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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1909-01-01 · No. 6. (1909) · p. Seite 141

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
32 (1909-1910)
Issue
No. 6. (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 141 (sequence 5)
Language
German
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141 9 Gr. bei einem Juden, wir kamen hernach auf ein Torff, den Namen weiss ich nicht,״ der alte Mann gieng im Torff betteln, und ich gieng in den Krug, und wie er bei mir kam in den Krug sagte er, dass in Beelitz Markt wäre, ich sagte zu ihm, ich habe es auch gehört, der alte sagte, wir nätten aber müssen heute in Beelitz sein, ich wollte mir gerne ein paar Schuhe kaufen, ich sagte zu ihm, dass wir gehen wollten, allein es waren*schon 4 Stunden nach Mittage, da der Tag noch klein war, er hat zwar seinen Lebenslauf an mir erzehlt, ich habe aber keinen Gedanken gehabt, ihm was übles zu tun, lieber Gott, ich nehme dir zum Zeigen, ich bin ihm dem alten Mann immer gut gewesen, in Coswig bin ich mit ihm gegangen ein paar Schuhe zu kaufen, der Alte fragte mir, wie ich heuse, ich sagte, ich heise Nehimmie, ich fragte ihn, wie er heuse, so sagte er, er heuse Leib, und morgen wollte er kaufen ein paar Schuhe, die Nacht giengen die Leute vom Markt in Belitz nach Hause, nun fragte der Alte, ob er noch ein paar Schuhe kriegen konnte, die Leude sagten, dass er noch welche haben könnte. Zwei Juden aus Pohlen und ein Schneider, ein Christ, kamen auch von Treuenbrietzen nach dem Krug, wo wir waren, wie sich der alte Jude des Abends die Hosen auszog, habe ich gesehen, dass ihm die Leuse herausgefallen sein, der Schneider sagte, der alte Mann muss Leuse haben, weil er sich immer kratzte, und sagte, ja er hat Leuse, ich sagte zu dem Alten, wenn er wollte, so wollten wir morgen ein wenig früh gehn, ein bischen vor Tag, so können wir noch ein paar Schuhe kaufen, in der Nacht konnte der alte Mann nicht schlafen, so sagte ich e nmahl zu ihm, Vater, warum kann er nicht schlafen, er gab mir zur Antwort, es wäre ihm zu kalt, er könnte nicht schlafen, ich hätte ihn gerne mit meinem Pelze zudecken wollen, allein er war unrein, er gieng aber des Morgens nicht früh nach Belitz, sondern wie wir Juden gebetet hatten, assen wir unser Friestück, die zwey Juden gingen nach Belitz, der Schneider gieng auch fort, ich sagte zu dem alten Juden, die zwey Juden können beinahe schon in Belitz sein, und wir waren noch nicht fort, den Tag vorher lausten wir uns zwischen Treuenbrietzen und das Torff, wo wir Nachtlager hatten, da giengen die Leude nach Holz, und lachten über uns, dass wir uns auslausten, wenn man sich auslausen will, so muss man ausser den'Weg aber nicht in den Weg gehen, wo Leude gehn, dies sagte ich zu dem Alter, in dem Lausen sagte der alte Mann zu mir, ich weiss nicht, wo ich so viel Leuse habe, ich sagte zu ihm, ihr wollt euch doch kein Hemt nicht kaufen, ihr müsst alle Schawass ein Hembt antun, ihr warlet, dass sie euch ein Hembt schenken sollen, ihr esset nichts und trinket nichts, und der Teufel kann las Geld doch weg holen, warum, es ist ein Sprichwort, wir. giengen also nach Belitz bis an die Müh e, der alte Mann gieng nein und bettelte und ich wartete auf ihn, da sein wir gegangen auf eine Viert!!Imeile wegs, unterwegens sprachen wir, dass wir auf unsere Osterfeiertage nach Hamburg gehn wollt :n, der alte Mann sagte