Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 32 (1909-1910)
- Issue
- No. 11 u. 12. (1909/10)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Von einer ״Geschichte der heiligen Schriften“ in Hupfeld’s und Reuss’ Sinne will Vf. bei der Fülle der heutigen Richtungen nichts wissen, da eine Uebereinstimmung auch nur der Führer dabei nicht möglich ist. In weiten Umrissen zeichnet er die Entwicklung der Wissenschaft bis auf die Neuesten; wir erfahren, dass die streng offenbarungsgläubige Richtung an keiner Universität mehr einen Vertreter habe — Strack und seine Genossen sind also, auch von der Ueberlieferung abgerückt. Nach einer eingehenden Darlegung der Tora und ihres Inhalts (soweit es geht unter Festhaltung der Zeichen J E D und P) kommen die eingehenderen Einleitungsfragen. Zu der Inhaltsangabe lasser sich folgende Bemerkungen machen: Ganz Leviticus erscheint uns als eine grosse Weiherede des Stiftszeltes, daher Exodus 39—40, Lev. 8—10, Num. 7,8 dasselbe Ereignis fortlaufend darstellen, alles Dazwischenliegende z. T. Vorbereitung, z. T. Ausführung ist, z. T. die Weihe selbst mit den gelegentlich dabei gegebenen Satzungen, den Opfer-, Reinheits- und Heiligkeitsgesetzen darstellt. — Der Anhang Lev. 27 soll den düsteren Eindruck der Strafandrohung 26 mildern, ausserdem aber auf die Zählung des Volkes Anfangs Numeri hindeuten, die gleich der Zählung im Exodus ebenfalls (wie Ende Lev.) mit dem Halbschekel zu tun hat. Derartige Verbindungslinien sind mehrfach zu merken und deren kurze Angabe würde das Ganze als innig zusammenhängend noch mehr emporheben. Die Bibel hat aber auch ihre eigenen Aneinanderreihungsgesetze, deren Erkenntnis von denen der Mischna abhängig ist (der Rückschluss ist hier sehr berechtigt); so wird der Anschein der Verwirrung und Regellossigkeit durch tieferen Einblick gemildert oder beseitigt. Und da die Frage: Einheit oder Vielheit der Quellen? durch die Zusammenhangsfrage vielfach bedingt wird, so würde die Genauere Erforschung der schriftstellerischen Gewohnheiten der alten Israeliten besonders nach der eite des Zusammenhangs hin der Einleitung im Ganzen sehr wichtig sein. Die Geschichte der Kritik mit Zusammenstellen einzelner Ansichten beschliesst Strack mit Klostermann, dessen massvoller Stellung und vorsichtigem Vorgehen er gewiss Zustimmung bietet. Hat doch Klostermann in der Folge Männer wie Möller zu selbstständigen Forschungen bez. des Pentateuchs und der Propheten angeregt. Sehr anzuerkennen ist die eingehende ״Literarische Analyse des Hexateuchs“, und zwar zuerst P (mit H), dann H insbesondere, (Lev. 17 ff.) dann D, darauf J, und E unter Preisgebung von J1. Js. J3 oder der verschiedenen E. Dann bietet er den ״Sprachgebrauch der 5 Quellen“ — eine bis ins Einzelne gehende mehr als fleissig; und fleisserweckende Arbeit. Nun bietet Strack aber seine Gegengründe gegen die herrschenden Ansichten. Er benutzt dabei besonders die von Hoffmann (und nach inm von Möller) gebotenen Gegengründe, sodass er die nachexilische Abfassung von P. zurücl;weist. Bez. des Dt. stellt sich Straak durchaus nicht auf den Standpunkt, dass es älter sein müsse als P; mindestens H hat ausser dem Bundesbuche zu den Quellen von D gehört. Mit H aber rückt Pc auch weiter gesch chtlich nach oben. Von einer Wiederherstellung des Offenbarungsglaubens ist also auch bei Strack keineswegs die Rede. Der Pentateuch ist ihm Merischenwerk; die einzelnen Teile desselben mögen älter sein, als sie Wellhausen und seine Schule annelimen — eine Einheit bilden sie nicht und auf Moses können sie auch nicht zurückgeführt werden. G;nug, wenn Esra nicht Q oder P. allein, sondern den ganzen Pentateuch zur Verlesung gebracht hat. Wie sich auch diese massvoileren Anschauungen zur religiösen Ausübung im Leben verhalten, das habe ich im Nachtrage zu meinem ״Zurück zur Bibel!“ (1903, Poppelauer) behandelt. ״Für die Auslegung ist es, wenn man nur den Propheten als solchen gelten lässt, von unwesentlicher Bedeutung, welcher Zeit er angehört.“ Dieses Wort Delitzschs eignet sich Strack an. Jeremia ist ״aus den zu des Propheten Lebzeiten schon vorhandenen Sammlungen wahrscheinlieh bald nach dem Tode des Prophete n zusammengestellt worden.“ Aus dem frühen Vorhandensein einer Mehrzahl von Sammlungen erklär sich leicht der mehrfach auffällige Mangel an Ordnung. Baruch hat . . . die Reden genau nach Diktat aufgezeichnet, ist aber in den Stücken erzählenden Inhalts freier verfahren.“ Der hebräische Jeremia kann nach Strack aus dem griechischen hin und wieder verbessert werden — ein Weiteres nimmt Vf. nicht an. Um den zweiten Streitpunkt der Neuesten, Hosea, zu erwähnen, hält Strack die Ehegeschichte am Anfang nur für ein B:ld (so darf Hos. 3 von einem anderen Weibe die Rede sein, als am Anfänge), nimmt das ganze Buch fiir echt, erklärt sich auch gegen judäische Einschiebsel. Bez. Joels stimmt Strack mii König überein, er meint, dass man die Zeit nach Josias Tod, etwa die Zeit der Einsetzung Jojakims dem Propheten zuspreche. Arnos nimmt Strack als vollkommen dem Propheten gehörig an, auch den Schlussabschnitt. Die Versuche, in Nahum Alfabetisches zu entdecken, hält Strack für misslungen. Für Joel Nahum Habakuk bin ich selbst in der gleichnamigen Schrift eingetreten, habe vielmehr die Folgen der Ausscheidungen in weitestem Sinne gezeigt. Auch Strack hielt an der Echtheit dieser Bücher fest. Strack bietet ausser den biblischen Büchern äuch die Apokryphen und Pseudepigraphen, verfolgt eingehend die Geschichte der Uebersetzungen und gibt zum Schlüsse ein äusserst eingehendes Schriftenverzeichnis*. (Unsere bibelwissmschaftlichen Arbeiten haben wir darin vermisst). Es ist ein reichhaltiges Mahl, das uns Vf. bietet. Wer dem Geistreicheln abhold ist, überraschende Ergebnisse