meistens von auswärts beriefen, da die gründlichen Talmudkenner dort selten waren und die Gesetzesstrengen sich unter den verweltlichten Bewohnern dieser Striche nicht wohl fühlten, behagte sieb dort um so besser Alcharisi, der in seinem Tachkemoni das gesammte Leben und Fühlen der damaligen Zeit ergötzlich darstellte. Dapei waren die Juden dort mehr dem Wechsel der Verhältnisse ausgesetit: sie litten und jubelten abwechselnd unter ihren Herrschern, kämpften in den Heeren Alfonso's gegen die Mauren und unterstützten den besiegten Herrn kräftig gegen die verfolgenden wurde Scheschet Benvenisti als Gesandter Joseph Ibn Sabara seinen Roman, und der Sohn des angesehenen Samuel Halewy dichtete das weltverleugnende Buch ״Prinz und Derwisch' man sich dort mitten in Freuden und Beschwerden Teil nahm. Wer dagegen das Weichbild *) Bekanntlich eine Vsrarbeitang der indischen Buddhasage. Feinde, ln Barcelona verwandt, ihm widmete “.*) Diese Geisteserzeugnisse beweisen, dass den Stürmen der Zeit fühlte, gern an ihren

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