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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1911-01-01 · 1. Heft. (1911) · p. Seite 38

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
33 (1911)
Issue
1. Heft. (1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 38 (sequence 38)
Language
German
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38 Wiederholung aussieht. Das hat Capelle richtig unterstrichen: .Niemand kann dir dann schaden . . . denn du wirst Uberhaupt keinen Schaden erleiden“, was bei Schmidt etwas matter klingt. Aus Kap. 2: dv ouv [1,öva 4xxX1vr(1 -dt r.apa cpuutv xtüv 4m aot 065evt <uv 4xxX.tve1; TOptrea^ nach Capelle ״Was unter den Dingen, die in deiner Gewalt stehen, naturwidrig ist“ nach Schmidt ״was naturwidrig ist und in deiner Gewalt steht.“ Was aber in unserer Gewalt steht, kann nach den Stoikern nie naturwidrig sein. Es kann sich nur um Dinge handeln, die ״wider die Natur der Dinge sind, die in unserer Gewalt stehen“ das Streben nach ihnen macht unglücklich, und glücklich ist, wer ihnen ausweicht. So kann voaov nicht mit Schmidt übersetzt werden ״einer Krankheit“, sondern mit Schmidt ״der Krankheit“, da man wohl einer Krankheit entweichen kann, aber nicht der Krankheit, d. h. der Möglichkeit, als Mensch krank zu werden. Wir begnügen uns mit diesen Beispielen. Bei einer Neuauflage können diese und ähnliche Dinge verbessert und vermieden werden. Das hindert uns nicht, beide Uebersetzungen als frisch und verdienstvoll anzuerkennen, Schmidt ist etwas knapper im Ausdruck, Capelle etwas ausgiebiger — am besten man schafft sich beide Uebersetzungen an, vergleicht sie mit einander und mit dem Urtext — das wird dem Feinschmecker hohe Genüsse bieten. Der Kenner der Bibel, des Talmuds und der Midraschim wird auf Schritt und Tritt Beziehungen zum Judentum entdecken. Mit diesen Zeitaltern und Beziehungen stehen auch zwei römische Kaiser als Schriftsteller in Verbindung: Mark Aurel in seinen ״Selbstbetrachtungen“ und Kaiser Julian in seinen philosophischen Werken. Es ist begreiflich, dass die Herrscher des Riesenreichs, auf die ruhmreichen Zeiten des alten römischen Freistaats zurückblickend, bestrebt gewesen sind, einen Schimmer des Alten zu retten, sich darum dem Zeitgeist mit Bewusstsein entgegengesetzt haben. Mark Aurel hat sein Buch aus lauter Bekenntnissen zusammengesetzt, die er bei Gelegenheit, oft in aller Hast, niedergeschrieben. Um 80 ernster und tiefer ist der Eindruck, den sie bei uns zurücklassen, zumal wir am Anfang eine Kenn- Zeichnung seines eigenen Ich, von ihm selbst entworfen, also eine Entwicklungsgeschichte in Gestalt einer Selbstbiographie haben. So haben wir statt eines kühlen Weltbeobachters im Kaisermantel einen im Lebenskampf stehenden und dem Eidrucke der Welt unterliegenden Menschen vor uns. Darum stehen Männer wie Renan, Schleiermacher, Taine und Maeterlink unter dem Banne seiner Persönlichkeit. Dr. Otto Kiefer in Stuttgart will durch vorliegende Uebersetzung etwas Lesbares und doch dem Urtext ohne sklavische Kleinlichkeit Wiedergebendes bieten, ausserdem durch die Einleitung dem Mangel einer Würdigung dieses Buches in weitestem Sinne abhelfen. Das ist dem Herausgeber denn auch in vollem Masse gelungen. Da gerade in neuester Zeit die Frage ״Rabbi und Antoninus“ wieder stark die Geister bewegt, muss das

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