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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1911-01-01 · 4. Heft. (1911) · p. Seite 150

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
33 (1911)
Issue
4. Heft. (1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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160 Eigenart gerecht werden, ihn als Gegenstand strenger Wissenschaft behandeln will; den Forscher, dem alle Versuche auf gleichem Gebiete lieb sind, der aber doch nur die stete Betrachtung des Ganzen in seinen Bewegungsgesetzen und des Einzelnen in seinen Beziehungen zu denselben als höchstes Ziel achtet. Mag er als Erforscher des jüdischen Gesammtschrifttums neben Anderen seine Stelle einnehmen, als Kenner der biblischen Zeitfragen sich bet&tigen, ja, als Kennzeichner des Schöngeistigen seine Pflicht tun — als ernster Talmudforscher gekennzeichnet, trägt er das Kainszeichen der Seltsamkeit und Vereinsamung an seiner Stirne. Seine Lebensarbeit ist der Willkür preisgegeben, so dass weder er noch sein Gedanke zu seinem Rechte kommen und die Stellung einnehmen kann, die den Anregungen zur Kräftigung und Erneuerung vieler Geistesbestrebungen zukommt. Wird er je za denen gehören, welche Gegenstand herkömmlicher Anerkennung sind? Wird seine Auffassung der Dinge sich dem anreihen, was man notwendig wissen muss, um auch nur die Einleitung in das Gebiet zu kennen? Wird der Prüfende dem neu Einzureihenden beim Eingangsgesuch seinen Namen nennen und ihn dannach fragen, ob er dessen Anschauungen kennt? Wird er die Aufnahme oder die Reifeerklärung von der Kenntnis eines solchen Gedankens abhängig machen? Gewiss nicht 1 Wer soll ihm den Weg zu solcher Höhe bahnen? Wie kann man seiner neuen Auflassung eine Gemeinschaft zugestehen mit den schon lang zu Recht bestehenden Ansichten, die, von Lehrbuch zu Lehrbuch wandernd, ihre Stetigkeit bewiesen haben und denen ״die heiligende Macht des Jahres" ihren Stempel aufdrückt? Zu den erlauchten Alten wird er nie gezählt werden, vielmehr Zeit seines Lebens als jugendlicher unzünftiger Wegelagerer gelten, dem man schon die grösste Gnade antut, wenn man ihn duldet, noch mehr, wenn man ihm zugesteht, dass er ernst genommen werden könnte. Das ändert sich, sobald die Teilnehmer an seinem Werke sich mehren, sobald er die Möglichkeit gewinnt, zu einer Gemeinde Gleichgesinnter, zu sprechen. Dann wird die Notwendigkeit, das Bedürfnis nach talmudischen Schriften sich mehren, man wird eine neue Hervorbringung mit derselben Spannung in jüdischen Kreisen erwarten, mit welcher man in christlichen Kreisen einem neuen bibelwissenschaftlichen Buche entgegensieht.

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