Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 32 (1909-1910)
- Issue
- No. 6. (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 6)
- Language
- German
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142 Brügel, ich habe sie gefiehlt acht Tage, sie liesen mir hernach laufen, es fuhr ein Herr in einem Wagen vorbei, welcher die Husaren befehligte, mir wieder zu hohlen, nun wurde ich nach Beelitz bey den Magistrat geführt, der Burgemeister hat mir die Briefschaften abgenommen, und die 8 Gr. dem Boten der Wache gegeben, die Briefschaften bekam ich wieder, und schickten uns mit einem Husaren nach Saarmund. Auf mein Schreiben, was ich geschrieben habe, das weiss mein Gott der mir erschaffen hat, das alles wahr ist, und falls gar nichts, denn ich kann es beschweren in meinem jüschen Glauben in der Schule, dass es alles wahr ist, so soll mir Gott helfen in meiner Noth. Saarmund (Schluss folgt.) den 6ten Juni 1790 (jüdische Unterschrift) Besprechungen. Rabbiner Dr. M. S. Zuckermandel: Tosefta, Mischna and Boraitha in ihrem Verhältnis zu einander oder palästinensische und babylonische Halacha. In zwei Bänden. 1. Band XXX und 484 S. 16 Mk. 2. Band XVI und 508 S. 16 Mk. Frankfurt, Kauffmann. Zuckermandel tritt hier mit zwei starken Bänden an uns heran. Er begründet darin einen Gedanken, den er schon in den siebziger Jahren ausgesprochen, der ihm viel bestritten worden ist und den er noch heute mit aller Entschiedenheit verficht: . Unsere Mischna stammt, wie er meint, nicht aus Palästina, sondern wurde in Babylon vielfach umgestaltet, sie stimmt mit der babylonischen Gemara überein, die zu Jeruschalmi wie zu Tossefta im Gegrnsatze sich befindet 'Dagegen stimmt nach seiner Ansicht die Tossefta mit dem Jeruschalmi überein, und zum grössten Teil ist die palästinensische Mischna in der Tossefta enthalten. In Babylonien ist die Scheidung von Mischna und Tossefta vor sich gegegangen. Was in der Tossefta fehlt, ist ohne Sonderlesarten Tn die babylonische Mischna aufgenommen worden; ״Tossefta enthält die Varianten und die Auslassungen aus der ursprünglichen palästin. Mischna, welche den Text zum jerusafemiscnen Talmud bildete.“ Zuckermandel teilt Frankels Ansicht, dass unsere Mischna nachträglich dem Jeruschalmi vorgedruckt worden ist; Jeruschalmi kann sich demnach auf unsere Mischna nicht beziehen. Zuckermandel hat sich eine grosse Anzahl halakhischer Gegenstände ausgewählt, die er bezüglich ihrer Stellung in Mischna und Babli, Tossefta und Jeruschalmi behandelt. Um ganz sicher zu gehen und sich nicht zu verwirren, sondert er bei jedem dieser Gegenstände die Fragen von einander und behandelt jede in einem besonderen Abschnitt, sodass jedesmal mehrere gleich benannte Abschnitte die Behandlung eines Gegenstandes bilden. Und man muss ihm zugestehen, dass er mit Kühnheit in alte und berühmte talmudische Rätselfragen hineingegriffen und sich nicht mit den Gegenständen an der Oberfläche begnügt hat. Man braucht nur die Aufschriften der Abschnitte 1) דבר שיש לו מתירין. Abschn. 9) ככרך אחד (14) 32) נותן משום הפקר (18 ,17) מין במינו), fortgesetzt im zweiten Bande (33) mit der bedeutenden Abhandlung über ברירה (39) קגק לנוי ,הפקר, halakhisch die scharfsinnigste der gebotenen Darlegungen, מתנה,(41) דבר שלא בא לעולם תנאי כפול ,(43) על מה שכתוב בתורה und קודם למעשה (gleichfalls 43). Es folgt 46 TKidduschin 2, 3, 4, verglichen mit Mischna 2, 3 Kidduschin und TGittin 7 mit Mischna Gittin 6,7; in einem zweiten Anhänge Versuch, die bezügliehe palästinensische Mischna herzustellen. Ausserdem .Nachbemerkungen, Noten, Verbesserungen und Zusätze. Ein reichhaltiges Mahl, zu dem Verfasser uns einlädt I Wären die bei ihm auftretenden Gegenstände, von denen ich nur einige angeführt habe, nur in weitesten Umrissen behandelt, ״es wäre schon genug.