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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1911-01-01 · 1. Heft. (1911) · p. Seite 11

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
33 (1911)
Issue
1. Heft. (1911)
Date
1911-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 Jaden and Judentum ln den Erinnerungen christlicher Männer, besonders Theologen. Von FrL Dr. Samter in Berlin. Die bisherige Methode, das Judentum ins rechte Licht zu setzen, seine hohe, religiöse, ethische, geschichtliche Bedeutung aller Welt ins Bewusstsein zu rufen, war die, die Juden selbst darüber sprechen zu lassen. Mit Fug und Recht. — Man konnte, wenn ein möglichst getreues Bild gegeben werden sollte, es nur erwarten von denen, die die Wesenheit des Judentums und die Jmponderabilien seiner Eigenart von Kindesbeinen an gewissermassen unbewusst und dennoch in seiner ganzen Tiefe in sich aufgenommen haben. Das Judentum mit seinen Riten und Dogmen, seinen religiösen und ethischen Forderungen muss sich ihnen so selbstverständlich eingepragt haben, wie die Muttersprache! So leicht und sicher, wie das Kind mit den Jahren die Sprache seiner Umgebung spricht, die Feinheit der Nüancen anwendet, ohne darüber Rechenschaft ablegen zu können, wie es zu dieser Kenntnis gekommen, so muss derjenige das Judentum von frühester Jugend in sich aufgenommen haben, der sich später ganz als Jude fühlen soll. Und ein solcher Jude wird, wenn noch Gelehrsamkeit und Studium sein natürlich entwickeltes, religiöses, ethisches Gefühl steigern, und wenn er besser als der ungelehrte Jude die Tiefen und Schönheiten erkennt, die seine Religion und Geschichte in sich birgt — ein solcher Jude wird dann vermöge seiner gründlichen Kenntnis der Geschichte seines Volkes von dessen Wesenheit ein Gemälde entwerfen können, das nicht nur an der Oberfläche haften wird, sondern kraft der Liebe, die in ihm wirksam geworden ist, in den Untergrund der jüdischen Seele hinabsteigt. Auch um fremde Völker zu verstehen, ist Jntuition die wichtigste Voraussetzung. Ab9r den Bekennern, die aus dem eigenen Lager kommen, hat mar christlicherseits, gerade, weil auch die Liebe zum angestammten Volke aus ihnen spricht, Misstrauen entgegengebracht. Auch daran mag etwas Berechtigtes sein, insofern Liebe nicht objektiv ist. In Folgendem ist hun der Versuch gemacht, die Beantwortung der Fragen nach dem Werte des Judentums Christen zu überlassen.') l) Aach früher sind Jellinek'sche ״Toleranzbuch“ schon Versuche dieser Art gemacht worden, wie im aus den Zeiten des wütendsten Antisemitismus.

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