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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1909-01-01 · No. 8. (1909) · p. Seite 154

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
32 (1909-1910)
Issue
No. 8. (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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154 — Der blosse Anblick der Kinder, sonst des Vaters Freude, verwundet ihn, da erihn an die Treulose mahnt. Aber er muss sich immer wieder ihren Fehl vor die Seele führen, um bei seinem Zorne zu bleiben, wie ein Gatte, den Andere wegen seiner Nachgiebigkeit getadelt haben und der wieder in dieselbe zu verfallen fürchtet. Daher; ״Sie sind Buhlenkinder, denn ihre Mutter buhlt etc.“ Daher die umständliche Wiederholung ihres Fehls. So will ich Dornen an den Weg dir kleben, Umzäunend ihn mit einem Zaun, Und ihre Pfade — Sie findet sie nicht mehr, Und den Liebhabern eilt sie nach Und kann sie nicht erreichen Und suchet sie Und findet sie nicht mehr. Sieht es nicht aus, als berauschte er sich mit Bildern ihres Elends? Des Elends, das er ihr, sich rächend, verursachen will? Er glaubt es selbst. Aber im Hintergründe lauert die Hoffnung. Sobald er sie von ihren Liebhabern getrennt sieht, übermannt ihn Mitleid und Liebe zu ihr — sie verrät sich wider seinen Willen in folgenden Worten: Und sie wird sprechen : Ich gehe, ich kehre zurück Zu meinem ersten Manne, Denn besser war es damals mir als jetzt. Scheinbar spricht hier noch die Schadenfreude der Rache — in Wirklichkeit die Hoffnung auf ihre Rückkehr, die ihn aufrecht erhält. Er ist bald dabei, sie zu entschuldigen, indem er sie scheinbar anklagt und dabei erwartet, dass ihre bessere Einsicht die Untreue nicht wird wiederkehren lassen. Doch wusste sie ja nicht, dass i c h es war, Der ihr Getreide, Most und Oel gegeben, Der ihr das Silber und das Gold vermehrt, Woraus den Baal sie machten. Sie wusste es bisher nicht, aber sie wird es wissen. Gerade die Anwendung seines Sonderfalls auf das Volk hätte eher in solchem Zusammenhänge beanstandet werden können, als die vorhergehenden Stellen, in denen die Empfindungen tief und wahr hin und herwogen. Jedoch er ist Prophet; er besinnt sich auf seine Sendung und wendet sich nun dem Volke zu, um bald wieder seine eigene Ehegeschichte allein im Auge zu haben. Darum will ich mich wenden, Mein Korn nehm’ ich zurück zur Zeit Und meinen Most zum Erntefest, Und ihr entzieh’ ich Woll’ und Flachs, Womit sie die Blässe bedecket. Er hat das Wort Blässe genannt — und schon ist das Volk vor der Gattin verschwunden. Nun aber entblöss’ ich ihre Scham Vor ihrer Buhler Augen — Kein Mann errettet sie aus meiner Hand! Er will sie empfindlich strafen, bei ihrer Eitelkeit fassen — aber er will sie auch bei ihren Buhlen unmöglich machen, und die Buhler mit ihrer trügerischen Liebe der Treulosen auch in ihrer wahren Gestalt zeigen. Und all ihre Lust schaff' ich hinweg, Fest, Neumond und Sabbath Und all’ ihre Festesversammlung, Und ich verheere den Weinberg ihr Und ihre Feigenpflanzung, Wovon sie sprach: Sie sind mir eine Liebesgabe Von meinen Freunden mir gegeben! Und ich mache sie dem Felde gleich, Wo Tiere des Feldes grasen. Und an ihr ahnd’ ich Der Baalim Feste, Da ihnen sie räuchert, Sich mit dem Nasenringe schmückt Und mit den! Brustgescnmeide, Und hinter ihren Freunden ging sie her Und mich vergass sie! Spricht der Herr. Mit diesem spricht der Herr erwachen wir aus einem Traume und werden daran erinnert, dass nicht der Gatte von der Treulosen, sondern eigentlich Gott selbst vom treulosen Israel spricht. Man empfindet aber so recht, wie es doch der Gatte ist, der jener Entflohenen alle Lust rauben will, welche sie an die Aussenwelt ketten könnte. Und die Feste waren wirklich auch dem Gatten ein Gräuel — da schmückte sie sich und da, in der Volksversammlung fand sie ihre Buhlen; dort fiel sie auf und wurde sie begehrt, Andere besassen sie, und er nicht! Darum sieh an, ich bin’s Und der Verirrung Thal wird Hoffmmgspforte. Der sie nun lockt und in die Wüste führet, Arm soll sie sein wie in der Jugend Tagen, Da red’ ich ihr zum Herzen,. ־' Ja, wie am Tage, Von dort geb’ ich ein Weinberg ihr zurück Da sie emporzog aus Egypterland. Nun wird’s ihm erst kjar, dass seine obigen Drohungen mit Wüste, Armut und Einsamkeit nur ein Mittel der erziehenden Liebe sein sollten. Wie man die reiche umworbene Geliebte arm wünscht,

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