Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 3. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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129 seine Betätigung, zu ziehen aus für seinen Gedanken ihm er mit einigen Worten ein Schlag! der Geist sein, der Solches nur die ganze Fülle der Einzelheiten auszuschütten! Er mag die Stütze, welche von das kjommt, nicht entbehren, und da wirft licht auf das Ganze! Wie reich muss anzudeuten sich beschränkt, ohne , die sich daraus ergeben, darüber meine Schüler werden sich dieses Umstandes erinnern bewundere den Tiefblick Somba Verhältnisses so einfach wie ei Gewiss, in ״Mahomet’s Gesang“ Von diesem Gesichtspunkt aus vertroten seine wenigen Aeusserungen ein ganzes Buch, ln ehern Litoraturblatte wird natürlich der Schwerpunkt des Beobachters sich solchen Punkten zu wenden. Ich erkenne an, dass ich über don Gegenstand ״Göthe und das Wasser“ seit meinen Jünghngsji.hren gebrütet und gelehrt habe — und ich art’s, dass er die Bedeutsamkeit dieses iwas Selbstverständliches hervorkehrt, wird der Lauf des Flusses zum Sinnbilde eines grossen Menschenlebens, durch welches ganze Völker in das Meer der Menschheit einmüiideten; im ״Gesang der Geister über den Wassern“ zeigt der verschieden durch Himmel, Stürme und WindstiUo bestimmte Anblick des Wassers den bestimmenden Einfluss des Lebensschicksales auf die Menschenseele. In der ״Seefahrt“ zeigt sich die durch Hemmnisse zurüc!gehaltene Unternehmungslust, die sich der Gefahren freut und aus Gelahren und Hemmnissen die Lust am Kämpfen und demnach am Leb9n zieht, ln gleicher Weise lässt sich der Einfluss von Wiese, Wald, Sonnenschein, Mondlicht, Eis und Sternen auf die Göthe’sche Dichtung durchführend zeigen. ״In Wanderers Sturmlied“ wird ein Reiseerlebnis zum Traum und Sinnbild eines kurzen und reichen Lebenslaufes; in ״Wen du nicht verlässest, Genius“ wird die Geisteskraft g eschildert, die, wie gegen Unbilde des Wetters, gegen alle Hemmnisse und niederziebenden Einflüsse den Menschen schützt, solange er nicht durch Gleichgiltigkeit gegen Apollo sündigt. Hier wird Natur und Mensch zu einer Einheit — es ist gar nicht mehr vom Gleichnis die Rede, sondern das Eine ist der Spiegel des Anderen, und sie empfinden ihre Wesensgleichheit. Hier folgt nicht Gleichnis und Verglichenes geistig aufeinander, sondern zugleich machen sich beide Glieder geltend. Eine Naturdichtung diesei Art kannte bekanntlich das Altertum nicht, die Römer erst in spätei Zeit; mit Horaz beginnt ein tieferes derartiges Empfinden. Nun müsste, wenn schon Griechen und Römer diese Art empfindungsvoller Naturdichtung nicht gekannt haben, das Judentum des Altertums ihr erst recht fern stehen, und bei dessen angenommener Besonderheit scheint Sombart gerade hierin einen starken Beweis für seine ganze Aufstellung zu erheffen. Wir könnten für das Fehlen einer Naturdichtung im Judentum auch noch die Scheu vor dem Götzendienst als Begründung anführen; die geschilderten Wesen und Dinge könnten leicht Gegenstände der