Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 4. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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f- 191! Wilhelm Möller: Wider dön Bann der Quellenscheidung. 229 S. Gütersloh, Bertelsmann. Möller ist uns als frülherer, Anhänger Wellhausens bekannt; wir wissen auch, dass sich! seine Auffassung der entgegengesetzten Seite zugewandt hat und haben seine früheren Arbeiten zur Widerlegung der landläufigen biblischen Ansichten schon früher nach Gebühr gewürdigt. ן Eine neue Arbeit lieget hier ▼or uns, worin eine ernste Abrechnung mit der Wellbajusen’schen Schule vorgenommen wird. Die Wahrnehmungen, worauf sich die neuesten Quellenscheidungen berufen, werden von Möller nicht geleugnet, wohl aber die daraus gezogenen Folgerungen und die weit über Gebühr hinausgehende Ausnutzung dieser Erscheinungen. Vf. bestreitet die Notwendigkeit, aus diesen Wahrnehmungen heraus eine Anzahl Quellen herzustellen. Nun wird diel Anzahl dieser Quellen infolge weiterer zu Tage tretender Widersprüche noch stark vermehrt, und ein Ende der daraus sich herschreibenden schriftersetzenden Bewegung glaubt Vf. nicht absehen zu können. Allerdings wollen Manche trotz ihrer Anerkennung der durch Wellhausen betonten Scheidung die weiteren Texteazerreissungen, wie sie besonders durch Sievers und Gunkel veranlasst werden sind, nicht annehmen. Möller zeigt, wie die!entstehenden Bruchstücke immer weniger irgend welchen Grenzen entsprechen, die Schrift selbst aber der genau erkennbaren Anlage gemäss darauf abzielt, ein Ganzes zu sein. Von diesem Ganzeil wird durch immer weitere Verzettelung der Blick stetig abgeleukt, uud die Frage nach dem ursprüngliehen Zustande der Quellen lässt die hauptsächlichen Wirkungen der Schrift vollständig in den Hintergrund treten. Selbst die 80genannten IMlppelerzählimgen sind nach Möller zumeist Erzählungen zweimal ähnlich geschehener Dinge, wie sie auch 80n6t Vorkommen. Wer sie zu je e i n e r Darstellung zusammenzieht, wird ihrer Sonderart nicht gerecht. Die äusserst genaue Darlegung dieses Tatbestandes wird Manchem, der auf die Nachfolger Wellhausens schwört, neue, von ihm nicht beobachtete Tatsachen zum Bewusstsein bringen und ihn zu erneuter Prüfung [der Akten veranlassen. Und weiter will Vf. ja nichts, als die fragen neu gestellt, .die Aufgaben angemessener gestaltet wissen. Was wir in unseren Arbeiten vor Jahren schon vorausgesagt, trifft in der Tat mehr und mehr ein. Auf Grund der harmlosesten Neubeobach|tungen werden neue Widersprüche und Fragen geschmiedet, die! zu neuer Textteilung veranlassen und einer Selbstzersetzung def ganzen Richtung gleichkommen. Die Möllersche Darstellung kommt einer Bestätigung dessen gleich, was wir im Nachtrage zu unserem ״Zurück zur Bibel“ lange früher ausgesprochen haben.