Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 3. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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!04 war ein Schüler Blaschkes und ist somit gewiss ein zuverlässiger Berichterstatter. Berlin, 24. 09. Sehr geehrter Herr Doetorl Ihrem Wanache gemäss teile ich Ihnen Folgendes mit: L Mein eeeliger Rabbi L. Blaschke, war meines Wissens nicht Schüler des B. Jacob Lissa — des ועת ntn. — Er hat sich nie als solcher bezeichnet. Hingegen war er ein תלמיד מזבחק von R. Akiba Eger, den er oft, wenn er seiner in den Diskassionen gedachte, mit Ehrfarcht — er pflegte sich von seinem Sitze etwas za heben — als seinen Lehrer bezeichnete. R. Akiba wirkte za jener Zeit noch in Friedland. Ausserdem war mein sei. Rabbi auch Schäler von R. Abraham Tiktin in Glogau. 2. Vermisste ich in Ihrer Darstellung seine Wirksamkeit als Lehrer, als י«יבח swi. Er hatte stets eine grössere oder geringere Zahl ▼on Jüngern, denen er sieh mit allem Fleisse and aller Hingebung widmete. In dieser Besiehang kann man ▼on ihm sagen: ותורתו אומנתו. Er war auch ein aasgezeichneter Pädagoge, indem er die ▼on ihm behandelten Stoffe klar and liehtroll darstellte, so dass man bei ihm ״lernen“ musste. 8. Besonders aber fehlt mir in Ihrer Darstellung die Schilderung seiner ethischen Seite. Mein Rabbi war eine tiefangelegte sittliche Persönlichkeit unermüdlich in werktätiger Liebe. Dafür einige Tatsachen: a) Er sorgte mit aller ihm zu Gebote stehenden Kräfte für den Unterhalt seiner Schüler, die auch häufig an seinem Tische speisten. b) Für durchreisende arme בני תודח holte er persönlich ▼on den בעלי בתיס Beiträge ein. c) Zwischen ריה u. י* נ insbesondere am דיג» ging er ▼on Haus zu Haus and sammelte sogenanntes ״Holzgeld“ für die Armen zum Winter ein. Damit verband er auch das tt) pnrl! d) Wenn er beim Gericht ▼on Zeit za Zeit die Gebühren für die Eidesabnahme abhob, übergab er mir öfters einen Teil des Betrages zur Aufbewahrung um ihn ohne Wissen seiner Frau, die allen Grund zum ״Zusammenhalten“ hatte, für Arme zu verwenden. d) Auf Bitten seiner Frau, wachte ich darüber, dass er beim Wechseln der Wäsche im בית המרחץ des Freitags nachmittag die abgelegte Wäsche nicht an Arme verschenkte, was bisweilen geschah. e) Eines Tages musste ich ihm heimlich seine Pantoffel ▼on Hause nach dem *בית תמרר׳ bringen, weil er seine festen Schuhe — er trug nur solche — dem ▼on Ihnen erwähnten R. Leyser Gerschom, dessen Fusabekleidang er sehr defeet fand, übergab. Die Bchuhe waren somit für seine Frau verschwunden. f) Endlich war ich auch Augenzeuge, wie er unmittelbar nach dem •נדר V3-Gebet einem Manne, der Stiefel anhatte, angeblich weil er keine Strümpfe besass, ein Paar seiner Strümpfe — er hatte, weil er sehr empfindlich war, doppelte an — in der Synagogoge auszog und sie ihm übergab. Dies zur Charakteristik des ▼on mir verehrten seligen Lehrers. Hochachtend J. Markuse.