Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 32 (1909-1910)
- Issue
- No. 6. (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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139 seyn, mein Vater, wie er hat gelebt, hat er sich geschrieben Jude Leib, und ich schreibe mir Nehimmie, ich bin gegangen in Strückhoff in die Schi le, und gelernt über 20 Jahr, das hat mein Vater und Mutter viel Geld gekost, da haben sie gesprochen dass ich an sie gedenken soll, denn ich habe schon gute Gedanken gehabt, die habe ich gelernt, mi : die Kinder, um die Tröffen herum bey Strückhoff, auf 6 bis 7 Jahr, ich habe hernach gedacht, dass ich bey Leuden besser krügen könnte, da bin ich ford gegangen, bis Schaffortz, das ist kaiserliches Landes! da hatte ich nichts gedroffen die Kinder zu lernen, da habe ich mich verdungen bey einem Juden, er ist gewesen Minister beim Kaiser, der ist niemals zu Hause gewesen, sondern immer bey dem Kaiser in Witna, ich habe ihn sonsten nicht gesehen, als da er mir nat angenommen bey die Pferde in Schaffortz, er hat einen Bruder, dieser hat gerieiszen Kumpel, der hat von mir gewusst, wie der Jude geneiszen, der mir angenommen hat, weisz ich nicht, Lohn hat er mir versprochen auf ein4abfi*8 Rtl. ponlisch und Kost ä Tag 12 pohlsche Groschen das sind 1 Gr. 6 Pf. auf teutsch, bei dem Juden bin ich beinah 2 Jahr gewesen, das erste Jahr ist es gut gewesen, denn da habe ich mein Kostgeld und auch vom Tisch Essen erhalten, das andere Jahr habe ich müssen vor die 6 Dreyer leben, es war aber zu di r Zeit zu theuer, als habe ich nicht leben können vor die 6 Dreyer. da bin ich aus dem Dienst gegangen, da mir aber der Bruder Kumpel versprach, dass ich es besser haben sollte, da bin ich wieder ins Dienst gegangen, es ist mir aber das Versprechen nicht gehalten worden, gieng also zum zweytenmali fort, in werent dieser Zeit, da ich bey dem Juden gewesen bin, habe ich bisweilen meine Pferde an;inem Brunnen dicht am Kloster gedränkt, wo allemal ein katholischer Pfaffe am Fenster stand und mir zurufte, ob ich mich nicht taufen lassen wollte, meine Gedanken seind es niemahls gewesen, mich taufen zu lassen, dann ich weiss, was in unseren jüdischen Gesetzen steht, du sollst wissen, von wännnn du kommst, in seinen Gedanken sollen seyn als wird er gehen auf so einen Ort, dass ihm die Wirme werden essen in der Erde, von den lieben Gott musz er sein Gericht abgeben, an die Zeit wird kommen wann er muss sterben, solche Gedanken habe ich gehabt alle Zeit, wie der Pfaff mir gerufen ht t, als ich bin geboren als ein Jude als musz ich auch sterben in meiner jüdischen Relion. Denn heute gehe ich geschlossen in der Kätte, ist mir doch lieber dpsz ich bin in meiner jüdischen Relion, wie ich bin zum zweytenmale fortgegangen, hat er als mein Herr mir verklagte bei den General, welcher denn sogleich befohlen hat, mich zu hohlen, da bin ich geschlagen worden und in Arrest genommen worden, Tie Soldaten sagten, ich sollte den dritten Tag auch Briegel bekommen, ich bin krank gewesen noch von die ersten Briegel, in die Zeit hat sich zugetroffen, dass der katholische Pfaffe in meinen Arrest kommt, uud sprach zu mir, dass ich mir darauf verlassen sollte, und versprach mir, dass ich keine Briegel haben sollte, und sollte aus dem Arrest rausz, da habe ich sorgt gehabt, hierauf versprach ich, dass ich mir