zu mir, wenn wiFnach Beelitz kommen, wollen wir über Nacht bleiben, dieses war ungefehr Vormittag um elf Uhr, es hat wir noch Zeit nach Belitz zu gehn, so sagte ich zu dem alte! Mann, nun wollen wir auslausen, aber nicht an dem Wege, sondern auf die Seite, wir gingen rechts weg, ungefehr bis 40 Schritt weg, aber mein Gott weiss es, dass ich keinen Gedanken gehabt habe, ihm was übles zu tun. Der alte Mann sagte aber zu mir, wir wollen weiter gehn, dieses war ungefehr fünfzehn bis zwanzig Schritte von dem Blatze, giengen wir unter einen Baum, es war kein Busch, sondern wie eine Wiese, ich habe auf der rechten Seite des Baumes gestanden, um mir zu lausen, de׳ alte Mann stand auf der linken Seite des Baumes, und liess seine Hosen runder von seinem Leib, uni lauste. Dieses taurte beinah eine Viertelstunde, sterben soll ich, dass mir unter dem Baum die Gedanken eingekommen seyn, wie kann ich in Polen nein kommen, da ich nichts habe, denn ich muss allerw!!gens Zoll, Nachtzettels und Schlafgeld haben, und geben, hierauf sind mir Gedanken eingekommen, und habe den alten Mann auf die Erde geworfen, und habe ihm die Hosen zerrissen, und habe gesprochen zu ihm, gieb mir sogleich das Geld, oder ich nehme das Messer, aber meine Gedanken seyn nicht gewesen, ihm Schaden zu thun, sondern ihm das Geld nur wegzunehmen wegen den Zoll, ich weiss aber nicht, ob ich das getan habe, dass ich zu ihm gesagt soll haben, gieb mir das Geld, oder ich griegf das Messer, dass die Hosen zerrissen seyn worden, weiss ich nicht, ich habe ihm versprochen, wann ich aus dem Arrest komme, will ich ihm meinen Rock geben, er sagte zu mir, wie ich ihm das Geld nahm, er hätte ein ganzes Jahr herumlaufen müssen, um dieses Geld zusammen zu bringen, und du willst es mir wegnehmen; hierauf sein mir meine Hände auf einmal abgefallen von die Hosen, und kam nir in Sinn, ich sollte dem alten Mann das Geld lassen, es kam mir aber von wegen den Zoll wiecer ein, als begieng ich diese Tat, dann in wieviel Städten haben sie mir nicht um einen Pass gefragt sondern gleich um Zoll, wie ich dem Juden das Geld nahm, lief ich weg, und rechter Hand lag ein Torf, wie ich hin wollte, so kamen drei Husaren, welche hörden, dass der Alte weinte, und kamen auf mir zu und fragten mir, was ist das, ich gab ihnen zur Antwort, der Vater ist mir Geld schuldig, und hat mir nicht wollen bezahlen, dann ich habe immer zu ihm gesagt Vater, weil er alt war, weil wir von W e r 1 i t z nach Coswig giengen, mussten wir über Wasser, vor das Ueberfahren musste ich 1 Gr. vor ihm bezahlen, vielmahls habe ich zu ihm gesagt, er soll mir es geben, allein er sagte immer, er wollte es mir geben, und gab mir es nicht, wir haben Bier zusammen getrunken, allein er hat nichts dazu gegeben, die Gedanken seind aber doch nicht gewesen, wegen dem Groschen und 6 Pf. ihm das Geld deshalb wegzunehmen, nur über den Zoll, da haben mir die Husaren genommen bey den alten Juden, dieser Alte nahm mir gleich das Geld aus dem Busen, die Husaren haben mir 8 Gr. weggenommen, da ich aber sagte, dass es mein Geld wäre, gaben sie es mir wieder, das Geld, was ich dem Alten wegnahm, war ungefehr 4 Rtl. oder 5 Rtl״ ich habe es garnicht aufgehabt, der Alte sagte zu mir, wenn er Geld überleh behielte von die Schuhe, so wollte er sich einen Ducaten einwechseln, wie der Alte mir das Geld abnahm, so gaben mir die Husaren auf dreissig

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