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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1911-01-01 · 3. Heft. (1911) · p. Seite 130

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
33 (1911)
Issue
3. Heft. (1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 130 (sequence 34)
Language
German
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Verehrung werden. Und so brauchte dieser Umstand Sombart gar keine Folgerung zu bieten, wenn er — sich nur als tatsächlich begründen Hesse. Tatsächlich hat aber das Judentum eine gewaltige Naturdichtung. Bücken wir auch nur auf die erzählenden Teile der Bibel, so führt uns die Schöpfungsgeschichte, der erste Abschnitt, mitten in eine sich bewegende und werdende Welt hinein — der zweite Abschnitt lässt uns in einen herrlichen Garten treten, Baumgruppen mit fernem Ausblick stellen sich uns dar — in der Ferne der Baum mitten im Garten — wunderbare Tiere nähern sich uns, vier Ströme gehen nach den verschiedenen Himmelsgegenden, in der Abendkühle hört man des Gottesruf, und die Welt der Dornen und Disteln regt sich als Gegensatz jenseits der Paradiesespforten. Und in der Sintflutgeschicbte — welche einfache und machtvolle Schilderung der Flut! Die Wasser steigen — die schwere Arche steht noch fest; sie wachsen weiter — die Arche hebt sich — die Arche beginnt zu schwimmen, und langsam hebt sie die Flut, bis sie die höchsten Berge weit überragt! Schlichte, einfache Schilderung, die man in ihrer Wahrheit nur recht mitempfinden muss. Die Geschichte der Stammväter führt uns durch die freien Fluren Palästina's, durch Wälder, an Menschenwohnungen, an Weilern und Städten voibei, Hirten mit ihren Zelten, Herden mit ihren Hürden, die Sorge der Hirten, ihr Streit um Brunnen, um wasserreiche Gegenden tiitt klar vor unser Auge. Ipi Mamrehain erwartet Abraham die Wanderer, unter dem Schatten des Baumes sitzen seine Gäste. Die Gestalt Esau’s führt uns in’s Jägerleben, in den duftigen Wald hinein, und die Geschichte Jakobs bei Laban offenbart uns alle Seiten des Hirtenlebens. Die Sorge Jakobs um die Begegnung mit Esau bietet uns ein stimmungsvolles Nachtbild, bis bei Sonnenaufgang Esau vor Jakob steht. Noch die Josefsgeschichte ist erfüllt von Sternen, Sonnen, Garben auf dem Felde, wenn auch nun das grössere Leben Aegyptens beginnt und uns zum zweiten Mosesbuche hinüberführt. Die Natur entschwindet uns auch hier nicht. Wir sehen wieder einen Hirten vor uns, allerdings in schauriger Einsamkeit durch düsteres Felsland seine Herden treibend, der brennende Dornbusch ist vorbildlich für die ganze Umgebung; in den Plagen Aegyptens sind Himmel und Erde in entsetzlicher und furchtbarer Bewegung, der nächtliche Auszug führt Israel durch das Meer, weiter durch Wüsten und Oasen bis zum flammenumgebenen Sinai. Die Richterzeit ist wieder reich an Beziehungen zur freien Natur — man denke an die wechselvollen Abenteuer Simeons, an das Gleichnis Joas’ von den Bäumen, die einen König wählen wollten, an den Wald, der gleich dem Shakespeare’schen von Dunsinane sich zu regen und heranzuwandeln kommt — das sind keine zufälligen Nebenzüge der Erzählung, sondern in echt Lessingisch-Laokoontischer Art ohne Schilderung in die sich bewegende Darstellung verwoben, 80 dass die Vorliebe für die Natur und ihre ruhige Betrachtung

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