Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 4. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6492408-6582235-8773742--4071-4859116- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
149 verwaisten Gebiete werden dai stehen, wie es heute noch der vernttnftige Arbeitsteilung wü •de es jeder guten Kraft ermöglichen, sich geltend zu machen. Eine Vermehrung der mit dem Talmud sich beschäftigenden Vereine muss unbedingt eine höhere Wertschätzung der talmudischen Wissenschaft und ihrer Vertreter zur Folge haben; wird also den Ehrgeiz tüchtiger Kräfte wecken und sie zu grösseren Leistungen, zu wichtigen Entdeckungen bringen. Die ernsten Talmudforscber, die Pfadfinder auf dem |heute sjnn nicht mehr unbeachtet zur Seite Fall ist. Bei der geringen Anzahl, die sich heute mit der Sache befasst, ist eine Arbeitsteilung nicht möglich; sie wird auch kaum den Beifall der Beteiligten haben. Da will Jeder alles machen, Jeder von vorn anfangen, als wäre er der Vorgänger Adams, und Keiner zugeben, dass auch ein Anderer ihn ergänzen, ja, ihn berichtigen könne. Eine Oef :entlichkeit ist da nicht vorhanden, die winzigsten Ergebnisse können aufgebauscht und überschätzt, die bedeutendsten EntdeckuDgen totgeschwiegen und darum wirkungslos gemacht werden. Mit welchen Blicken wird heute der eifrige Arbeiter auf talmudischem Gebiete betrachtet? Man sieht halb erstaunt, halb missbilligend auf ihn und ist nur schwer geneigt, seine Mühe anzuerkennen. Man glaubt nicl t, dass in unserer Zeit diese Mühe gekrönt werden kann und nimmt an, dass die Zeit mit etwas Lohnenderem ausgefüllt werden könnte. Da aber der Talmud immer der Talmud ist, so erscheint der Erforscher dieses Schrifttums als unbequemer Gewissei iswecker, als Mahner an etwas, was sein müsste und, wie man annimmt, doch nicht sein kann. Oder er kommt uns als seltsames Geschöpf vor, das etwa ״geheime Kunden, Nekromantik, Alchyn ie“ treibt, seine Zeit und sein Leben veralteten und hoffnungslosen Gegenständen weiht, weil Zeit und Leben ihm wahrscheinlich Nic hts wert sind und deshalb der Ertrag seines Lebens nicht beachtet 1;u werden braucht. Selbst die Anerkennung, welche man seinen Fleisse notgedrungen bieten muss, hat etwas herablassendes an sich, und dadurch glaubt man sei« Lebenswerk mehr als genügend belohnt zu haben —-mag er doch zufrieden sein, bei seinen ״immerhin achtenswerten“ Bestrebungen auch nur bemerkt zu werden. Ich meine hier allerdiffg'j den Forscher, der nicht inmitten einer Gelehrtengenossenschaft steht und dem Talmud doch in seiner