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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1909-01-01 · No. 8. (1909) · p. Seite 156

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
32 (1909-1910)
Issue
No. 8. (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 156 (sequence 4)
Language
German
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156 — einen allgemeinen Weltschmerz hervorrufen können, denen aber alles Mildernde, jeder Blick in die Zukunft fehlen muss, damit nach göttlichem Willen die Vernichtung Israels zu Gunsten einer neuen Lehre glatt und ungehindert vor sich gehe? Das ist nicht wissenschaftlich, nicht geschichtlich gedacht; das sieht nach der Klause des einsamen Forschers aus. In einer Zeit des Offenbarungsglaubens mag man das als Offenbarung ausgeben — eine Zeit, die alle Schrifttümer einer gleichen Betrachtungsweise unterzieht, kennt keine Propheten, die ohne Hoffnung sein sollten für die Zukunft ihres eigenen Volkes. Zur Frage des ״Wissens und Glaubens.״ Eine Reihe von Besprechungen. Arthur Drews/) Der Monismus, dargestellt in Beiträgen seiner Dertreter. Band 1 Systematisches. Dill und 331 5. Band II Historisches. 201 Seiten. Man wird es begreifen, dass den Monismus betreffende Schriften an dieser Stelle nicht übergangen werden dürfen. Wir dienen der Wissenschaft des Judentums, also dem Judentum, das zuerst die Welt durch die Gotteseinheit zu erklären in Anspruch nahm; da Werden wir wohl das notwendige Verhältnis des Monismus zum Monotheismus behandeln dürfen, ja, zur Klärung mancher Missverständnisse behandeln müssen. Der Plan zu vorliegendem Werke stammt von Diederichs, dem Denker und Verleger in Jena, der bei allen Veröffentlichungen seines Verlags stets die Förderung des allgemeinen Geistes im Auge hat. Ob nun der Monismus in einer Reihe von verschiedenen Verfassern geschaffener Aufsätze folgerichtig behandelt werden kann? Wenn es sich um einheitlich-wissenschaftlichen Aufbau eines Gedankens handelt, ist diese Form die denkbar ungünstigste. Will man aber in leicht lesbarer Art gewisse wissenschaftliche Auffassungen verbreiten, so ist die Arbeitsteilung sehr anzuraten; sie schützt die Dar- Steller vor Uebermüdung, wahrt ihnen die Frische des Tons und lässt jeden einzelnen Aufsatz mit urwüchsiger Kraft hervortreten. Eine gewisse Einheitlichkeit des Plans liegt in der Arbeitsteilung selbst und in der gleichen Voraussetzung, von der aus die Mitarbeiter ihre Einzelaufgaben gelöst haben. Im ersten Teil berühren uns insbesondere die Abschnitte ״Monismus und Religion“, ״”Monismus und Christentum“ und ״Die sechs Schöpfungstage“, im zweiten Teil ״Häckels reiner Monismus“, und wir bemerken einiges über diese Aufsätze. Das ganze Werk verbreitet sich ja über alle Beziehungen, die sich von irgend einer Seite zum Monismus ergeben. Was Häckel anbelangt, so weiss man nicht, ob Schnehens Behandlung dieses Gegenstandes den Anhängern des Jenenser Forschers behagen wird. Häckel hält z. B. an dem Begriff des Raumerfüllenden beim Stoffe schon der Anschauung willen fest. Im Gegensätze zu den meisten Ansichten ist ihm die Masse in Sonderteilchen gegliedert, der Ae t her dagegen ein zusammenhängender Stoff, jene wägbar, dieser unwägbar. Doch soll der Aether gewisse Eigenheiten der Kraft und Bewegung haben; die Verbindung von Kraft und Stoff nimmt Häckel als unwiderleglich an; er vereint Kraft und das Ergebnis von Kraft und Tatausdehnung (Energie) zu e i n e m Begriffe; Erhaltung des Stoffes ist ihm Erhaltung der Kraft, zumal er von einem sich bewegenden Kraftstoff redet; Weltraum und Weltzeit sind von, jeher unendlich; oft sind beides für Häckel wirklicke Dinge, oft echt kantisch, ״Formen der Anschauung.“ Die Frage nach dem Ursprung der Bewegung ist mit der Annähme eines von je bewegungsfähigen Stoffes für Häckel erledigt. Da es neben der Erhaltung der Energie auch eine Wiederauflösung derselben gibt, so gibt es auch einen Kreislauf von Entwicklung, Rückbildung und wiederum Entwicklung; die Welt der gegliederten Dinge bewegt sich ebenso wie der der ungegliederten; Häckels kernlose Moneren entwickeln sich ohne Annahme einer Lebenseinheit durch blossen Stoffwechsel; wie alles Leben ein Verfall und Wiederaufbau bestimmter Eiweiss- Verbindungen ist; nun konnte der Lebensursprung doch wohl einmal vermöge der angenommenen Eigenschäften des Stoffes von selbst eintreten! Der Weltzweck, die Keimgeschichte der Seele, deren Stammesgeschichte beruhen auf rein stofflichen Bewegungen; Bewusstsein ist kein Welträtsel mehr, es gibt unbewusste Empfindungen, unbewusstes Gedächtnis, unbewusste Vorstellung, und Seele ist nur ein abgezogener Begriff von alledem. In den hier angeführten und vielen anderen Punkten stellt sich Schnehen in graden Gegensatz zu Häckel, und es stellt sich dem Leser als bestimmtes Ergebnis heraus, dass eine grosse Zahl von Gelehrten und zwar von Gesinnungsgenossen Häckels, den erfolgreichen Verbreiter'kühner Vermutungen in seinen wichtigsten Ergebnissen nicht anerkennen. Wir haben hier nur einen geringen Teil des betreffenden Aufsatzes berütrrt. Man scheint Häckel wissenschaftliche Folgerichtigkeit, ja, auch die rechte ״) Mit Arthur Drews neuestem Vorträge und den damit zusammenhängenden Fragen werden wir uns demnächst beschäftigen.

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