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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1909-01-01 · No. 9. (1909) · p. Seite 166

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
32 (1909-1910)
Issue
No. 9. (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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— 166 Eine derartige Zuverlässigkeit eines Textes, dessen älteste Handschrift selbst nach den niedrigsten Schätzungen mindestens zwölfhundert Jahre vom Original entfernt ist, ist wohl ohne Beispiel.“ Der zweite Teil ist den ״Genealogien“ gewidmet. Aus dem wechselnden Sprachgebrauch von halad und hölid haben die Bibelktritiker verschiedene Quellenschriften erschlossen. Unser Autor aber zeigt uns an Hand seiner geistvollen Haupt- und Nebenlinientheorie die festgefügte Einheit, die auch in den genealogischen Aufzählungen vorwaltet. Stünde diese Theorie im Wellhausen, dann hätte sie bereits Schule gemacht. Eine geistreiche Stütze findet in dieser Abhandlung die Tradition bezüglich der ״siebzig Völker“ der Erde. Die runde Zahl ״siebzig“ herauszufinden bietet nämlich viel Schwierigkeiten. Herr Dr. Jakob gibt uns den Schlüssel, indem er Noa und seine drei Söhne\ ebenfalls nicht mitzählt und ist diese Art der Berechnung berechtigt im Hinblik auf die siebzig Geschlechter, Israels, bei denen Jakob und seine zwölf Söhne ebenfalls nicht mitgezählt werden dürfen. Im allgemeinen gelangt der Verfasser zu folgendem Ergebnis: Den historischen Wert der Genealogien hat die historischle Kritik richtig eingeschätzt; wo aber die Forscher irren, das ist der Boden der Literarkritik. Das genealogische chronologische System ist von der grössten Einheitlichkeit und ist eben nur dadurch zu erklären, dass e i ri Autor angenommen wird. Ein Resultat, das jedenfalls die Notwendigkeit einer Revision der Quellenanalyse erscheinen lässt. (Fortsetzung folgt.) Besprechungen. ״Der babylonische Talmud“, textktritische Ausgabe (mit einer Realkonkordanz), vokalisiert, übersetzt und erklärt von Dr. Jakob Fromer. Charlottenbürg 4, Verlag für die Wissenschaft des Judentums. 1910. XX und 38 Seiten. Wir haben ein Probeheft vor uns. Ganz Nesikin würde in dieser Ausgabe etwa 350 Mk., Babakamma allein 72 Mk. kosten; jeder Druckbogen 50 Pfennige. Der obere Teil jeder Seite enthält den Text mit Uebersetzung, und zwar beides stükkweise, sodass auf einen bestimmten Teil die Uebersetzung folgt und dann in gleicher Weise fortgefahren wird. Auf diese Art will Fromer eine Gliederung der Schemaatha erzielen, was ein sehr dankenswertes Vorhaben ist Diese Absicht allein Ist mehr wert als zehn Entdeckungsreisen nach den Unterschieden scriptionis plenae et defectivae. Mit dem im ״Organismus des Judentums“ angeführten Kammastück verglichen, ist das vorliegende um etwa 2 Zeilen (dies ist im ״Organismus“ eine ganze Seite) kürzer. Und diese zwei Zeilen fehlen hier von dem ersten Schemaathastück, das der ״Organismus“ zu ende gebracht hat. Ist das geschehen, um zwischen beiden Büchern einen Unterschied zu lassen? Fromer ist sehr gelehrig. Wie er schon früher den Plan zu seiner Realkonkordanz vielfach geändert hatte, so sind hier gerade die Dinge gefallen, auf welche er im ״Organismus“ sich nicht wenig zu Gute getan. Verschwunden sind die zwei Wortsäulen mit der wörtlichen und sinngemässen Ueber- Setzung, die wir in Uebereinstimmung mit Andern, besonders mit Goldschmidt,*) an dieser Stelle gebührend gewürdigt haben. Im Vorwort sagt nun Fromer: ״Es schien mir notwendig, nicht eher an die vorliegende Arbeit heranzutreten, bis ich mir über aas Wesen des Talmud, über die Notwendigke't und die Methode, ihn der Wissenschaft zugänglich zu machen, vor Allem mir über meine wissenschaftliche und moralische Qualifikation für ein derartiges Unternehmen Klarheit verschafft hatte.