Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 4. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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154 dass die Gateherrschaft eine. ״Schale“ ihnen erbauen lassen will. Die Gutsberrachaft hat diese Verpflichtung nicht erfüllt; dessenungeachtet haben die Juden auf ihre Kosten eine Synagoge erbaut. Diese Syna• goge wurde bei dem grossen Brande am 24. Juni 1779 (Johannisfeaer) ein Raub der Flammen. Die hierauf entstandene Synagoge blieb bis zum Jahre 1820 in Benutzung, wurde dann aber roh der Behörde ihrer Baufälligkeit wegen geschlossen * 1). Der Bau der neuen Synagoge schritt nur langsam vorwärts, da die Geldmittel sehr knapp waren, so dass sie erst im Jahre 1823 ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Die Synagoge befand sich stets auf demselben Grundstück, auf dem sie sich heute noch befindet. Die alte Synagoge, ein einfacher Bau mit hohen Fenstern, bestand aas drei Räumen, dem eigentlichen Synagogenraum, welcher durch einen Hausflur von der sogenannten ״Chewreschul“ getrennt war. Das Almemor befand sich in der Mitte, und der Frauenchor war mit einem Gitter versehen, um es zu verhindern, dass die Andacht durch das Hinaufblicken zu den Damen gestört werde. Die Wände der Synagoge waren weiss gekalkt, der Fussboden mit Ziegelsteinen bedeckt. An der Decke waren Abbildungen von Sonne, Mond und Sternen und den 12 Bildern des Tierkreises angebracht. Auch diese Synagoge musste, da sie bereits ״bedenkliche Risse zeigte“, im Jahre 1882 niedergerissen werden Die Grundsteinlegung der neuen Synagoge fand am 13. März 1888 nachmittags 3 Uhr statt; dabei hielt Rabbiner Wäldler eine Ansprache, worauf von ihm, den beteiligten Bauleitern, dem Synagogen Vorstand und den Repräsentanten die üblichen drei Hammerschläge vollzogen wurden. Mitte Juli war der Rohbau vollendet, und am 15. August 1883 fand die feierliche Einweihung statt. Die Beteiligung aus den Nachbargemeinden war eine derart starke, dass die verausgabten 1500 Eintrittskarten nicht ausreichten und vielen Gästen der Eintritt ohne Karte gestattet werden musste. Unter den üblichen Gesängen und Ansprachen, die von dem Gemeinderabbiner Wäldler, den Rabbinern Brann-Schneidemühl, Dr. Popper-Czarnikau und Dr. Richter-Filehne gehalten wurden, vollzog sich die Weihe. An diese Feier schloss sich abends ein Festessen, bei dem eine bunte Reihe von Toasten folgte.2) Die Kosten für den Bau wurden zum grossen Teil durch Geschenke hiesiger und auswärtiger Mitglieder unsrer Gemeinde sowie durch ein Darlehen von 24000 Mark — auf die Dauer von 25 Jahren — von der Provinzialhülfskasse aufgebracht. 1) Protokollbuch. 1) Handschrift!. Festbericht des Buchhändlers Herrn Adolf Hottek-Schneidemdhl.