Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 2. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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91 Ueber Gryphius bedeutet!de Ans&tze, über sein Gegenspiel, das wüste Volksstück, führt er uns zu Gottsched, dem Freunde Corneille’s und des fabula doc« t gegen Racine und seine Menschendarstellung. Er sucht Aristoteles und Corneille bezüglich der Reinigung zu vereinen. Der Streit der Breitingei und Bodmer gegen Gottsched hat besonders Bodmer in Anlehnung an Dubos um Klärung dieser Fragen sich bemühen lassen. Bewunderung und Mitleid unter möglichstem Ausschlüsse des Erhabenen, des Endzweckes, meint Bodmer; Bewunderung ist Nebending, Mitleid und Furcht 8011 durch ein und dieselbe Person erregt werden, betonen Andere, z. B. Calepio. Bodmer wi 1 durch Betonung der admiratio übrigens keinen Gottsched’scb en Cato entschuldigen, das Trauerspiel nur vor Verflachung und Erniedrigung hewahren. Bei Calepio begegnet uns die grosse Aehnlichkeit mit Lessing in der Ablehnung der admiraüo und der Vereinigung der tragisehen Leidenschaften des Zuschauers auf eine upd dieselbe Person. Mit Vergnügen liest man bei Petsch die Stellen aus Bodmers ״kritischen Briefen“ die in der Tat an gewisse grundlegende Lessingsche Gegenbeweise gegen die Corneille schen Regeln (zumal in der Dramaturgie, in der Besprechung von Weisse’s Richard UI.) erinnern. Nur hat Lessing die bezüglichen Nachweise nach seiner Art philologisch aus dem Wortlaute des Aristoteles und anscheinend nach e genen Gedankengängen beigebracht. Verfasser vergisst auch fl. El. Schlegels als eines wichtigen Mittelgliedes nicht, und über Geliert’8 empfindungsvolle Forderungen, über das bürgerliche englische Trauerspiel kommen wir zum Ausgangspunkte Lessing!. Der Kenner der Lessin g’sehen Schriften denkt hier sofort an die Jugenarbeiten des Dichters, worin er Schlegel folgt, Seneca im Umriss darstellt und anerkennt. Aber er hat auch Charaktere wie Crebillons Catilina geschätzt und fängt mehr und mehr an, sich jenseits von gut und böse zu bewegen, wenn auch ״Thränen des Mitleids und der Menschlichkeit“ noch zu den betonten Zielen des Trauerspiels gehören. Aus der Gottschedia- ' ners Curtius UeberSetzung und Erklärung der aristotelischen as ״Mitleid und Erbarmen als eine endhafte Fertigkeiten“ in die Draon hier stammt seine Lehre, der rauerspiel die Leidenschaften nderte Held in das Heldengedicht auerspiel. Die englischen Denker haben herausgefunden, dass die Leidenschäften durch die Vernunft überhaupt nicht lenkbar seien; Shaftesbury hat das Wirken der Gottheit in der Vereinigung der sonst Unvereinbaren gesehen, sodass der Ausgleich zwischen Ichsucht und Selbstlosigkeit die Kalokagathie, die Störung dieses Ausgleichs eine Folge verderblicher Leidenschaft ist. Die Kunst Dichtkunst vermag Lessing Fertigkeit der Seele“ als ״tu maturgie hinüberzunehmen. Epos rufe Bewunderung, das hervor. So gehört der be der bemitleidete ins T