Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 33 (1911)
- Issue
- 1. Heft. (1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Selbst die zehn Gebote obwohl moralische Forderungen enthaltend, seien nicht als sittliche Gesetze zu betrachten, sondern als politisehe, die rein äusserlich erfüllt werden sollten. Es seien keine Ansprüche an die Gesinnung gestellt. Die Bibel verheisse für die Erfüllung dieser Gebote absichtlich und ausdrücklich nur irdischen Lohn. Der Gedanke an die Unsterblichkeit, ohne den’wahre Religion unmöglich sei, sei bewusst beiseite gelassen. Das religiöse Endziel ist wohl der Messianismus, aber auch dieser sei nur politische Zukunftshoffnung Israels. Selbst die überwältigende Geschichte des Judentums, ein Beweis so ungewöhnlichen Geistes und Kraft, bestätigt Kant nur die Wahrheit, dass eine Religion, die sich auf schriftliche Urkunden stützt, an ersten vnr der Gefahr der Auflösung geschützt sei. Nach seiner Anschauung vom Judentum sieht Kant auch in der grossen Erneuerung und Umgestaltung des jüdischen Bewusstseins, die sich vor seinen Augen vollzog z. B. in Mendelssohn’s ,Jerusalem“ sieht er, trotz gerühmter jüdischer Geistesfreiheit, nichts als ein Werk taktischer Klugheit. Kant rät den Juden die Moral des Evangeliums anzunehmen.2) Sie sollen endlich einmal zu religiöser Sittlichkeit und folglich neuer Religion gelangen. Erklärt sich hier die judenfeindliche Haltung aus missverstandenen, philosophischen Gründen, 80 ist sie verständlich. Oft liegen andere Gründe vor. Heinrich Stuhrmann lässt sich z. B. in seinem ,Schwert und Kelch“ also vernehmen: ,Wer besitzt, leitet, beeinflusst die Presse? Das jüdische Kapital. Genussucht, Mamonismus herrsehen. Wer sind die Hauptvertreter? Juden. Ich führe einen gewiss einwandsfreien Zeugen an. Im israelitischen Familienblatte las ich einige ernste Betrachtungen über jüdische Luxusneigungen, die ein rechter Bussspiegel sind.’) Es heisst dort: ,Gestehen wir ף Im Aufklirungszeitslter urteilen viele Juden, wie David Friedlander und seine Gesinnungsgenossen nicht viel anders; auch heute werden über die Sondersatzungen des Judentums ähnliche Urteüe abgegeben, und der Parteienkampf dreht sich zum Teü um sie. Dagegen hat der Zionismus, das wird Jeder hier zugeben, einen Teü der hier ausgesprochenen Vorwürfe als neuen Ruhmestitel für das Volk Israel betont Dass die schriftlichen Urkunden die Religion wahren, hören wir bei Kant mit Vergnügen. Zu gleicher Zeit ist Herder dem Judentum und seinen Quellen zum grössten Nutzen für die Erneuerung einer deutschraterlindischen Literatur mehr gerecht geworden und hat auch durch sie auf M&nner wie Göthe eingewirkt. (Red.) *) Das sollte für jüdische Zeitungen und Redner eine Mahnung sein, nicht ohne sehr gewichtige Gründe in diese Fragen einzugreifen, nur wenn wirklich