Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 32 (1909-1910)
- Issue
- No. 9. (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
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163 Betracht ungen über Hosea. (Schluss) Oder hatten sie die Hoffnung und durften sie nicht äussern, um ihr Zeitalter nichtin unberechtigte Aussichten einzuwiegen? Welch kleinliches Vorschlägen, um einen höheren Preis zu erzielen! "־J "־■־־" י'“־■' J Prophetentums, diese Bilder der Zukunft? em Tage Und es wird sein an jenem Tage, Dass ich willfahre, spricht der Herr, Willfahre dem Himmel Und der willfahrt der Erde, Und sind sie so unwürdig des Für sie schliess ich den Bund an jert Mit des Feldes Gewild, Mit des Himmels Geflügel, Mit der Erde Gewürm Und Bogen, Schwert und Krieg י Und die Erde ist willig Zerbrech ich — fort vom Landl Mit Most und Korn und Oel, Und lass sie sicher ruhen. Die Jesreel sich bieten. Das vorher dem Lande zur Strafe Genommene wird als Ergebnis der Besserung ihm zurückgegeben — einfacher kann ein Gedankengang nicht sein. Und betrachtet man das als Vergröberung des hehren Prophetentums? Das ist wieier offenbarungsmässiger gedacht, als die Offenbarung selbst. Dass jeder Bauer Sonntags sein Huhn im Topfe habe, war nicht »der schlechteste Wunsch Heinrichs IV. Gerade unsere Zeit ist zur Lösung wirt;chaftlicher Fragen zurückgekehrt und will dem Menschen das Diesseits nicht mehr verkümmern. Welche Zukunft soll der Prophet dem Volke denn bieten, wenn nicht die des allgemeinen Glückes, auf Gottinnigkeit und Sittlichkeit beruhend? Und wie weit unterscheiden sich die ländlichen Zukunftsbilder eines Arnos und Hosea von jenen die geistige Zukunft umfassenden eines Hesekiel, von jenen v'eltumfassenden Hoffnungen Jesaia’s! Die Ergänzer hätten äusserst geschickte Menschen sein müssen, um im Hosea so hoseanisch, im Arnos so dem Arnos gemäss ihre Zusätze zu machen. So hat kein Ergänzer eines Schillerschen Demetrius gearbeitet — diese Ergänzer mussten eben Arnos und Hosea selbst sein, um sagen zu können: O kommt, lasst uns zum Herrn uns werden! Ich werde gleich dem Taue sein Er schlug uns Wunden und er heilt sie wieder, , ׳ Für Israel, Hat uns verletzt und er verbindet uns. Er gibt uns nach zwei Tagen Leben, Er richtet uns am dritten Tage auf, Auf dass vor seinem Angesicht wir leber Wir wollen lernen nach Erkenntnis streb Des Ewigen, so wie der Morgen sicher Den Ausgang hat — und wie der Regen Wird er uns nahn, gleichwie der später^ Regen Die Erde tränkt kommt, Es wird gleich Lilien sprossen Und Wurzeln schlagen gleich dem Libanon. Weit streckt es seine Ranken aus, Dem Oelbaum gleich an Lieblichkeit Und duftet wie, der Libanon. Es kehren wieder, Die unter seinem Schatten ruhn, Sie bringen Korn hervor, Sie sprossen gleich dem Weinstock, — Sein Name gleich dem Wein des Libanon. Wo hört man diesen Ton zum zweiten Mal? Ist das die Sprache Hesekiels und des zweiten Jesaia? Und was lag den Ergänzern daran, so ländliche und mässige Bilder des Zukunftsglücks diesen Büchern anzufügen, wenn der zweite Jesaia deren so gewaltige und so umfassende bot? Gehen diese Stücke auch nur im geringsten über den Standpunkt der israelitischen Landschaft hinaus? Sollten die Erforscher der Entwicklung nicht finden, dass die Hoffnungen eines Arnos, eines Hosea ganz andere seien, als die der nachexilischen Zeit? Und noch eins! Sind diese hiizugefügten Stücke weniger echt, als jene echten? Und auf wessen Haupt ergiesst sich nun der ganzu Glanz, der von diesen Hoffnungsdichtungen ausgeht? Duhm will dem Geiste eines J;remia den Gedanken nicht lassen, dass er ein Prophet der Völker sei; nur an sein Volk a 11 ei n richte sich seine Sendung. Marti will dem Hosea alles nehmen, was an Liebe, Versöhnung, Aussicht, Hoffnung mahnt. Weshalb aber? Weil in Jeremia ein solcher Gedanke nicht Platz greifen kann? Weil c ie Seele des Hosea einer solchen Empfindung, wie der Sehnsucht nach der ungetreuen Gattin und der damit zusammenhängenden prophetischen Hoffnungen unfähig ist? So lange Menschen auf Erden v׳ohnen, waren solche Gefühle da. Sie jemanden grundsätzlich absprechen, heisst, ihm das Menschentum überhaupt absprechen. Ist Hosea des Zornes fähig ob der Untreue Gomers, so liegt solchem Zorne, solcher Eifersucht einstige, ja, noch fortdauernde Liebe zugründe. Soll er die Dutzendmenschen irgendwie überragen, so muss er der Liebe noch fähig sein. §011 sein Einzelerlebnis ein Spiegel sein d;s göttlichen Verhältnisses zu Israel, so muss er neben Strafreden auch der Verkündung der Gottesliebe und Sühne fähig sein, oder es fehlt ihm das Geringste, was den Propheten zum Propheten macht Was wäre der Zweck seiner Drohungen? Nur zu drohen und die mildernden Seiten seiner Sendung klüglich zu verschweigen, also gewissermassen wie eine Behörde, die mit den Untertanen verhand;lt, vorzuschlagen und die Bedingungen des etwaigen Entgegenkommens zu verschweigen, um nur etwas zu erreichen? Ein gutes Wort findet nach alter Erfahrung einen guten Ort, und wenn der Prophet unter Eröffnung des Zwecks seiner Worte, der Busse und der Aussicht für die Zukunfl nicht wirkt, so bleiben seine Mahnungen gewiss wirkungslos. So sollte er nur gesprochen haben, um cen Späteren den Lese- und Deuteston zu besorgen? Welche in der Luft schwebende Gestalt, losgelöst von jedem geschichtlichen Boden, dazu verurteilt, die Zer- Setzung seines Volkes zu bewirken, die ja der Zweck der Gottheit sein soll! Nun ist aber solche Gott-