Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 3. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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132 Psalm 19 schon der Kinderveit teuer gemacht, wo der Himmel wortlos vom Ruhme Gottes redet und der aufsteigende Sonnenball dem Bräutigam ״hervorwandelnd aus seinem Zelte, dem jungen Helden im Wettlauf,“ verglichen wird. Und diese Schilderung ist nur ein Sinnbild der belebenden und erleuchtenden Kraft der Tora. Im Ps. 92 ist die Ceder des Libanon das Sinnbild des kämpfenden und langsam sein Ziel erreichenden edeln Menschen, während der in seinen Mitteln t nicht wählerische, darum schnell wachsende Bösewicht dem schnell wachsenden, aber schnell fortgemähten Grase vergleichen wird. Im ersten Psalme gleicht der Fromme dem fruchtreichen Baum, au Wasserhächen gepflanzt, dessen Blätter niemals welken. Der Bösewicht gleicht am Tage der Gefahr der Spreu, die der Wind hinwegweht. Israel gleicht Ps. 81 dem Weinstocke, der von Aegypten eingeführt, seine Ranken und Pflanzungen weit ausdehnt; im Jesaia ist Israel der undankbare Weinberg, der statt guter Früchte nur Härlinge hervorbringt, weshalb sein Besitzer ihm und all seinen kostbaren Anlagen ein Ende bereiten will. Hiob vergleicht des Menschen Streben nach Woisheit der Arbeit im Bergwerke — wer könnte übrigens Bilder und Schilderungen des Buches Hiob erschöpfen? Höben wir nun gerade die Wasserdichtungen der Bibel hervor, 80 müssten wir einen grossen Teil der Bibel ausscbreiben. Das Lied Moses und Israels am Meere' ist erfüllt von all' den erhabenen Bildern, die der Gegensatz des bewegten zum Stillstehenden Meere ermöglicht. Im Bileamssegen gleichen die Zelte Israels den sich hinschlängelnden Tälern, von Gott gepflanzten Oelbäumen, den Cedern am Wasser, da läuft das Wasser nieder und bewässert noch in der Ferne dte Aussaat. Im Mosesliede wird das belehrende Wort mit dem Tau und dem Regen verglichen, niederfahrend auf das durstige Gras. Im 93. Psalm erhebt sich ein Sturm, der zuerst die Flüsse, dann das Meer erfasst, bis dem Donnern der gewaltigen Meeresfläche Gott selbst (man denke an das Quos ego!) ein Ende macht. Ein Bild der einzelnen Völker, die auch Göthe in Mahomets Gesang mit den Flüssen vergleicht; das Weltmeer ist bei Göthe die Menschheit, in welche alle Völker münden — in unserem Psalm teilen die Flüsse ihr Toben dem Meere mit (in das sie münden), das ist auch die Menschheit. Nachher wird Tempel, Gottheit und Gesetz wieder in Ewigkeit verehrt. Voll von Naturbildern, in denen besonders das Wasser hervortritt, ist Psalm 147. Der um Jerusalem trauernde Dichter tröstet sich mit den Sternen; ״Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihr auch nicht eines fehlet“ wie der Deutsche Hoffmann von Fallersleben ihm nachgefüblt hat. Aber es kommen Wolken — es kommt Regen — zage nicht! Es kommt das Wachstum. Nach umwölktem Himmel kommt der Segen des fetten Weizens. Gott sendet sein Wort, schnell eilt’s: Da kommt Schnee wie Wolle, Reif wie Asche, Eis in Schollen, dann die Eiseskälte (die festgefrorenen Flüsse).