Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 4. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Wissen besitzen, Rabbiner will er nicht werden. Muss er da durchaus abspringen? O nein! Der Kenner des Judentums wird, auf solchen Anstalten mit vorgebildet, in seinem Beruf bedeutend, dabei eine Stütze der Tora und ihrer Vertreter, des Gemeindelebens und seiner Einrichtungen sein und bleiben. Er wird sich gar nicht mehr als den ehemaligen Jeschiwabachur betrachten, denn er ist ja, ohne Rabbi geworden zu sein, noch heute dasselbe, was er einst gewesen ist, weil man nicht mehr nur Rabbinen, sondern auch Rabbinen ausbilden wird. Allerdings dürfte man dann schon in Religionsschulen nicht eine immer weitgehendere Verminderung des hebräischen Lesestofles für vornehm und zeitgemäss halten, sondern müsste an weise Benutzung der uns zu Gebote stehenden Zeit und an enge Verknüpfung der hebräischen Gegenstände mit der Belehrung in der Religion, darum eben an Erweiterung des Hebräischen im Lehrplane denken; es sollten auch nicht so leicht Gegenstände aus demselben hinausgeworfen werden, weil er dadurch immer mehr verarmt und schliesslich nur noch schwacher Empfindsamkeit Raum lässt. Eine Jugend, durch gute Anstalten gegangen, würde aus sich bedeutende Talmudjünger emporwachsen lassen, welche zugleich in der Neuzeit wirken und leben; sie würden später über die Richtungen im Gemeindeleben Klarheit verbreiten, während die Meisten jetzt hüben und drüben nur Gesagtes nachbeten. Der Talmudjünger, der nun zugleich Student ist, wird mit besonderer Spannung auch den Vorlesungen folgen, welche der Inhaber eines Universitätslehrstuhls über talmudische Gegenstände abhält. So würde, wenn wir für den Unterbau in angedeuteter Art sorgen, ein Universitätslehrstuhl auch einen Hörerkreie haben, und der Inhaber kann um so eher die Wissenschaft erweitern, als eine solche Hörerschaft hohe Ansprüche stellt und von selbst die Anregung zur Erneuerung der vorhandenen altehrwürdigen wissenschaftlichen Anschauungen bietet. Es würden nämlich Wahrnehmungen über Talmudisches sich bereits in den Schulen mehren; dieselben würden sich zu Arbeiten grösseren oder geringeren Umfangs verdichten; die daraus sich ergebenden Tatsachen und Fragen würden auf der Universität notwendig zu einem Ganzen verarbeitet werden, welches zum Ausbau der EinleitungsWissenschaft führen müsste. Von dort aus würden, wie Hans Bahr auch ausgeführt hat, die Anregungen den talmudisch arbeitenden Kreisen zurückgegeben werden, und eine