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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1909-01-01 · No. 9. (1909) · p. Seite 165

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
32 (1909-1910)
Issue
No. 9. (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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165 — B. Jakob: Der Pentateuch.*) Von Landenrabbiner Dr. Fuchs, Luxemburg. Im Jahrbuch für jüdische Geschichte־ und Literatur schrieb seinerzeit der selige Karpeles: ״Eine eigenartige Stellung nimmt unter len jüdischen Forschern der grundgelehrte B. Jacob ein, dessen exegetisch-kritische Forschungen über den Pentateuch der modernen Bibelkritik mit wuchtigen Argumenten scharf zu Leibe gehen.“ — Da die jüdische Wissenschaft gerade auf bibelkritischem Gebiete arm ist, konnte man erwarten, dass des gelehrten Göttinger Rabbiners Buch über den Pentateuch von vornherein freundliche Aufnahme finden wird. Unbegreiflicherweise oder sagen wir lieber begreiflicherweise, alle Felder unserer Wissenschaft Werden bebaut, nur das biblische nicht. Letzteres Hessen wir uns, ohne grossen Widerstand zu leisten; von den christlichen Theologen fortreissen. Dieser Umstand ist der gelbe Fleck an der Toga unserer Wissenschaft — das ghettomässige an ihrem Neubau. Jacob’s ״Pentateuch“ versucht das verlorene Geriet zurückzuerobern. Seine Rüstung stammt aus dem Arsenal Hugo Winckler’s, so erfahren wir aus der Einleitung. ״In dieser formalen Ausprägung (es handelt sich um die den Pentateuch beherrschenden Ideen) wird man eine gewisse Verwandtschaft mit der ״Weltanschauung“ erkennen, die besonders H.I Winckler**) mit Nachdruck für Babylonien, alsdann aber auch für die ganze Welt in Anspruch nimmt, die Anschauung, dass alles Irdische ein Abbild vom Himmlischen ist und sein soll.“ Zur näheren Beleuchtung dieser an und für sich ungewöhnlichen Auffassung sei hier kurz folgendes hervorgehoben: Die Vorstellung von einer ״prästabilierten Harmonie“ ist die Grundlage jeder altorientalischen Weltanschauung. Alles irdische Geschehen und alle irdischen Dinge sind in himmlischen Vorbildern vorgezeichnet, im Cod Hamurabi wird erzählt, dass der Tempel von Sippar — gemäss dem himmlischen Tempel erbaut wurde. Eine Sanherib-lnschrift berichet, dass der Stadtplan von Ninive in einem himmlischen Modell seiren Ursprung habe. Landau fand eine phönizische Inschrift, in der die Bezirke der Stadt Lion nach der Teilen des Kosmos benannt sind. Beim Bau der Stiftshütte wird der Bauplan, die Tabnit, der siebenarmige Leuchter von oben her vorgezeichnet. Ezekiel spricht auch von einem Plan des jerusalemischen Tempels, der nach himmlischem Urbilde angefertigt wurde. Der Berg Zion erscheint in der Sprache der Psalmen und Propheten als ein Abbild des göttlichen Berges, der den Nordpunkt des Weltalls bildet. Die Stufen zum Tempel entsprechen den Planetenstufen, die Säule Jakin und Boaz repräsentieren zwei Punkte des Sonnenkreislaufes. Das eherne Meer, von den zwölf Stieren getragen, ist ein Symbol für den Tierkreis. Der siebenarmige Leuchter ein Symbol für die sieben Planeten. Wer diese Weltanschauungstheorie Wincklers, unseres geistreichen Kulturhistorikers kennt, der muss mit regstem Interesse an Jacob’s Studie herangehen. Schon der erste Schritt bringt uns ein Novum von grosser Tragweite, chronologisch, wenn man so sagen dürfte, wird die theologische Grundlage der ״Erbsünds“ zerstört. An Hand chronologischer Ausführungen zeigt der Autor, dass Genesis 8« nicht im Allgemeinen von Menschen spricht, sondern nur von Adam, und darum ist nur die einzige' Uebersetzung möglich : Ich will den Acker nicht mehr verfluchen um Adams willen, denn das Dichten des Herzens von Adam war böse von seinem Erwachen an. Wer den locus classicus für die Lehre von der Erbsünde so zu interpretieren versteht, dem vertrauen wir uns gerne auch für weitere Exkursionen an.***) Welches sind die Hauptmomenie und Höhepunkte der biblischen Religionsgeschichte? Wie finden wir das Kriterium zur Lösung dieser Frage? Der Verfasser gibt uns das Kriterium an die Hand in Form der Zahl vierhundertunduchtzig. Mit Hilfe dieser Zahl erfassen wir den Zusammenhang zwischen den fünf Hauptmomenten, als welche erscheinen 1) Die Schöpfung und Pflanzung des Paradieses, 2) Henoch’s Entrückung, 3) Turmbau zu Babel, 4) Bau des Stiftszeltes, 5) Bau des feststehenden Heiligtums, in welchem die ganze Menschheit in der Anbetung des wahren Gottes sich vereinigen soll. Dieser Bau wird errichtet zveimal vierhundertundertundacntzig Jahre nach dem von Gott gemissbilligten Versuch der Urmenschheit, einen Turm, der bis in den Himrtiel reichen und alle Menschen um sich vereinigen soll, zu bauen. Als das gemeinschaftliche Motiv in all diesen Marksteinen der biblischen Religionsgeschichte erscheint das Bestreben, Gott auf die Erde oder den Menschen in den Himmel zu versetzen. Aehnlich wie (bere ts erwähnt,) unser Autor am Eingänge seines Buches die missverstandene Bibelstelle von der Erbsünde mittels eines chronologischen Kriteriums fortfegt, so fegt der erste Teil dieses Werkes ״Die Chronologie“ benannt, den Zweifel an der Zuverlässigkeit des massoretisehen Textes fort. Das ausgiebige Resultat dieser chronologischen Untersuchungen hat uns einen neuen festen Punkt geschaffen, von dessen Höhe aus die Angriffe auf die Treue der Textüberlieferung erfolgreich zurückgewiesen werden können. Auch die beiden Uebersetzungen, die Septuaginta und der Samaritaner werden durch diese chronolo gische Studie, wie auch durch die folgenden Abhandlungen auf ihren richtigen Wert eingeschätzt. Mi: wohlbegründeter Begeisterung schliesst der Autor den ersten Teil :״Jede einzige Zahl ist genai so erhalten, wie sie aus der Feder des Verfassers kam! *) Wir haben eine eigene Arbeit üb£1 Später werden wir mit unserer Auflassung über gesehen von dem, was uns wissenschaftlich von 1 **) Wir behalten uns auch eine Kenn ״**) Uns scheint hierin Vorsicht gebo c 1 I m r obigen Gegenstand zurückgelegt, um Dr. Fuchs das Wort zu geben* e Arbeiten Jakob’s kommen, den auch w i r bekanntlich schätzen, abn unterscheidet. (Red.) Zeichnung Winkler’s vor. (Red.) en. (Red.) 1

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