Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 3. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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125 stellen, als wenn Einem diB Weise Freude machte. Doch scheinen nns hier einige allgemeine einleitende Sätze nötig, ehe wir zur Widerlegung eines grundlegenden Irrtums kommen. Sombart führt die Aeoderung der Handelswege und die Verleguog des Verkehrsschwerpmktes von Süden nach Norden nicht auf die Entdeckung Amerika’s zurück, sondern auf die Austreibung der Juden aus Spanien und auf dereu Bestreben, ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen und den Handel an ihre wechselnden Wohnsitze zu fesseln. Er will den Einfluss; der Entdeckungen ausschalten und den der spanischen Juden zur Hauptursache machen. Nun ist der Einschnitt, den dies Ereignis in dio lJaidelsgeschichto Spaniens einerseits und der Niederlande und England andererseits gemacht hat, schon ror Sombart in jedem jüdischen Geschieht!!werke, in jedem der bezüglichen Vorträge gewürdigt worden. Vor mir liegt z. B. Nr. 9 des Hamburger Familienblattes (S. 6), ich weiss nicht von welchem Jahrgang. Eino Arbeit ist dort überschrieben ״Diu Synagoge in Toledo.“ Und diese kurze Angabe enthält in einigen Absätzen den Einfluss der JudenaustreibuDg auf Toledo und Spanien. Es wird wohl kaum eine Schilderung der Portugiesensynagoge in Amsterdam geben, die nicht davon sprechen wird, wieviel die Marranen i׳ur Handelsblüte der Generalstaaten beigetragen. Was hat Sombart nun Weiteres getan, als z. T. schon bekannt gewesenen Dinge einseitig io den Vordergrund zu schieben und von allem Anderen den Blick 'ortzuwenden? Er hat die Geschichte des Handels und das Wesen des jüdischen Krämers von 1492 an bis zur Gegenwart behandelt, dagegen die vorhergehenden Zeitalter ausser Acht gelassen. Trotzdem h!.t er seine Folgerungen von diesen Zeiten aus auf die gesamte Vergangenheit Israels zarückgeworfen, um uns von den Stammvätern her zum Stamme der Berechnung, nicht des Gemätslebens hinzustellen. Nicht die geschäftlichen Leiden haben uns daza gemacht, sondern unser eigenes Wesen. Hätte er die älteren Zeiten mit herangezogen, er hätte die Juden und die Mohammedaner als Hauptvertreter der Wissenschaft und Dichtkunst, als Vermittler zv rischen altgriechischer und mittelalterlicher Weltanschauung, als Ueberli« lerer alter Grundsätze darstellen müssen. Ja, es hätte sich ihm deutlich gezeigt, dass tür jene Zeitalter Jaden und Mohammedaner die rein ) und demnach über den Tagesvorteil erhabene Wissenschaft vertreten haben. Er hätte zugeben müssen, dass erst in den jüngsten Zeiten, wo die Möglichkeit des Geistelebens dem