Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 1. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/6492408-6582235-8773739--3954-4859002- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
37 Dr. Carl V 0 g 1, Spinozh, A s m u 8 , Kaiser Julians p Dürr. 222 S. Leipzig und Diederichs in Jena Die Ethik. 148 S. Mk. 1.— »hilosophische Werke. Leipzig, C. Gebhardt, Theol( gisch - politischer Traktat von Spinoza. Leipzig, Düxr. Das Handbüchlein des Epiktet in zwei Auflagen! Kröner in iahen ihre planvollen Reihen bedeutender Denkerscbriften mit diesem alten Sittenbuch geschmückt. Der alte Römer Epiktet, um 50 n. Chr. in Phrygien geboren, Sklave in Rom, dann freigelassen und do;h kein Libertin, sondern ein Schüler der streDgen Stoa, wird 94 1ach Nikopolis verbannt. Epiktets Schüler Arriau hat das ״Handbüchlein“ und die ,Unterredungen“ (von deren S Büchern wir nur 4 besitzen) zusammengestellt. Es ist ein gutes Zeichen, wenn unsere Zeit gerade auf den ernsten oft wie ein Zeitgenosse erscheint. Dass ihn die ersten Christen zju den Ihren gezählt haben, ist kein Wunder, wenn man die vieler Berührungspunkte mit dem Judentum, besonders den llabbinen bedenkt. Beide vorliegende Ausgaben haben lichtvolle Einleitungen; die von Wilhelm Capell ist umfassender. Wir sehen, wie die Welt- Weisheit zur Sittenlehre wird, wie die Notwendigkeit eine Lehre der Entsagung, im besten Fplle der Anbequemung an den Weltlauf hervorbringt. Dass diese Lehre die verschiedensten Zeiten, dass sie Spinoza (und demnach auch Göthe) beeinflusst, liegt in ihrer befruchtenden Kiaft. Ihrer Entsagungslebre liegt ein starkar Lebenstrieb zu Grunde — sie will die Menschheit zum Streben bringen, (in diesem Triebe liegt schon die Gemeinsamkeit der Beziehungen zwischen ihnen und der Thora). Dass man aus ihnen auch Lehren leidender Weltentsagung ziehen konnte, ist begreiflich. Ihrem Wesen aber entspricht das Männliche, das Tatenkräftige. Wir werden i i Kurzem auf die Beziehungen der Stoiker zum Judentum in einer besonderen Arbeit zurückkommen. Zum Verständnis derartiger Betrachtungen werden die beiden Uebertragungen des Epiktet s eher beitragen. Zum Zeichen, dass wir sie genau gelesen, mögen hier einige Bemerkungen folgen: Ob 0pp7j mit Recht von Capelle als ,unser Handeln“, von Schmidt als ״unser Tun“ übersetzt wird, da doch der alte Simplicius es mit tö 7rp01Epa t?(j xivrjpaio erklärt, worunter die Alten opjx-ij und ct׳f0ppr( verstanden? Es kaun hier nur von Antrieben, impetus, nicht von Taten die Rede sein, da doch diese nicht i׳S 7,[uv sein, können. Demnach darf man TjuiTEpa Ep׳,־« hier auch nicht mit Capelle ״all unser Tun, das ron uus ausgeht־ übersetzen, sondern richtig mit Schmidt ״Alles, was von uns selber kommt“, quasi animi nostri actiones, wie ein alter Herausgeber deutet. Nach oüosi'j ae sagt Epiktet nach ou<׳* yäp jftaßspcv 11 rce!3rj, was wie eine