Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 32 (1909-1910)
- Issue
- No. 11 u. 12. (1909/10)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6492408-8773722-8773735--3897-4858948- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 182 hinzuweisen (die ש;י הזכה von Bababathra). Diese Angaben hätten das Bändchen nicht sehr belastet, wohl aber den Zweiflern gegenüber der Geschichte der Stammväter bis zur Gesetzgebung und den weiteren heidnischen Verhältnissen nach dem Berichte der Bibel die rechte Bestätigung verliehen. Das wäre die rechte Waffe gegen die neuesten Wissenschaftler und gegen so manche Versuche, die Glaubwürdigkeit der Bibel zu entkräften. Ueberzeugend wirken die Tatsachen, welche Funk anführt, um in der nachmosaischen Zeit Spuren von Satzungen zu entdecken, welche später im Talmud als rabbinische Verordnungen erklärt werden. Wir fügen diesen Zügen hinzu: Den Besuch Sauls bei der Zauberin von Endor, wo man das Händewaschen vor der Mahlzeit angedeutet findet. In Jeremia heisst es: ״Wenn du dich mit Seife gäschst, und Lauge mehrst, כתם: (wie wir es erklären) mit Flecken bezeichnet bleibt dein Vergehen.“ Nun sind in den Niddavorschriften כתמים Flecken erwähnt, deren Entfernung (durch scharfe Spezereien, darunter auch Seife und Lauge gehören) geboten, was als rabbinische Verordnung gekennzeichnet wird. Trotzdem kennt sie Jeremias. (Bei dieser Gelegenheit fragen wir, woher (S. 20) die Beförderung von Lasten aus dem Haus auf die Strasse als rabbin.sch gelten soll? Der Talmud, dessen Standpunkt Funk doch kennzeichnet, erklärt es nicht so. Es muss heissen: Es sind Deutungen der mündlichen Lehre, Welche die Propheten bestätigen. Und das hat Funk sicher auch gemeint). Mit scharfem Blick hat Funk die Ausgrabungen von Elephantine und die dort gefundenen Papyri benutzt, um die Hilchoth Taanith aus den Andeutungen dieser Urkunden abzuleiten. Oder er kennzeichnet die Uebereinstimmung der Ehegesetze mit der rfalacha. Ich vermisse hier die *vyyQayij des Tobiasbuches; bei der Behandlung des Sabbaths die im Jubiläenbuche angegebenen Sabbatharueiten, deren Verbote z. T. mit den talmudischen übereinstimmen. י Dann führt uns Funk nach Babel und belegt mit ezechielischen Stellen, in Verbindung mit altbabylonischen Priestersatzungen, so manche talmudische Anschauung; aus Ezekiel leitet er die Synagogen mit ihren Vorträgen ab. Aus Jesaia 56 Sabbathüberlieferungen. Ezekiels Tempelbild ist der Vorläufer der Ordnung Kodoschim. Die letzten Propheten bringen halakhische Bilder und halakhische Fragen, reden gern in Rede und Gegenrede, woraus sich die Möglichkeit prophetischer Tempelüberlieferungen ergibt, von der schöpferischen Prophetentätigkeit auf gesetzlichem Gebiete. Die Wirkungen der Esrazeit bringen Verfasser zum äusserst begreiflichen Nachweise, dass die Synagoge Magna mit ihren 85 Mitgliedern geschichtliche Tatsache sei. Nimmt man für jeden Stamm 7 Männer, so gibt es 84, also mit dem notwendigen ״Ungeraden“ 85 Personen. Bass Verfasser Sirach nicht übersehen würde, war selbstverständlich. Dass im Sirach der Handwerker vom höheren Amte ausgeschlossen, die niedere Arbeit also im Lehrhause nicht hoffähig erscheint (S 41, 42), ist, wie Funk hätte erwähnen müssen, auf griechische Einflüsse, auf Plato, Aristoteles zurückzuführen. Das Judentum, wenn es s;ch getreu blieb, schätzte, wie die Sprüche Salomons beweisen, wie der Talmud bekundet, wie die Stellung der Weisen als Handwerker uns zeigt, die Arbeit, den Ackerbau, wie das Handwerk mit Bewusstsein. Es hat inmitten einer Zeit, welche die Arbeit dem Sklaven zu wies, sie zur ■Sache des freien Mannes gemacht. Funk hat ein Beispiel soferischer Schrifterklärung angeführt. Maasser scheni 101u—״. Woher weiss er das, dass dies ein soferisches, d. h. altes Stück ist? Dazu bedurfte es des Hinweises durch Dr. Hoffmann in ,,die erste Mischna“ und meiner Nachweise in ״Maasser scheni“. Der Hinweis darauf hätte seinen Worten eine stärkere Bestätigung verliehen. Und hier komme ich zu einer Bemerkung, welche mir pro domo notwendig erscheint. Funk behandelt Pharisäer und Sadduzäer, ohne die Ansicht auch nur zu erwähnen, dass mit ihrem Kampfe das Werden der Mischna zusammenhängt; behandelt Hillel und Schammai uni ihre Nachfolger, ohne den nationalen Geist in den Schammaiten und den mehr geistig-gesetzlichen Standpunkt der Hilleliten zu erwähnen. Andererseits suricht er von den tannaitischen Gedächtniskünstlern, ohne anzuführen, dass eine Sonderquelle der Mischna noch heute gedächtnismässig in verschiedener Art von Reimen, Begriffsverschränkungen, alphabetischen Zeichen, biblisch geordneten Halakhareihen vor uns liegt. Bei der Reihenfolge der Ordnungen vermisse ich die Angabe, dass Gebiete versetzt sind, wie Berakhoth, das aus Moed stammt und begrifflich zu Moed gehört. Dass die Speisegesetze zu Kodoschim gehörten, liegt in dem Begriffe der Schechitah als Opferung, wa£ sich an die vorausgehenden Traktate schliesst, und in der Notwendigkeit, die Beschaffenheit der Öpfertiere festzusteilen, wie auch die der Gaben an die Priester von Chullin. Daraus ergibt sich alles Uebrige. Der agadische Grund dafür kommt erst in zweiter Linie. Dass schon vor Hillel eine Mischna vorhanden war, erwähnt Funk, ohne anzugeben, dass es die gegensadduzäische gewesen und dass diese Quellen entdeckt sind. Die Aneinanderreihung nach Zahlen etc. ist auch noch z. T. dieser Quelle Vorbehalten gewesen. Dass d e Mischna selbst aus vorh lielitischen Anfängen ihre Ordnungen angibt, habe ich bei deren Erwähnung auch vermisst. Dass ursprünglich nur Ordnungen und noch keine Traktate abgeteilt waren, erwähnt Verfasser. Gelegentlieh des Buches Ester war anzugeben, dass die Uebereinstimmung der Halakha (nicht nur der Aga da) mit hellenistischen Quellen festgestellt ist; dass es halakhisch wie agadisch jerusalemische und alexandrinische Quellen gibt, die zur Kennzeichnung der Mischna und ihres Geistes zu benutzen sind. Uebrigens hat Verfasser der Hagada einen übermässig grossen Raum gegönnt. Dem bo bajotn verdanken wir n cht nur Edujoth, sondern viele erkennbare Halakhareihen der Mischna. Was R. Nathan’s A^ischna anbelangt, so ist sie nicht spurlos verschwunden, hat vielmehr in Aboth de Rabbi Nathan ein Tössefta-