“ Jede Nummer hat aber, wie schon erwähnt, a, b, c, d etc., und jeder Buchstabe vertritt einen Abschnitt Zuckermandel bleibt auch nicht bei dem tannaitischen und amoräischen Schrifttum sfehen, sondern geht die ganze Reihe der Rischonim und Acharonim bis zu seinen unmittelbaren Lehrern durch, nach Bedürfnis einmal den Einen, einmal den Anderen anführend. Von der Fülle angeführter Werke und Verfasser zeugt ein alphabetisches Verzeichnis derselben, das für den ersten Band 14 Seiten, für den zweiten 2 Seiten als Ergänzung einnimmt Zuckermandel hat zumeist nur Siglen statt der Titel und Namen in der Behandlung selbst gebraucht, ein Verfahren, wie ich es in meinem Buche ״die Mischna, Aufbau und Quellenscheidung“ (Strassburg, Trübner) nach Möglichkeit angewandt habe. Es wird damit viel Raum gespart, aber dem Leser nicht die Mühe des steten Nachschlagens, bis er sich an diese Zeichen gewöhnt hat. Nachher bilden diese Zeichen ein gutes Mittel! das Gedächtnis für die Einzelheiten zu schärfen, da Zeichen und Vollname immer zwei einander weckende und stärkende Eindrücke ausmachen. Ich vermisse allerdings gerade meine mischnischen Arbeiten unter den angeführten Werken, trotzdem ich auf Schritt und Tritt mich mit der Tossefta auseinandersetzen muss, ja, diese Zeitschrift selbst wird nur bis zum Jahre 1903 verfolgt, bis zu dem Augenblicke, wo i c h sie zu leiten begonnen. Das ist gewiss merkwürdig. Sonst hätte Verfasser meine Auffassung der Tossefta schon in der ersten Auflage von ״Ueber den Zusammenhang der Mischna“ Abschnitt III, (wesentlich erweitert in der soeben erschienenen zweiten Auflage) kennen gelernt und es wäre ihm auch mein beständiges Zurückgreifen auf Zusammenhang und Halakha der Tossefta nicht unbekannt geblieben. Das soll mich nicht abhalten, zu gestehen, dass wir hier ein Buch von achtunggebietendem Umfang und von bedeutender Anlage vor uns haben. Wenn auf den ersten Blick die Beziehung der Einzelheiten zum Hauptgedanken auch nicht ersichtlich scheint, so stellt sich dies Verhältnis bei genauerem Einblicke doch bald heraus. Verfasser erspart uns keine Gedankenwendung, keinen Seitenweg, auf welchem er etwas für seine Auffassung entdecken kann. Allerdings ist sein Buch nicht für den Nachmittagsschlaf geschaffen, und wer keine Geduld hat, muss es ungelesen lassen. Sich im Vorbeigehen damit abzufinden, ist unmöglich; Verfasser scheint das mit aller Absicht verhindert zu naben, und ich kann es ihm nicht übelnehmen, wenn er die Leserwelt an seiner Mühe teilnehmen lässt. Seine Arbeit wird dann um so weniger unterschätzt werden. Auf diesem Wege hat der Leser, auch der gelehrte, Gelegenheit, manches ihm neue talmudische Verhältnis kennen zu lernen, manche Erinnerung aufzufrischen! und das kann dem Ungeduldigen wohl als Hemmnis erscheinen, — für den aufrichtigen Freund des Talmuds wird diese an die Alten anknüpfende Art nur ein Vorzug des Buches mehr sein. Es bringt Vieles und darum jedem Mitstrebenden Etwas. Ich gehe, um eine Probe herauszugreifen, vom Standpunkte meiner mischnischen Arbeiten an das Buch heran, und mir fällt Nr. 31 שייר auf. _ (Schluss folgt.) Schöngeistiges. Lord Beakonsfield, Contarjni Fleming. Roman. Uebersetzt und eingeleitet von Oskar Levy, London. Zweites Tausend. 630 Seiten. Contarini Fleming ist wohl der bedeutendste Roman Disraeli’s. Der Dichter bleibt hier auf ebener Erde stehen, seine Einbildungskraft spielt ihm hier keine Streiche, und