Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 4. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6492408-6582235-8773742--4114-4859159- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
192 Wir haben die Forderung erhoben, die Vertreter der verschiedenen Richtungen sollten mit einander arbeiten, einander ergänzen und berichtigen. Auch Möller erkennt den Wert der strengen Quellenforschung und ihrer Ergebnisse an, verlangt nur eine angemessene Beschränkung der daraus zu ziehenden Ergebnisse, die sich besonders nicht gegen die überlieferte Stellung der biblischen Bücher kehren 8011. Fraglich muss es uns erscheinen, ob Möller bei seiner Anerkennung der Quellenforschung eine Einschränkung ihrer Folgen erzielen kann. Ein Gedanke trägt seine Federkraft in sich und kann darin nicht gehemmt werden. Wer die Forschung anerkennt, kann ihre Wirkungen nicht ab8chwächen wojlen. Wer zugeben muss, dass die Bibelforschung neuester Art viele geschichtlichen Einzelheiten des heiligen Buches neu beleuchtet hat, kann nicht ernsthaft derselben Forschung Hemmschuhe anlegen wollen. Es gibt da nur Eines: Das Gebiet des Glaubens und der biblischen Anwendung darf durch veränderte Qnellenauffassung '׳nicht notwendig und nicht unbedingt bei jedem berührt werden. Die erlösende Formel hat da jederzeit recht verstanden gelautet: Glaube und Wissenschaft haben gesonderte Bahnen zu gehen, um die menschliche Bewegungs- und Forschungsfreiheit nicht zu gefährden und doch dem Gemüte sein Gebiet und den erhaltenden Lebensmächten die notwendige Stellung zu lassen. Wie sich diese Richtungen in einem Menschen vereinen lassen, ob diese Anschaunngen der duplex veritas nahekommen, das muss uns gleichgültig sein und ist der Möglichkeit gegenüber, dass unsere obige Formel vielleicht die erlösende Wahrheit enthält, gänzlich belanglos. Wenn erst Priester und Forscher erfahren, dass sie sich gar den Raum nicht beengen können, werden viele Kämpfe aufhören und man wird manche Auffassungen nicht mehr für gefährlich halten. Möller ist Einer derjenigen, welche, vielleicht ohne es zu wissen, auf diesen Ausgleich losarbeitet. Er hat die Schwächen der bibelwissenschaftlichen Quellenscheidung mit Umsicht und Sachkenntnis hervorgekebrt, oft hat er sich auch persönlich scharf geäussert. Wie solche Arbeiten zu benutzen sind, das haben wir in unserer oben angeführten Schrift genauer angegeben und müssen darauf verweisen. Gespannt sind wir auf den nächsten Teil des Möller’sehen Werkes, wo er wird beweisen müssen, ob er ebenso aufbauen, wie niederreissen kann. Das Möller’sehe Werk ist jedem Freunde der Bibel wobl zu empfehlen und wird der Bibelforscher von selbst an ihm nicht vorübergehen. Dru«k to» H. Ittk»w«ki. ttttLia, k«t»8UW־.