“ Ist es nun wissenschaftlich, die ״Geschichte eines Lebenswerkes“ so zu verleugnen, eine Gestaltung, die man Jahre lang als die einzig berechtigte gehalten, aüßugeben, um in etwa einem halben Jahre zu einer Erkenntnis gekommen zu sein, zu der ihn früher Jahrzehnte nicht gebracht harten? ״Sie alle habe ich mir zunutze gemacht.“ Nämlich die lobenden und die tadelnden Stimmen der Kritik. Die Tadler haben an seinem Lebenswerk zumeist Nichts-ganz gelassen. Ich habe ihn wenigstens zu begreifen gesucht. Um sich diesen Stimmen gegenüber zu behaupten, genügt es nicht, kurze Zeit darauf die Rolle des Himmelstürmers mit den Wort- Säulen aufzugeben und ein einfacher Uebersetzer und Erklarer des Talmuds (oder zweier seiner Blätter) zu werden, wie es so viele Erdenbürger schon gewesen sind, und dazu *) S. Nr. 4 und j dieser Zeitschrift. Ij dasselbe Stückchen zu wählen, welches man vorher als |! ״Probestück eines talmudischen Textes“ auf 63 Seiten des ij ״Organismus“ behandelt hat. Gibt es denn Nichts Anderes als babakamma 2,3? Wäre es nicht besser gewesen, sich ' mit Megilla, Roschhaschana und ähnlichen Traktaten zu! versuchen? Der Seder Nesikin, besonders Babakamma erscheint Fromer sehr leicht. Der zweite Abschnitt schon, כיצד הרגל, dürfte ihm manches Bein stellen. Aber das ist - kaum zu befürchten. Denn dass Seder Nesikin oder auch nur Babakamma im laufenden Jahrtausend (es ist nicht mehr lang) erscheinen sollten — das zu glauben ist doch gewiss überkühn. Nun hatte Fromer im ״Organismus“ eine wörtliche j (vollkommen unverständliche) und eine sinngemässe Ueber- : setzung gegeben, die völlig einer umschreibenden Erklärung j glich. Und unten befand sich, (gewissermassen als׳ abi schreckendes Beispiel) die Goldschmidt’sche Uebersetzung. 'י■ Jetzt hat Fromer die wörtliche und die sinngemässe Uebersetzung fahren lassen und eine solche geboten, wie andere Sterbliche sie auch schaffen können. Hat er früher in der Mischna übersetzt ״und der Mabe“, so sagt er nun ״das Abweiden (Mabe)“, was aus Gold- Schmidt ״durch die Abweidung (Mabeh) stammt. 12 לא הדי; hiess .,wörtlich“ Nicht'der Fall des Ochsen wie .1 der Fall des Abweidenden etc. Nun heisst es: ״Nicht ist das Merkmal von Ochse wie das Merkmal von Abweiden“, also Merkmal ist eingesetzt, da doch Gold- Schmidt sagt: ״Die Eigenheit des Rindes gleicht nicht der Abweidung“ (hier ist Eigenheit eingesetzt, dort neuerdings M e r k m a 1). שדרכן hiess früher ״wörtlich“ nicht ״deren Weg“, sondern ״deren Gewohnheit“, wobei Gold- |l Schmidt immer Eigenheit anwendet, und neuerdings Fromer ״deren Eigenschaften“. <*ושמירתן כ wörtlich ״und ihre Bewahrung auf Dir“, neuerdings ״und dass ihre Be- : wachung dir obliegt“, denn Goldschmidt sagt ״deren Be-!' wachung Dir obliegt“. Man wird mir weitere Proben eri: sparen. Ich will es an Fromer nicht -tadeln, dass er das ן j Gut Goldschmidt’s, seines wissenschaftlichen Gegners, bej' nutzt, aber das hätte er am Anfang offen zugeben müssen, ן denn suum cuique, das ist der erste Grundsatz des corpus ן! juris, wie des Seder Nesikin. I! Wenn ich in meiner früheren Besprechung des 1j ״Organismus“ Fromer auf meine Arbeiten über ״Zusammeni hang“ aufmerksam machen musste, wenn ich ihm — und gewiss nicht ihm allein— Gleichgültigkeit gegen Zusammeohangsfragen vorgeworfen habe, so muss ich nun seine Gelehrigkeit und Anpassungsfähigkeit hervorheben. Bei Behandlung der Gemara hebt ׳er hervor: A. Einleitende |i Frage: Wie verhalten sich die Hauptarten zu den Unter- ן arten? B. Analoga: 1) Haupt- und Unterarten den am li Sabbat verbotenen Arbeiten, 2) der Verunreinigungen unter i einander. C. These (R. Papa’s); zur Prüfung von deren 1 Nachsatz: D. Beschädigungen I. durch den Ochsen (״das I Horn“,) a. Unterart: Mit dem Körper, b. Beissen (Verhältr.is zum ״Zahn" Mabeh) c. Sichhinwerfen und Ausschlagen

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