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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1909-01-01 · No. 6. (1909) · p. Seite 140

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
32 (1909-1910)
Issue
No. 6. (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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140 in Berlin, nun war ich fremt und wüste nirgends hin, ich ging bei dem Wirth Leimbecken, der sagte, dass er in der Nacht fortgereist wäre, ich gieng auf die Post und fragte da, wo er wäre hingereist, als hörte ich, dass er nach Potsdam wäre, ich ging bei den reichen M o i s, das ist der Mann, wo er seine Sachen immer last, und weinde, dieser gab mir 6 Gr. und gab mir weider keinen Rath was ich thun sollte, die Juden sagten, ich sollte ihm nachgehen, ich ging also zum Thor heraus und muste sogleich 2 Gr. geben, und gieng nach Potsdam und wie ich wieder heraus gieng, muste ich wieder 2 Zoll geben, ich gieng also nach Magdeburg, da hielten sie mir einen ganzen Tag auf vor der Brücke. Dem Thorscnreiber sollte ich 4 Gr. geben und hatte nicht mehr als 2 Gr., das übrige habe ich müssen anwenden zu meinem Unterhalt, musste also mein Hembte dalassen, bei dem Thor- Schreiber, und über der Brücke wieder Brückengeld, ich gieng bei die Juden, und sammelte die 4 Gr. und holte die Hembter von den Thorschreiber, ich dachte also, dass ich frey wäre, bin ich den Thor nach Halberstadt zugegangen, in der Stadt begegnete mir ein alter Soldat, der fragte mir wo ich hin wollte, ich erzehlte ihm meinen Umstand, dieser gab mir i Gr., wie ich aus der Stadt gieng, fragte mir der Thorschreiber nach ein Zollzettel, ich wies ihm den Zollzettel, er sagte es wäre der Zollzettel nicht, du musst wieder in die Stadt gehen, du musst vor noch ein Zoll bezahlen, ehnder kommst du nicht raus, ich wollt aber nicht gehen, hierauf wollte er mir schlagen, da habe ich müssen wieder bei den Thorschreiber gehn, und fragte ihn ob das nicht der rechte Zollzettel wäre, den er mir gegeben hat, er sagte aber zu mir, ich müsste in die Stadt gehn, in ein Haus als über die Brücke, da müsste ich noch 4 Gr. geben, da sie es mir so schwer machten mit dem Zoll, so hatte ich immer den Gedanken, dass ich wollte auf der Brücke ins Wasser springen, wie ich in das Haus kam, fragte ich, ob ich nochmals Zoll geben müsste, ja sagte der Mann, du musst nochmals Zoll geben, ich hatte nun nicht mehr als den Groschen, den mir der Soldat gegeben hatte; hierauf wollte ich meine Pfeife verkaufen, bei dem Zoll, der Soldat mir aber nicht mehr bezahlen davor, als 1 Gr. 6 Pfg., ich verkaufte aber meine Pfeife nicht, wie ich nicht mehr erhalten konnte davor, ich wollte also meine Hemter zum zweytenmahCdalassen, er wollte sie aber nicht nehmen, ich weinde vor ihm und bat ihn, dass ich nicht mehr als einen Gr. hätte, es half aber nicht, es kam aber ein Christ in die Stube, der bezahlte , für mich den Zoll und gab mir einen Gr. mit auf den Weg, ich kann das garnicht sagen, wie schlimm es mir gegangen ist, in Magdeburg von wegen dem Zoll, von Magdeburg bin ich gegangen bis Halberstadt, da haben sie mir garnicht reingelassen in die Stadt, eä hat mir aber getroffen, dass ich an einem Tag viermahl Zoll bezahlen müssen; in Sachsen in ein Torff, welches heist Lobido, wollte der Thorschreiber 8 Gr. Zoll von mir haben, aber durch das Weinen und Bitten nahm er nur 5 Gr. 6 Pfg. von mir und sagt, das übrige müste er