Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 2. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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72 licht auf die Leviten tat. Eine völlige, man darf fast sagen, eine gänzliche Verwirrung herrscht auch betreffs der Begriffsbestimmungen der beiden Bezeichnungen טשמר und טעמו. Wer ist mit dem ersten Namen gemeint, wem legte man die zweite Bezeichnung bei? Schliesslieh ist auch nicht ganz klar, weshalb die Israeliten gleich beim ersten mal in vierundzwanzig Teile gesondert erscheinen, wo doch die Mischmarot- Einrichtung der Priester und Leviten eine dreifache Entwicklung durchgemacht haben. Sämtliche hier aufgezählte Schwierigkeiten wurden von den Rischonim, Acharonim, wie auch von den neueren wissenschaftlichen Darstellungen und Bearbeitungen dieser Themas kaum gestreift, die Hauptfragen nicht einmal berührt. Wenn wir die genannten Schwierigkeiten genau ins Auge fassen, so glauben wir der Sache so am gerechtesten zu werden, dass wir drei Hauptmomente näher betrachten, durch Klärung derselben, hoffen wir die ganze Einrichtung etwas verständlicher und klarer za machen: wir meinen die Zeit der Entstehung, der eigentliche Aufenthalt (es ist merkwürdig, dass trotz des klaren und deutlichen Berichtes betreffs des letzten Punktes bei den meisten Autoren die Sache noch immer in Dunkel gehüllt zu sein scheint) und die korrekte Benennung der Beistandsmänner. Was zunächst die Einführung dieser תקנה betrifft, haben wir ja bereits auf die Unklarheiten und Widersprüche zwischen Hischna und Tosiphta hingewiesen. Nach allen Erklärungen zu der betreffenden Mischnastelle war die ganze Institution ein Werk der ersten Propheten, während nach der Tosiphta diese Einrichtung den Gottesmännern in Jerusalem zuzuschreiben sei. Wir hätten somit hier einen geradezu .. unvergleichlichen Anachronismus von ungefähr tausend Jahren. Aller- ׳ dings muss vorerst betont werden, dass die grosse Differenz betreffs der Entstehungszeit ausschliesslich und allein von der Interpretation einer Tosiphtastelle abhängig ist. Wir lesen nämlich daselbst: עטרו נביאים שבירושלים וקבעו כ״ד מעטרות כעד כ״ד משמרות. Hiernach waren es (Taan. 4,2) die göttlichen Seher in Jerusalem, die die Maamadot einrichteten. Wann lebten nun diese Gottesmänner? Von der Beantwortung dieser Frage, ist, wie leicht ersichtlich, die ganze Zeitdifferenz abhängig. Nach Fün דברי הימים לבני ישראל S. 150 f.) und Hamburger Realenzkl. für Bib. und Talm. II Art. Beistandsm.) sollen mit נביאים שכד, die nachexilischen Propheten, die gemeinsam mit Esra in Jerusalem gewirkt haben, verstanden sein. Hiernach wäre der Widerspruch zwischen der Angabe in der Mischna und dem Bericht der Tosiphta augenscheinlich. Fün haut ganz einfach den gordischen Knoten durch.