Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 32 (1909-1910)
- Issue
- No. 11 u. 12. (1909/10)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 178 — Für diese von uns unentwegt 'erhobenen Forderungen hat das ״Jüdische Literaturblatt“, das müssen uns Freunde und Gegner zugeben, entschieden gekämpft, und manche seiner Anregungen haben sich inzwischen erfüllt. Um nun diesen hohen Zielen weitere Anerkennung zu verschaffen, wird eine Aenderung mit unserem Blatte vor sich gehen müssen. Wichtige wissenschaftliche Arbeiten sollen nicht durch Fort- Setzungen zu sehr zerrissen werden, und es soll uns ermöglicht sein, trotzdem grössere Aufsätze zu bringen. Es kommt noch die Schwierigkeit hinzu, bei meinen so vielgestaltigen Beschäftigungen das Blatt rechtzeitig zu liefern, wobei zur Entschuldigung noch der ferne Druckort beachtet werden muss, der zu grossen Verzögerungen und zu Verschiebungen im Jahrgangszeitraume geführt hat. Aus diesen und anderen Gründen soll aas Literaturblatt aus einer Monatsschrift in eine Vi er t el j ah r ssch r ift umgewandelt werden, wodurch es zu einer Rundschau in höherem Sinne sich erheben wird. Wenn die Z A W nur z w e i m a 1 jährlich erscheint, die Brann’sche ״Monatsschrift“ sechsmal, so wird das ״Jüdische Literaturblatt“ durch eine solche Umwandlung gewiss nichts einbüssen, wohl aber seine wissenschaftliche Richtung weit entschiedener zur Geltung bringen. Mit der nächsten Nummer, die den Jahrgang 1910 11 eröffnet, soll diese Umwandlung bereits vor sich gehen, und die Vor.eile dieser Umgestaltung werden unsern Lesern bald vor Augen stehen. Berlin, im Juli 1910. Die Redaktion. Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal. Biblische und talmudische Einleitungen. ~ (Fortsetzung und Schluss.) Hermann L. Strack Einleitung in das alte Testament. 6. neubearbeitefe Aufläge. Ulli und 256 Seiten. München, Bäk. Hermann L. Strack Einleitung in den Talmud. 4. neubearbeitete Auflage. Leipzig, 3. C. Hinrichs. Ulli und 182 S. 3,20 f׳lk., geb. 4 Mk. S. Funk, Boskowifj. Die Entstehung des Talmuds. (Sammlung Göschen, No. 474) 127 S. 80 Pf. Ehe wir zur Betrachtung der Strackschen Einleitung in den Talmud kommen, haben wir Gelegenheit, seine Einleitung in das Alte Testament kennen zu lernen. Die Form der biblischen Einleitung ist dermassen durch die wissenschaftliche Ueberlieferung bestimmt, dass die verschiedenen bezüglichen Werke sich dem Stoffe nach nicht voneinander unterscheiden können. Der Stoff und demnach auch im Grossen und Ganzen die F o r m ist ge g e b e n. Es handelt sich nur um die besondere Auffassung, welche die betreffenden Verfasser jedesmal, hauptsächlich auch ihrer religiösen Richtung folgend oder diese Richtung von ihrer Auffassung der Bibel ableitend, den gleichen Gegenständen geben. Da ist wissenschaftlicher Gegensatz, da ist Erörterung, da ist demnach stetes Leben und stete Frische möglieh, da Jeder mit seinen Darlegungen nur an das wissenschaftlich schon Vorhandene anknüpfen kann, um dabei nicht stehen zu bleiben. Die erste Auflage dieser Strack'schen Einleitung stammt vom Jahre 1883 — wir haben hier die 6. Auflage vor uns — ein Beweis der grossen Wirksamkeit, welche diesem Buche bestimmt gewesen und geblieben. Im Gegensätze zu Cornill steht Strack dem Befunde der Bibel überlieferungsgläubiger gegen- ,über. Er erkennt ein eigenartiges Eingreifen Gottes in die Geschichte Israels an, Wunder und Weissagungen sind ihm wirkliche Geschehnisse. Er erkennt aber auch an, dass man von anderen Voraussetzungen aus zu anderen Ergebnissen gelangen kann. Nur soll auch die entgegengesetzte Seite nicht wissenschaftliche Unfehlbarkeit una Alleinherrscht für sich beanspruchen. Doch unterscheidet Strack bezweifelbare Ueberlieferungen und das für den Glauben wirklich Bedeutsame. Andererseits kommt es nach seiner Ansicht bei der Kritik nicht auf ein Zuviel und auf ein Zuwenig, sondern nur auf Ja oder Nein an. Doch will er dem Zuviel mancher Forscher warnend sich entgegenstellen. Das hat seine Stellung zu den Ansichten Anderer bedingt. Er hat die bekannten Wendungen der Bibelauffassungen verfolgt und dargestellt, wenn er auch mit seinem eigenen Urteil darüber nicht hervorgetreten ist. Ihm lag daran, den Erörterungsstoff dem Leser zu bieten, aber auch mit dem Inhalte der Bibel ihn bekannt zu machen (er unterstreicht dies manchen anderen Einleitungen gegenüber), dann aucii ein recht reichhaltiges Verzeichnis des einschlägigen Schrifttums zu bieten.