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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1909-01-01 · No. 10. (1909/10) · p. Seite 170

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
32 (1909-1910)
Issue
No. 10. (1909/10)
Date
1909-01-01
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 / Was kann nun für die talmudischen Einleitungswerke vorteilhafter sein, als an der biblischen Einleitung auf ihre Bestandteile geprüft und damit gemessen zu werden? Die Verschiedenheit der Gebiete wird uns gerade dazu bringen müssen, unsere diesbezüglichen Forderungen an die talmudischen Einleitungswerke zu erhöhen, je vielgegliedeter und gewaltiger das von ihnen zu beleuchtende Gebiet ist. Und sollten wir bei ihnen jene Forderungen nicht alle erfüllt finden, so raubt ihnen das nichts von ihrer Verdienstlichkeit. Wohl aber werden ihnen dann neue Ziele gesteckt, der Blick wird auf weitere Arbeitsgebiete gelenkt, und das wird dem wahren Forscher auch dann lieb sein, wenn er selbst davon betroffen wird. Wir sind in der glücklichen Lage, in der CorniH’schen Einleitung ein Musterwerk seiner Art zum Vergleiche heranzuziehen. Es gehört dem bei Mohr erscheinenden Grundriss der theologischen Wissenschaften an, dessen fester zusammenhängender Bau sich in den Werken seiner verschiedensten Gebiete zeigt. Dies Unternehmen ruft den Vergleich mit einem anderen Grundriss wach, der uns näher angeht, aber wir wollen uns nicht zu weit von der Hauptsache entfernen. Ich erinnere mich noch der Zeit, da ich Cornills Einleitung kennen lernte. Ich hatte mich wohl mit den einschlägigen Fragen beschäftigt, konnte aber nicht zu dem Ueberblicke gelangen, nach dem es mich verlangte. Da kam, sehnlichst erwartet, — der Erstauflage musste schnell ein Neudruck folgen, bis dahin blieb meine Bestellung erfolglos — das CorniH’sche Buch. Und ich muss sagen, selten hat ein Buch so auf mich gewirkt. Mit einem Schlage lernte ich nicht nur die Einzelfragen, sondern ihren geschichtlichen Zusammenhang kennen, und ich konnte mir wohl überlegen, welche Steflnng ich diesen Ergebnissen gegenüber zu wahren gewillt war. Ich kann wohl sagen, dass der Eindruck dieses Buches mich noch heute beherrscht, wenn ich einer bibelwissenschaftlichen Neuerscheinung näher trete. Und so erneuerten sich in mir jene Empfindungen, als ich die Neuauflage des CorniH’schen Werkes vor mir liegen sah und durch alle notwendig gewordenen Umgestaltungen die alten Bestandteile und ganz besonders denselben Geist erkannte, der das junge Buch erfüllt hatte. Diese Auflage hat hauptsächlich in sprachlicher Beziehung die bessernde Hand des Verfassers gespürt, sich sonst an die früheren Auflagen gehalten. Und in der Tat ist eine Ver» besserung oft eine Verschlechterung, wenn eine bestehende, meisterlich zusammenhängende Fassung durch zuviele neue Bestandteile zerrissen werden soll. Es ist begreiflich, dass Cornill sich nicht zur Berücksichtigung alles Neubabylonischen verstehen konnte, zumal er Bänsch gegenüber die Berechtigung seiner bibelwissenschaftlichen Anschauungen all’ dem Neuen gegenüber behauptet. Im Laufe der Zeit hat sonst der Verfasser die frühere Anlage vielfach geändert. Statt der Reihenfolge des massoretischen Textes bezügl. der Behandlung der einzelnen biblischen Bücher hat er nun alle geschichtlichen (also Thora, erste Propheten und geschichtliche Kethubim), dann die redenden Propheten mit Daniel, dann die übrigen Kethubim nach inneren Gesichtspunkten geordnet. Für eine Einleitung mag diese Reihenfolge ja ihre Vorteile haben, so sehr die andere das Wesen des geschichtlichen Werdens uns zeigen mag. Die Prolegomena haben in ihrer Behandlung der älteren Forschungsgeschichte eine Kürzung erfahren, die aber trotzdem das Wichtige scharf hervortreten lässt; dagegen sind die neueren Erscheinungen berücksichtigt, wenn auch nicht (das wäre ermüdend) alle angeführt. Zugekommen ist begreiflicherweise §4a ״Hebräische Metrik“; die ״brennende Frage der alttestamentlichen Wissenschaft“. Cornill erkennt die dichterische Reihe, dann den Lowth’schen paralellismus membrorum, wie auch strophische Teile an. Ley mit dem herrschenden Iktus bei gleichgiltiger Anzahl der Nebensilben scheint Verfasser im allgemeinen anzuerkennen, nicht aber Bickell’s auf dem Syrer beruhende Silbenzählung; Budde’s Kinahstrophe, der Ley’sche Pentameter, erscheint in ihrer Bedeutsamkeit und Unleugbarkeit, durch Zimmern und Gunkel wird Ley vollkommen bestätigt (Metrik des Altbabylonischen akzentuierend), während’ Grimme als zu künstlich abgelehnt wird; die Bedenken gegen das Sievers’sche Werk von 1901׳ gibt Cornill auch nach der Abschwächung der Hauptfehler nicht preis und nimmt Duhm als Fortsetzer Ley’s an. Die Strophe erkennt Cornill an, soweit sie sich zugleich mit Sinneseinschnitten deckt. Wir müssen hier Cornills Vorsicht durchaus uns aneignen. Um auf weitere Einzelheiten zu kommen, hat Cornill wohl die Versuche, Deuteronomion gegen de Wette der Josiazeit zu entziehen, bemerkt, aber weder Eichthal, noch Verne, noch Fries, Erbt oder Steuernagel seine Zustimmung geben können. Aber beweist nicht das wiederholte Auftauchen solcher Versuche, dass grosse Bestandteile des Deuteronomion mit de Wette nicht in Einklang zu bringen sind? Jesaia mit seinen Teilen erfährt eine genaue Behandlung. Die Ebed Jahvelieder schreibt Cornill dem Deuterojesaja zu, der Gottesknecht ist Israel. 56—66 wird heute dem Tritojesaia zugesprochen. Sonst bemerkt man, dass Duhm nur 49—55 für deuterojesaianisch hält; 40—48 dagegen sollen älter sein, auch der gleichen Quelle angehörig. Greifen wir zu Jeremia. Duhm lässt Jeremia nur 270 Vierzeiler in 60 Gedichten und dem Baruch nur etwa 200 Verse. 3|־ des Ganzen ist danach

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