wollte taufen lassen, meine Gedanken waren aber, dasz ich bald wieder zu meiner Relion kommen könnte. Es wäre aber besser gewesen, wenn ich wäre dieser Zeit um mein Leben gekommen, das;: ich habe meine Relion abgetreden, meine Gedanken sein, dasz wird mir schwär und bütter sein abzut eten meinen Glauben, das sehe ich schon vor mir, in dieser Zeit, ich nehme aber verlieb von Gott, hierauf bin ich losgekommen, der Priester nahm mir mit nach Müllhoff und wurde getauft den dritten Tag, nach dem Tauffen gaben sie mir den Schlüssel zum Speisehause, ich hab gehabt zu essen und zu trinken im Kloster ich habe aber doch immer gedacht, dasz ich wieder zu meiner Relion kommen könnte, itn Herzen habe ich immer meinen Glauben gehabt, über die 2 Jahre habe ich meinen Gott gebeten, dass ich meinen Glauben sterben möchte, wenn ich wäre stark reich gewessen, so wäre ich weggelaufen, und hätte meine Sache da gelassen, wie auch dieses getan habe, hierdurch bin ich mit der Frau, mit dir ich bin fortgegangen, bekannt geworden, weil wir einen Glauben hatten, zu der Frau habe ich nicht« verlauten lassen, dasz ich will fortgehen, ich sorgte mir vor ihr, dasz sie mir verraten würde, weil sie aber zu mir gesagt hat, dasz sie gern ford wollte, da bin ich mit ihr fortgegangen, sie hatte auch das Kind bey sich, hierauf bin ich mit ihr zu Wasser gegangen, 3 Meilen, wir kauften uns zwey Pferde und einen Wagen, wurde ich von einem Christen gefragt, ob es meine Frau wäre, so sagte ich ja, fragte mir ein Jude, so sagte ich ihm die Wahrheit ich hatte mir Geld gespart im Kloster, davor habe ich mir Kleider geschafft wie wir gekonnt haben, so sind wir aus Klein-Pohlen in Gross-Pohlen nach Ludomircksz so wir verkauften den Wagen und Perd vor 4 Ducat weniger 6 Pohlsche Gilden, von da seind wir gereist bis Breslau, da ich nach Breslau kam, an das Thor wurde ich gefragt, woher ich käm;, und ob ich keinen Pass hätte, allein in Pohlen brauchte ich keinen, ich wurde also zum Magistrat gebracht, da habe ich gesagt, dasz ich ein getaufter Jude wäre. Der Magistrat lachte darauf, sie gaben uns den Pass, wir haben alles ausgesagt, vor dem Magistrat, wir sind 5 Tage in Breslau geblieben, hierauf fuhren wir auf dem Wasser eine halbe Meile vor Frankfort, es war Messe allda, die Juden gaben mir einen Brief, dasz mir alle die Judenschaften forthelfen sollten, die Frau blieb in Frankfort und ich ging mit einem guten Freund nach Berlin, wie ich nach Berlin kam, draf mir ein Kaufmann, von ProttJMosis Arend an bei denselben vermitte ich mir als Knecht, ־■' ucaten bis Ostern, und Kost alle Wochen 1 Rtl., ich bin ins Mekelburgsche in die Stadt Schwerin in den Nachtbei die Pferde, Lohn versprach er mir 2‘|t mit dem Juden rumgefahren einige Wochen bi: quartier schmisch der Jude 1 Ducat in ein Biudel weg, in die Stube, um mir zu probieren, ob ich ehrlieh wäre, allein da ich ihn fund, gab ich ihm denselben wieder, dieses kann mir der Wirt bezeugen, dann ich hatte keine Noth von Schwerin fuhren wir fort bis Crewitz, hier verkaufte mein Herr den Wagen und das Pferd, und seine Sache legte er in meinen Sack und schickte sie auf die Post, ich habe aber erfahren, dass er sie nicht fortgeschicktlhat, er setzte sich auf die Post und fuhr nach Berlin, ich ging aber zu Fusz nach Berlin wie er nach Berlin kommt geht er in der Nacht fort, und lässt mir allein