zulegen, es wäre viel zu schreiben, was ich habe ausgestanden mit dem Zoll, dann ich habe mehr ausgeben, als 6 Rtl. vor Zoll, der Weg ist mir sehr schwer geworden, den Juden als meinen Herrn nachzugehen, eine Meile Weges vor Braunschweig auf ein Torff draf ich zum erstenmahl den alten Juden an, in ein Torff wo wir über Nacht waren, des morgens bin ich nach Hannover gegangen und der alte Mann bliebim Krug, den Kaufmann, aismeinen Herrn draf ichinHannover an, ichhatte in Hannover nichtzuleben musste also meine Kleidungsstücke von meinem Leibe versetzen, an den Wirth, Zoll brauchte ich nichts zu geben, nur 2 Gr. vor einen Nachtzettel, ich fragte also meinen Herrn aus, ich gieng mit ihm zum Rawiener vors Gericht, im Gericht aber sagte er, er kennte mich nicht, es wurde ihm aber gesagt, er sollte schwären, dass er von mir nichts wüsste, dieses hat getaurt drey Tage,-es wurde mir aber zu lange, allda zu warden, weil ich kein Geld hatte, so gäbe mir die Juden den Rath, ich sollte bei den Magistrat gehn und sollte klagen, in Zossen habe ich wohl gesagt, dass ich mir vertragen hätte, allein ich habe es aus Furcht getan da es hiesse, ich hätte den Juden wollen umbringen, und in der Gerichts- Stube musste ich den Rock ausziehen, ich tachte, ich würde wieder Brügel bekommen, da habe ich einige Punkte gesagt, die ich aus Angst gesagt habe, da ich mein Kleid versetzt gehabt habe, musste ich 15 Gr. davon an den Magistrat bezahlen, ich konnte aber von dem Gericht nichts verstehn, weil sie teutsch sprechen, das habe ich wohl verstanden, dass ich sollte nach Berlin gehn und solltd eine Schrift bringen von dem Rawiener, da ich nun nichts auf dem Leibe weil ich den Rock versetzt hatte, so ging ich also bei den Juden und bat ihn um 1 Rtl. allein mein Herr sagte, er wolle mir 3 RtU geben, die 3 Rtl. musste ich aus Noth nehmen, da mir 20 Rtl. zukamen, dass ichmeinen Rock von dem Wirth wieder erhielte, die 3 Rtl. seien geblieben in Hannover vor Schlafgeld und Auslösung meines Rocks, hiervon hatte ich noch 8 Gr., ich habe in meinem Leben noch keinem nichts genommen, der Punkt mit dem alten Juden, dies habe ich aus Not getan, von wegen den Zoll, weil ich bin zurückgegangen, kam ich in ein Torff, bat den Schulzen um ein Stücken Brot, weil ich Hunger hatte, allein der Schulze wollte mir schlagen, und sagte, wir haben Christen zu geben, aber keinen Juden ich gieng von Hannover nach Berlin zu, und wollte wieder bei meiner Schwester nach Pohlen, dass sind 80 Meilen im Dessauisehen zwischen Oranienbaum und Werlitz traf ich den alten Juden an, das ander mahl, wir geben uns die Hände, ich kannte ihn in der ersten nicht, weil er vor Braunschweig einen schwarzen Rock angehabt hatte, und anjetzo einen weissen, er sagte aber gleich zu mir, dass er mir kannte, weil wir uns gesehn vor Braunschweig, und wollte mitgehn nach Berlin, er meinte aber, ich kann nicht gut gehn auf meine Füsse, ich sagt, ich sätte meine Füsse auch durchgelaufen, und wiess ihm meine Füsse, und gingen miteinander auf Coswig zum Schawitz, der alte Mann sagte zu mir, auf den andern Schwawitz wollen wir gehn nach Berlin, sein wir gegangen von Coswig nach Treuenbrietzen, vor Thor gaben uns die Juden einem jeden 1 Gr., ich wollte in die Stadt gehn, der Thorschreiber wollte aber 2 Gr. haben, wegen diesen Zoll habe öfters Noth leiden müssen, der alte Mann verkaufte einen Rock vor 1 Rtl.

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