Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 3. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6492408-6582235-8773741--4045-4859091- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
126 Jaden erschwert, wohl gar genommen wurde, sein Sinn sich scheinbar nar dem Aeasseriichen zage wandt. Dass aber selbst in solchen Zeiten die Hingebung, mit welcher er sein heiliges Erbgut erforschte, gerade ein Beweis dafür war, dass die Liebe zu etwas über dem Münzwert stehendem sein Herz erfüllte. So wenig der Prinz Heinz von Wales nur ans staatsklugen Gründen lustig ist, trotzdem er es sagt, so wenig lässt sich der Eifer der altjüdischen Gemeinden für Thora und Talmud aus Gründen des Eigennutzes und der Furcht herleiten — es war für sie das Feierkleid, in das sie sich warfen, sobald ׳ sie das lästige Gewand der Bedrückung auf einem Augenblick ablegen konnten. Vergesse man übrigens auch nicht das Schiller’sche Wort: Euch, ihr Götter, gehört der Kaufmann, Schätze zu suchen Geht er, doch an sein Schiff schliesset das Gute sich an. Die Fugger, die Welser, die d’Este, die Medici, waren ebenso Kaufleute und Kunstförderer, wie unsere James Simon und Aehnliche. Wir sind aas den mittelalterlichen Anschauungen heraus, uns za entsetzen, wenn vom Mammon die Rede ist. Wollte aber Sombart einfach das Wesen eines Stammes kennzeichnen und die Eigenschaften wissenschaftlich festlegen, welche aus gemütvoller Butzenscheibenenge in eine neuzeitlich bewegte, weil vom Handel beherrschte Welt führen, dann sind uns einige Redensarten und Ausrufe, selbst Anführungen, wie die des Fontane’schen Gedichts ״An meinem Fünfundsiebzigsten“ als mindestens entbehrlich erschienen — da zeigt sich unwillkürlich das überlegene, gutmütig lächelnde, aber immerhin lächelnde Antlitz Sombarts — da findet sich ein leiser Anflug von Spott — der starr wissenschaftliche Gesichtsausdruck weicht, und der ״Mensch an sich“ kommt da zum Vorschein. Zudem ist das Judentum noch immer nicht so gestellt, ״einseitige Bücher“ die, wie vorliegendes, nach des Verfassers Geständnis ״die anderen Faktoren, die ausser den Jaden am Aufbau des modernen Kapitalismus beteiligt gewesen sind, nicht erwähnen, (womit natürlich deren Einfluss nicht geleugnet werden soll)“ — ich sage derart einseitige Bücher anerkennen zu dürfen. Im Bache selbst wird in überaus herrschender Weise der Jude zum alleinigen Träger der ganzen Entwicklung, welche Vf. selbst ja als gross und heilsam zu schildern geneigt ist. Dem Jaden wird allerdings mit Debergehung aller Gemütsseiten ein einseitiges, trockenes, eigennütziges, zielsüchtiges Wesen in höchster Vollendung trotz aller Verkleidungen zugesprochen. Dem einstigen etwaigen Weilen im Wüstenlande wird ein Einfluss selbst auf das jetzige Wesen Israels