Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 2. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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die heute als unverstanden oder schwer verständlich gelten, in ihrer vollen Bedeutung erfasst werden können. — Doch nun kehre ich zu dem Ausgangspunkt meiner Betrachtung zurück und behaupte, dass die Berechtigung zur Errichtung eines Lehrstuhles für talmudische Forschung erwiesen ist; schon allein aus den besprochenen Beziehungen zur neutestamentlichen Wissenschaft, abgesehen davon, dass e6 sich gebührte, auch die jüdische Gelehrsamkeit als solche an dem Stiftnngskapital aus jüdischen Kreisen Anteil nehmen zu lassen. Aber noch eins wäre mit diesem Lehrstuhl gewonnen, n&mlich die Zentralisierung der ־jüdischen Gelehrtenarbeit am Talmud. Dieses grosse und wichtige Gebiet wird leider von jüdischer Seite aus noch immer so behandelt, dass ein einheitlicher Forschungsbetrieb nicht in die Wege geleitet ist. Der eine betreibt dies, der andere jenes und der dritte wieder das, was der erste, doch ohne davon Kenntnis zu haben oder zu nehmen.*) Da könnte der Inhaber des von mir geförderten Lehrstuhles anregend auf alle seine Mitarbeiter einwirken, zu neuen Forschungen anregen, vor beschrittenen Irrwegen warnen und doppelte unnütze Arbeit ausschalten. Selbstverständliche Voraussetzung bei der Verwirklichung meines Vorschlages wäre jedoch, dass der zu diesem Lehrstuhl berufene Gelehrte eine ausgezeichnete Kraft und ein Forscher ersten Ranges sein müsste, denn zur Erforschung des Talmuds gehört nicht nur eine exceptionelle Kenntnis dieses gesamten Schrifttums, sondern auch der Forschergeist, der das grosse Gebiet übersieht und in seiner Bedeutung im einzelnen wie im ganzen zu schätzen weiss. Erst dann würde sich die ganze Unternehmung zu einer lohnenden gestalten. Doch ich zweifle nicht daran, dass der für diesen Lehrstuhl geeignete Forscher einst gefunden werden würde■ ף Sonst hätte es nicht Vorkommen können, dass bei Besprechung; der zweiten Auflage meines ״!Jeher den Zusammenhang der Mischna“ einer unserer leitenden Minner behauptet hat, das wäre keine zweite Auflage und ich hätte kein Recht, sie so zu nennen, da er das frühere Buch mit meinem ״Die Mischna, ▲nfbau und Quellenscheidung‘ verwechselt hat. (Red.)