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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1911-01-01 · 1. Heft. (1911) · p. Seite 12

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
33 (1911)
Issue
1. Heft. (1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Eine grosse Anzahl Druckschriften sind hier durchgearbeitet worden, soweit sie sich für das Thema eignen. Vollständigkeit ist dabei nicht beabsichtigt worden; die Zusammenstellung ist lückenhaft, wie jeder Versuch. Dagegen kam es mir auf typische Beispiele an. Ich hahe das Material in drei Gruppen unterschieden f 1. Urteile, die feindlicherweise gegen uns gerichtet sind, 2. solche, die weder ein ausgesprochenes Für noch Wider bekunden, 3. solche, die ohne jede Einschränkung für Juden und Juden tum in seinem ganzen Umfange einsetzen und für dasselbe als Staat, Religion und Rasse Partei ergreifen. - Die erste Gruppe hat einen antisemitischen Beigeschmack, d. h. zum Teil. Sie kämpft mit Waffen seltsamer Art, mit Vorwürfen, die w'issenschaftlicherseits längst widerlegt sind, und vermengt Rassenhass, Klassenhass und Religionshass. Teilweise wird man an das Mittelalter erinnert, wo in Deutschland, Frankreich, Spanien und Portugal Religionsgespräche zwischen Juden und Christen, besonders Theologen gang und gäbe waren. Meist waren freilich die Juden in der Defensive. Die mittelalterliche Kirche hielt die Fortexistenz des Judentums für eine Gottesleugnung, für einen Trotz, den man durch gelehrte Disputationen zu brechen hoffte. Die Juden kamen bald hinter die Absicht dieser Taktik und traten aus dem Verteidigungszustände heraus. Sie ergriffen die Offensive, polemisierten mit allen Waffen des Geistes und Wissens, Spott mit Spott, Angriff mit A; griff erwidernd. Da die gutgeschulten Juden in talmudischen Dingen begreiflicherweise die Oberhand hatten (man stellte nur die schlagfertigen, witzigen Meister hebräischer Dialektik ins Vordertreffen) 80 war die Folge, dass bald das Disputieren mit Juden verboten wurde. Heftiger begann der Streit, als sich ehemalige Juden unter den christlichen Geistlichen befanden. Diese ganze Art des Kampfes hat hüben und drüben eine Apologetik gezeitigt, die im Laufe der Zeit zu einer unabsehbaren Bibliothek angewachsen ist. Mein zweiter Vorginger im Preussisch Stargarder Rabbinat, Lesser, hat auch eine Auswahl christlicher Urteile über das Judentum gesammelt. Aber es waren zumeist die anerkennenden Urteile. Neu ist deshalb m. E. nur der Weg der Verfasserin, dabei auch die absprechenden Urteile zu bringen und damit zu beginnen. Unsere Leser werden durch den herben Ton, den diese zuerst gebrachten Urteile an sich haben, sich gewiss nicht abgestossen oder (je nachdem) gehoben fühlen, da zunächst die Auffassung der Verfasserin so wenig wie die unsere darin zur Geltung kommt (Red.)

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