Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 2. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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93 Seite der Kunst auch da nicht lehrende in ihr als möglich an Bezüglich des Hauptteils Buch selbst. Der Dürr’sche \ aber. Das Missbehagen, das jein ungerechtes Loos hervorruft, wird nach ihm durch die Erinnerung beseitigt, dass Alles nur Spiel sei. Gerade an dies Gerechtigkeitsgefühl knüpft Lessing an. Er betont Mendelssohn und Nikdai gegenüber die Notwendigkeit einer ursächlichen Verbindung zwischen Leiden und Handeln. Und die Reinigung der Leidenschaften besteht nach Lessing in der Erziehung zum Mitleid. Hier erwähnt Petsch auch, dass Lessing an sich Alles verstehen und Alles verzeihen lehrt. Andererseits gibt es auch Stellen, wd Mendelssohn durch Nachahmung der Handlung den ״moralischen Geschmack zu üben, und zwar die Gabe, vermittelst der schauenden Erkenntnis Laster zu verabscheuen und die Tugend zu li eben“ empfiehlt, und wo Lessing wieder andererseits auf die sich fühlende Menschlichkeit hinweist. Natürlich wird Mendelssohn seinem Ausgangspunkt, (wie wir selbst betonen müssen, — was Petsch unerörtert gelassen hat), der gläubigen Sittenlehre, auch da nicht untreu, wo seine An- Behauungen die reineKunst empfahlen; und Lessing wird die lehrhafte einseitig betonen, wo er das Be- 1 nimmt. der Schrift verweisen wir auf das i erlag hat durch die Herausgabe dieses Bandes sich ein ganz besonderes Verdienst erworben. Die Wiedergeburt der deutschen Literatur ist der staatlichen Wiedergebürt Deutschlands vorausgegangen und hat sie erst ermöglicht. Gerade aber das Trauerspiel ist immer der rechte Massstab für den Stand eines National!Schrifttums. Daher das Wirkende und Befreiende in Leasings Diamaturgie oder in dsn von Lessing und Mendelssohn herausgegebenen Literaturbriefen. Wird man schon heute Leasing kaum gerecht, 80 schneiden seine Vorgänger und Mitarbeiter erst recht schlecht ab. Sie aber sind doch auch eigentlich die Bahnbrecher deutschen Geistes und deutscher Grösse. Es ist gut, wenn man in Mendelssohn nicht immer allein den erleuchteten Gottesgelehrten, im besten Falle den Wolffianer, in Nicol ii nicht allein den Proktophantasmisten wittert und hier einmal Beide in ernster Weise sich mit den Fragen der Kunstwirkung beschäftigen sieht, sodass Leasings Tätigkeit und das Ergebnis seines Lebens durch die Freunde begreiflicher wird. Von diesem Buche aus weisen wir auch auf Goldsteins ״Mendelssohn und jie deutsche Aesthetik“ hin, wo der Redakteur der Königsberger Hartung’schen Zeitung einmal trefllieh das Verhältnis Herders zu Mendelssohn behandelt hat. Nach allem Gesagten bedarf es keines Wortes der Empfehlung mehr für die Petsch’scne Ausgabe.