Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 32 (1909-1910)
- Issue
- No. 6. (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
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r 138 2« spricht von der Verstossung der Unzüchtigen, mahnt sie aber, sich vor dem Aeussersten zu wahren, da der Gatte sie könnte mittellos stehen lassen nebst ihren Kindern. Sie würde (29) ihre 'Buhlen umsonst suchen und nach vielen Leiden zum früheren Gatten endlich zurückkehren, wonach ihr eine stete Verbindung mit Gott (2*1) und dem Lande hohes irdisches Glück vorausgesagt wird. Man wundert sich über den Eingang 1!—3, wonach mitten unter den bösen Bildern von 1 und den das Eingangsstück fortsetzenden Drohungen 2, ff eine hoffnungsvolle Aeusserung steht, die man im besten Falle Ende 2 erwartet hätte. Sollte man aber auch das ganze zweite Kapitel so nehmen, wie es ist — wo liegt da die Steigerung im dritten, nachdem 2 schon eine viel weitere Aussicht gestellt hat, schon Tage des Glückes nach vollkommener Besserung des Volkes vorausgesagt hat, während 3 nur bis zur Busse selbst führt und von deren Belohnung nichts erwähnt? Nehmen wir, was noch nicht feststeht, für ein Buch gleich Hosea die Steigerung als künstlerischen Maassstab an, so darf man den talmudischen Grundsatz nicht vergessen : .אין מוקדם ומאוחר בתורה ״Es gibt kein Vorher und kein Nachher in der Thora“, d. h. die jetzige Ordnung der Stücke ist nicht massgebend für die ursprüngliche. Es wäre garnicht unmöglich, dass 1 und 3 auf einander gefolgt wären und 2 sich an beide Stücke angeschlossen hätte״ Dann würde die Frage nach dem Anfänge von 2 verschwinden und man hätte garnicht nötig, ihn nach 2*ב zu versetzen. Welcher Grund nun für eine solche Umstellung der Kapitel vorhanden wäre? Wer das biblische und talmudische Schrifttum inbezug auf seinen Zusammenhang erforscht, dem stellen sich ganz andere Regeln der Aneinanderreihung heraus, als wtr sie gewöhnt sind: Durch den Rahmen von 1 und 3 für 2 ergibt sich die Teilung des Buches in zwei erkennbare grosse Stücke ersichtlicher, als wenn 2 an die dritte Stelle gerückt wäre. Der Unterschied zwischen 2 und 4 ist nicht so gross, dass man eine solche Sonderung sofort bemerkt hätte. Als sich der zweite Teil in der letzten Zeit Hosea’s an den ersten setzte, da rückte 2 vom Schlüsse des ersten Teils an seine jetzige Stelle, um den Schnittpunkt recht fühlbar zu kennzeichnen. Das, meine ich, könnte man sagen, um in Hosea die Steigerung herzustellen. Dann würde an den versöhnenden Schluss von 3 sich der versöhnende Anfang von 2 schliessen. Dann folgte 2« ff. als Anwendung, um die Entwickelung von Sünde durch Leiden zur Versöhnung für Israel darzustellen und mit dem freundlichen Ausblick genau so zu schliessen, wie der zweite Teil im Schlusskapitel. Diese Annahme empfehle ich denen, welche die jetzige Zusammenstellung von 2 beanstanden. Damit wären alle Fragen gegen dies Kapitel geschwunden, una es würde noch festzustellen sein, ob sich Beweise für ein solches Verfahren anführen Hessen : Gen. 38 schiebt sich in die Geschichte Josephs hinein, um den Zeitraum zwischen dem Verkaufe Josephs und den späteren Vorgängen anzudeuten und fühlbar zu machen. Die Geschichte des goldenen Kalbes Exodus 32 tritt zwischen die Gebote und die Ausführung des Stiftszeltbaues, da diese Sünde die Ursache des Baues war und Moses die Tafeln ja ursprünglich offen dem Volke zeigen sollte, während später die Tafeln in der Bundeslade und dem Zelte verschwinden. Leviticus 27 tritt der Erakhinabschnitt, zu den Opfergesetzen und־ besonders denen des Jobei gehörig, an’s Ende des Buches, damit ״nicht der Abschluss mit etwas Schlimmem, mit der Strafandrohung Lev. 26!« schliesse. אין מםיימין בדבר דע. Hat man aus mehr oder weniger erkennbaren Gründen solche Verschiebungen vorgenommen, so kann das bei Hosea 2 auch der Fall sein. Durch einen solchen Zwischenakt wird der Leser von 1 abgelenkt und 3 wieder zum gleichen Gegenstände geführt, er empfindet das als dazwischen liegenden Zeitraum und begreift eher die Umwandlnng von 1 zu 3, die sonst zu unvermittelt käme. (Forts, folgt.) Lebenslauf des Nehemias Jehuda Leib von ihm selbst verfertiget. Der allmächtige Gott soll sich erbarmen, über mir armen Mensch, ich will überschreiben mein Leben, aus meiner jüdischen Schrift, auf teutsch, das Gericht soll es besser verstehen, so soll mir Gott helfen in meiner Not, als ich will, alles wahrhaftig in Gericht sprechen und schreiben, meine Sache, ich habe mir garnicht abzugeben in meinem Leben, ich muss sterben, ich muss meine Gedanken haben, als ich muss haben jene Welt, und nicht diese Welt, denn ich will allein aufschreiben mein Leben, wie bin gekommen zu meinen Gedanken, bis zu die Zeit, da ich bin in Arrest gekommen, nach Saarmund, dass das Gericht soll hören, dass ich Nehimmie bin geboren in Stryhckon, ich bin alt 31 Jahr, mein Vater und Mutter weiss ich nicht, wie alt sie gewesen seyn, mein Vater ist gestorb'en, dasz ist im Monat April seind es 6 Jahr, und meine Mutter ist gestorben im 9ten Tage im Monat May ist geworden 25 Jahr alt, mein Vater ist gewesen ein Hutmacher, sie haben ihr Leben verbracht in Strückhoff, und da ־־Seyn sie gestorben, ich habe eine Schwester in Klomnau, sie heiszt Frimet, die ist älter als ich, ist sie alt 34 Jahr, die Mannesälter weiss ich nicht, er ist ein Schneider, er heiszt Beisey, ich habe gehabt zwey Schwestern und einen Bruder, die seind gestorben in Strückhoff, ich weisz nicht, wie alt sie gewesen