Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 34 (1912)
- Issue
- 1. Heft. (1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Naehmanides. Vortrag, s. Zeit zuerst gehalten im ״Verein für jüdische Literatur und Geschichte“ in Frankfurt a. M. Von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal. Wenn wir der Blütezeit jüdischen Geistes in Spanien gedenken, so zieht es ans sehnsuchtsvoll nach der glücklichen Halbinsel, die einstmals ein zweites Palästina genannt werden konnte und herrschend über alle jüdischen Kreise der Erde hinwegsah, and es ist uns, als wenn wir heUige Trümmer besuchten, so oft die Namen der Städte - Toledo, Saragossa, Barcelona, Lucena an unsor Ohr tönen. Was uns die Juden Spaniens besonders nahefübrt, das ist die innige Verbindung von jüdischem und ausserjüdisehem Wissen, die völlige Verschmelzung des Eigenen mit dem Fremden, die sie uns ähnlich macht, ln unserer Geschichtsschreibung werden deshalb die Beherrscher beider Geistesgebiete, Juda Halewy, Ibn Esra und Maimonides, einen breiten Raum einnehmen; weniger dagegen werden, da sie mehr nach Innen wirkten, die Leistungen Raschis und TossaGsten, des Abraham ben David und selbst des Nachmaniden zur Geltung kommen. Wer nach der Anzahl der ihren in den Geschichtswerken gewidmeten Seiten ihren Wert schätzen wollte, wird die Gestalt des Mose bar Naehman gewiss zu gering angeschlagen Gnden. Die Zeit, in der er lebte, konnte für die Weitergestaltung der jüdischen Lehro verhängnisvoll werden, und war ganz besonders massgebend für dio spätere Stollurg der Juden. Nachmani selbst ist durch seine Denkart und dio sich darauf gründende Wirksamkeit die eigenartigste Gestalt seiner Zeit und eine der grössten Leuchten Israels sowohl in der Lehre, wie im Leben, im Innern der Gemeindebewegung, wie draussen im .Sturm der andringenden Feinde. Und doch haben die Darsteller der jüdischen Geschichte ihm kein eigenes Blatt gewidmet! Man spricht wohl von einem Zeitalter des Aderet, aber nicht von dem des Nachmani, dieser wird nur gelegentllch bei Darstellung der Kümpfe um Maimuni’s Lehren behandelt. Dabei ist Jost noch mehr geneigt, seiner Grösse gerecht zu werden, während bei Grätz ein verhältnismässig wegwerfendes Urteil über ihn gefällt wird. Wir sind in weiteren Kreisen aber so sehr auf dieses Geschichtswerk angewiesen, dass wir wohl oder übel das Urteil eines Grätz uns aneignen, der Jost’scben Darstellung dagegen als der älteren weniger Vertrauen schenken za dürfen glauben. Das erfahren wir bei Grätz über Nachmani?